Bands und Produzenten bestehen auf schlechte Qualität, Fans fordern Umdenken
Lautheitswahn: Die Jagd nach dem Krach
Music Markt
Die Klangqualität von Musik-CDs und MP3-Dateien ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken und inzwischen schlechter als bei der Einführung der Compact Disc vor 27 Jahren. Viele Konsumenten sind verärgert und tauschen gekaufte CDs um - wegen zu schlechtem Ton und Fehlern bei der Wiedergabe. Die Probleme sind nicht technisch bedingt, sondern werden absichtlich verursacht oder wissend in Kauf genommen. Eine amerikanische Initiative fordert die Musikindustrie nun zum Umdenken auf.
In dem beliebten PC- und Videospiel Guitar Hero des kalifornischen Publishers Activision haben Rockfans die Möglichkeit, die Originalsongs ihrer Lieblingsbands auf einer speziellen Plastikgitarre mitzuspielen. Regelmäßig können dazu neue Songs und Alben erworben und aus dem Internet heruntergeladen werden. Im September 2008 wurde die neue Metallica-Platte "Death Magnetic" parallel zum normalen CD-Album auch als Guitar-Hero-Version veröffentlicht. Doch statt Begeisterung bei den Metal-Fans löste sie im Web eine Welle der Empörung aus: Auf CD klingt das Album schlechter als auf der Spielkonsole.
Qualität wird schlechtgemastert
Schuld ist nicht die Aufnahme selbst oder die dabei verwendete Technik, sondern das Mastering: So nennt man den letzten Arbeitsschritt einer Musikproduktion, bei dem die fertig abgemischte Aufnahme noch den letzten Feinschliff erhält. Beim Album "Death Magnetic" kam unter anderem Dynamikkompression zum Einsatz. Dabei wird die Lautstärke der Musik auf einen einheitlichen Pegel gebracht, um sie in unruhiger Umgebung wie im Auto oder mit dem MP3-Player in der Bahn einfacher hören zu können.
Dieses Video auf YouTube demonstriert die Unterschiede zwischen der CD-Version (CD) und der Guitar-Hero-Version (GH) anhand einer Passage aus dem Album "Death Magnetic". Die Lautstärke wurde zu Demonstrationszwecken angeglichen.
(Quelle: YouTube)
Ted Jensen, der Tonmeister des Death-Magnetic-Albums, schrieb kürzlich in einer in einem Metallica-Forum veröffentlichten E-Mail: "Um aufgenommene Musik lauter erscheinen zu lassen, müssen Toningenieure den Dynamikumfang reduzieren, Unterschiede zwischen leisen und lauten Elementen minimieren und eine Flutwelle der akkustischen Eintönigkeit schaffen". Zwar klingt die Musik dadurch dichter und "fetter". In Wahrheit geht aber die ursprüngliche Dynamik und viele Details der Originalaufnahme verloren.
Glücklich sei er mit seinem neuesten Werk deshalb nicht, versicherte er: "Glaubt mir, ich bin nicht stolz darauf, mit dieser Scheibe in Verbindung gebracht zu werden". Doch die Schuld weist er von sich: "In diesem Fall waren die Mixes bereits übersteuert, als ich sie bekam." Meistens sind es die Band und der Produzent, die vom Tonmeister ein möglichst lautes Master verlangen.
"Rick Rubins (Anm.: der Produzent von Death Magnetic) ganze Aufgabe besteht darin, einen spritzigen, lauten und aufregenden Sound zu bekommen, der aus den Lautsprechern springt", meint Lars Ulrich, Drummer und Mitbegründer von Metallica. Er sieht keine Probleme bei dem neuen Album: "Natürlich, ich habe gehört, dass sich ein paar Leute beschweren. Aber ich habe die CD in den letzten Tagen ein paar Mal im Auto gehört und sie klingt verdammt rauchig!" Fans fordern in einer Online-Petition von der Band eine Neuveröffentlichung ihres neuesten Albums. Innerhalb von drei Wochen haben dort über 16.000 Personen ihre Stimme abgegeben.
Dieses Phänomen ist kein Einzelfall, sondern ist weit verbreitet. Die Mehrheit der Musik-CDs und MP3-Dateien, die heute verkauft werden, ist davon betroffen. In der Fernsehwerbung wird diese Technik ebenfalls regelmäßig eingesetzt. Denn wenn der Fernsehzuschauer bei der ruhigen Seifenoper eingedöst ist, soll der laute und in der Dynamik komprimierte Ton der Werbung ihn wieder aus dem Schlaf reißen.
