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Höhere Abgaben an Musiker: Steht iTunes vor dem Aus?
Apple will Shop lieber schließen, als die Songs teurer zu machen

von Moritz Zielenkewitz Uhr veröffentlicht

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Die 99-Cent-Mauer von iTunes gerät ins Wanken: Am morgigen Donnerstag wird in den USA beschlossen, ob Künstler eine höhere Verkaufsbeteiligung erhalten. Sollten die Plattenfirmen diesen Betrag auf die Musik-Shops abwälzen, will Apple iTunes lieber komplett dicht machen als draufzuzahlen.

Kaum blüht der Online-Verkauf von Musik, könnte es schon wieder vorbei sein. In den USA sollen die Abgaben an Musiker deutlich erhöht werden, morgen erfolgt der Entschluss. Apple stellt sich quer: Bevor diese Erhöhung das iTunes-Preismodell kaputt macht, schließt der Shop lieber direkt.

Das Update finden Sie am Ende des Artikels.

Das größte Stück vom Musik-Kuchen

Analysten schätzen, dass iTunes in diesem Jahr etwa 2,4 Milliarden Songs verkaufen und einem Marktanteil von 85 Prozent erobern wird. Damit ist der Online-Shop von Apple der größte weltweit. Das radikale Prinzip, jedes Musikstück für 99 Cent anzubieten, kurbelte nicht zuletzt auch die iPod-Verkäufe der Firma an.

Doch von dem Verkaufspreis wandern ganze 70 Prozent zu den Plattenfirmen, welche die Rechte an den Songs besitzen. In den USA zahlen die wiederum so genannte Royalty Fees an die Künstler selbst - eine Gewinnbeteiligung dafür, dass die Werke im Internet verkauft werden. Aktuell liegt der Betrag bei neun Cent pro Lied.

Will an den 99 Cent pro Song festhalten: iTunes.

Künstler fordern höhere Beteiligung

Zu wenig, findet die National Music Publishers' Association (NMPA). Denn die neun Cent wurden im Jahr 1997 festgesetzt und bezogen sich noch auf den Verkauf physischer Datenträger wie CDs. Am kommenden Donnerstag tagt daher das aus drei Richtern bestehende Copyright Royalty Board, um die Zahlungen für die nächsten fünf Jahre zu beschließen.

Eine Erhöhung auf 15 Cent hält die NMPA für angemessen, da der Online-Verkauf von Musik floriere und auf lange Sicht alle Beteiligten profitieren sollten. Den Plattenfirmen schmeckt diese Erhöhung nicht: Sie möchten weg von der Pro-Song-Regelung und schlagen stattdessen eine pauschale Beteiligung von acht Prozent vor.

Apple: 99 Cent oder wir sind raus

Sollten die erhöhten Royalty Fees tatsächlich beschlossen werden, ist klar, dass eine der beteiligten Gruppen dafür aufkommen muss - die Plattenfirmen, die Shops oder die Käufer. Und hier tritt Apple auf den Plan: Der Konzern geht davon aus, dass die Plattenfirmen die zusätzlichen sechs Cent auf iTunes und Co. abwälzen werden. Die für Apple zuständige Digital Media Association schlägt daher eine um 4,8 Prozent erhöhte Pro-Song-Beteiligung oder eine Pauschale von sechs Prozent vor.

Die geplante Erhöhung der Royalty Fees um sechs Cent indes kommt für Vize-Präsident Eddy Cue nicht in Frage: Bereits im vergangenen Jahr machte er deutlich, dass iTunes bei einer Erhöhung der Abgaben mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Verlustgeschäft werde. Dies sei ebenso inakzeptabel wie eine Erhöhung des iTunes-Verkaufspreises über die Grenze von 99 Cent. Bevor also eine der beiden Situationen eintrete, werde Apple den Musik-Shop lieber komplett vom Markt nehmen.

Spannungsfeld: Käufer, Shop, Plattenfirma

Ein harter Kurs, den Apple hier für iTunes einschlägt. Experten gehen zwar davon aus, dass der Konzern seine Drohung nicht wahrmacht - dennoch zeigt die Debatte, wie gering die Gewinnmargen selbst großer Musik-Shops gegenüber den Plattenfirmen sind. Verständlich, dass sich Apple so deutlich wehrt, falls die Plattenfirmen eine Erhöhung der Royalty Fees auf iTunes und Konsorten abladen wollen.

Morgen entscheidet das Copyright Royalty Board über die Erhöhung.

An den Käufer sendet Apples Haltung dabei ein durchaus positives Signal: Man will den günstigen Preis von 99 Cent mit aller Macht halten. Natürlich geschieht das nicht aus Nächstenliebe: Unter der Barriere von einem Dollar zu bleiben, war und ist ein psychologischer Effekt, der für den Durchmarsch von iTunes mitentscheidend war. Heute mehr denn je, denn auch der Verkauf von iPods und Apps für das iPhone ist eng mit dem Erfolg des Apple-Shops verwoben.

Darauf nimmt die National Music Publishers' Association keine Rücksicht und hofft, dass die Erhöhung der Royalty Fees am kommenden Donnerstag in ihrem Sinne beschlossen wird. "Apple möchte womöglich Songs billig anbieten, um mehr iPods zu verkaufen", so der Vorsitzende David Israelite. "Von den iPod-Verkäufen sehen wir Künstler allerdings keinen Penny."

Update vom 6. Oktober:

Das Copyright Royalty Board hat sich gegen die Erhöhung der Lizenzabgaben entschieden. Damit bleibt die Royalty Rate auch in den kommenden fünf Jahren bei neun Cent pro Song. Nach der Drohung, bei einer Erhöhung den Musik-Shop iTunes komplett zu schließen, folgte bei Apple jetzt die Kehrtwendung: Laut eines Sprechers begrüßte der Konzern die Entscheidung, die Royalty Rates stabil zu halten.

Kommentare zu diesem Artikel

Die 99-Cent-Mauer von iTunes gerät ins Wanken: Am morgigen Donnerstag wird in den USA beschlossen, ob Künstler eine höhere Verkaufsbeteiligung erhalten. Sollten die Plattenfirmen diesen Betrag auf die Musik-Shops abwälzen, will Apple iTunes lieber komplett dicht machen als draufzuzahlen.

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Höhere Abgaben an Musiker: Steht iTunes vor dem Aus?
Höhere Abgaben an Musiker: Steht iTunes vor dem Aus?
Apple ohne iTunes - eigentlich undenkbar. Und doch will der Konzern den Shop schließen, sollten die Abgaben an Plattenfirmen steigen. Und das könnte schon morgen passieren, denn die Künstler verlangen mehr Umsatzbeteiligung.
http://www.netzwelt.de/news/78666-hoehere-abgaben-musiker-steht-itunes.html
2008-10-01 13:45:00
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/itunes-kl-1222857018.jpg
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