1,8 Millionen US-Dollar, sieben Jahre Entwicklungszeit
Grausig schön: Cambridges neue "Corpus Clock"
Während sich ängstliche Zeitgenossen wohlig in der Endzeitstimmung aalen, die der Teilchenbeschleuniger LHC über den Erdkreis verbreitet, ist in Cambridge ein Präzisionswerk enthüllt worden, das plastisch zeigt, wie endlich unser kleines Erdenleben ist: die Corpus Clock, benannt nach dem Ort ihrer Aufstellung an einer Außenwand des Corpus Christi College.
Niemand geringeres als Physik-Ikone Stephen Hawking enthüllte die 1,8 Millionen US-Dollar teure Uhr am Freitag. Die mit Gold beschlagene Konstruktion wird von einem Uhrwerk in Form eines Grashüpfers angetrieben. Dieses Prinzip geht auf den britischen Uhrmacher John Harrison zurück, der den speziellen Aufzugsmechanismus um 1772 erfand.
Der Schöpfer der Corpus Clock, John C.Taylor, möchte mit seiner beeindruckenden Uhr zeigen, wie endlich und zugleich unfassbar ein nur vordergründig exaktes Phänomen wie Zeit eigentlich ist: "Dies ist keine Computeranimation, sondern eine echte mechanische Uhr. Die Oberfläche der Uhr holt eine Zeit ab, die als Welle aus dem Zentrum des Universums zu uns kommt. Jede Sekunde rennt um das Zentrum, pulsierendes Licht, das verdeutlicht, wie die Zeit verrinnt."
Taylors Anspruch drückt sich in den Bewegungen der blauen Licht-Dioden aus, die in unterschiedlichen Geschwindigkeiten um die Uhr rasen. Zwischendurch taucht immer wieder die konkrete Uhrzeit auf, verschwindet dann wieder, während der gigantische Grashüpfer auf der Uhr hockend die Zeit als rhythmischer Taktgeber verschlingt. Der Künstler dazu: "Unter unterschiedlichen Bedingungen verstreicht die Zeit schneller oder langsamer. Zeit ist relativ."
Sieben Jahre hat Taylor an der Uhr gearbeitet und dabei ein technisch und künstlerisch perfektes Unikat geschaffen. Die Beine des Grashüpfers treiben das Uhrwerk an, das furchterregende Maul des Insekts verschlingt die Sekunden. Taylors Uhr ist fünfzig Mal größer als die Original-Uhr von Harrison und wird sich sicherlich zu einem Highlight für Cambridge-Reisende entwickeln.