Links zum Artikel
- Loudness-War-Eintrag bei Wikipedia
- Matsch im Mix: Metallica-Album klingt bei Guitar Hero besser
- Turn Me Up! Initiative
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Genau das isses! Da könnte ich ins Essen würgen! Compressor/Limiter und wie die alle heißen...
Viele Internetradios nutzen Dynamikkompression. Das hört sich dan echt beschissen an, weil nach der Hauptmelodie mit Bassteppich auf einmal der Bass eben entfällt -und die Musik lauter zu werden scheint! Dabei wird einfach nur der gesamte "Raum" ausgenutzt, statt die Musik original zu übertragen.
Das mit der TVwerbung ist wie beschrieben auch so ein Krampf. Ohne Worte. Einfach Bass weggefiltert, um die Mitten und Höhen laut zu bekommen.
Ich frag mich ernsthaft, was das Problem der Musikfirmen ist, die CD ist halt auf glaub 100dB Dynamik begrenzt.
Wenn die lauter werden wollen unter Beibehaltung der Qualität, dann sollte endlich die Audio-DVD die CD ablösen, denn eine DVD hat mehr Dynamikumfang. So blieben noch genug Reserven für Bass, und man muß nicht künstlich einbremsen.
Zitat:
Wenn die lauter werden wollen unter Beibehaltung der Qualität, dann sollte endlich die Audio-DVD die CD ablösen, denn eine DVD hat mehr Dynamikumfang. So blieben noch genug Reserven für Bass, und man muß nicht künstlich einbremsen.
Wobei ja nicht mal eine Notwendigkeit bestünde. Die CD darf ruhig noch ein Jahrzehnt das unbestrittene Musik-Medium bleiben, ging es nach mir. Es liegt ja nicht an der CD, sondern an der schlechten Nachbereitung.
Unkomplizierter als die Einführung eines neuen Standards wäre einfach, wenn diese Leute mehr auf die Kundenbedürfnisse eingehen und Qualität in den Vordergrund stellen würden. Wem es nicht "rauchig" genug ist und zu wenig kracht, der soll ruhig seinen EQ entsprechend ausrichten.
Anders herum geht es leider nicht für die, denen es zu viel Krach macht, schließlich kann man etwas bereits entferntes nicht wieder herstellen.
Natürlich. Ich bin auch für Qualität. Mein Beispiel mit der AudioDVD war dennoch ernst gemeint, wenn es lauter bzw dynamischer werden soll, dann wäre das die meiner Meinung nach nächstliegende Alternative.
Ich kenne dieses Problem wirklich! Aber bei mir kann ich den Unteschied vor allem zwischen älteren und neueren CDs feststellen. Letztens eine neu gekaufte CD in die Anlage. Und dann später eine viel ältere. Da sagt mein Freund zu mir.
,,Früher hat sich die Musik irgendwie noch viel besser angehört!" Da war mir dann auch aufgefallen wie Dynamisch sich das angehört hatte. Jetzt durch dieses Artikel könnte ich auf den Grund gekommen sein.
Ist es etwa wirklich so das die Dynamik bei verdammt vielen Werken gelitten hat? Ich dachte erst ich würde mir das dauernd nur einbilden. Aber da scheint ja was dran zu sein.
Was ich in letzter Zeit auch vermisse ist das- von der Musik regelrecht erschreckt werden- wenn der Bass loslegt.
-----Doppelpost zusammengeführt am 25.10.2008 um 00:51:49-----
Ich kenne dieses Problem wirklich! Aber bei mir kann ich den Unteschied vor allem zwischen älteren und neueren CDs feststellen. Letztens eine neu gekaufte CD in die Anlage. Und dann später eine viel ältere. Da sagt mein Freund zu mir.
,,Früher hat sich die Musik irgendwie noch viel besser angehört!" Da war mir dann auch aufgefallen wie Dynamisch sich das angehört hatte. Jetzt durch dieses Artikel könnte ich auf den Grund gekommen sein.
Ist es etwas wirklich so das die Dynamik bei verdammt vielen Werken gelitten hat? Ich dachte erst ich würde mir das dauernd nur einbilden. Aber da scheint ja was dran zu sein.
Was ich in letzter Zeit auch vermisse ist das- von der Musik regelrecht erschreckt werden- wenn der Bass loslegt.
Ich habe mich aufgrund der Dynamikkompression letztens von LastFM verabschieden müssen.
Es ist ja auch so: Gerade wenn man gewohnt ist sich den ganzen Tag am Arbeitsplatz mit Musik berieseln zu lassen macht einen die Dynamikkompression ja ganz "blöd" im Kopf.
Und das ist ja nun nicht der Sinn des Musikgeniessens, oder?
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