Ein freies und offenes WWW für alle Menschen
Sir Berners-Lee: Vater des Netzes gründet Web-Stiftung
Es war nicht alles schlecht an den Achtzigerjahren. Talk Talk produzierten "Spirit of Eden", Ronald Reagan forderte "Mr. Gorbachev, tear down this wall!" und der Brite Tim Berners-Lee erfand das World Wide Web am Schweizer CERN, weil er gerade nichts zu tun hatte.
Mittlerweile ist das WWW den Kinderschuhen entwachsen und sein Schöpfer von der Queen geadelt. Alles wäre also bestens, gäbe es da nicht die bösen Kräfte, die den guten Kern des Internets bedrohen. Da man als Vater des Netzes eine gewisse Verantwortung und auch Autorität gegenüber seinem Schützling an den Tag legen muss, hat Sir Berners-Lee nun eine Web-Stiftung ins Leben gerufen, um die ursprüngliche "Vision des Netzes", wie sie von der Handvoll Wissenschaftler und Netz-Pionieren gedacht war, monetär zu fördern. Startkapitel der Unternehmung: fünf Millionen US-Dollar, die sich durch Spendengelder in den nächsten Jahren auf mindestens 25 Millionen Dollar erhöhen sollen.
Bereits in den letzten Jahren hatte sich Berners-Lee scharf gegen geplante Vorfahrtsstraßen für große Webseiten in den USA, Stichwort Netz-Neutralität und Bandbreite, gewandt. Aus dieser Perspektive erscheint sein Schritt, eine Stiftung für den Erhalt des egalitären Vernetzungsgedankens ins Leben zu rufen, konsequent.
In seiner Gründungsrede vor der John S. and James L. Knight Foundation in Washington ging der Erfinder von HTML und URL genauer auf die Beweggründe ein, die zur Gründung der Stiftung geführt haben: "Meine Kollegen und ich haben drei Triebfedern identifiziert, die die nächste Phase des Netzes einleiten werden: Technologie, Innovation, Web-Wissenschaft und nicht zu vergessen, die Nutzung des Webs zugunsten unterversorgter Gemeinschaften. Aber es sind erhebliche weltweite Anstrengungen notwendig, um die ursprüngliche Vision des Webs zu erfüllen: mehr Menschlichkeit mittels Technologie."
Drei Richtlinien sieht sich die Web-Stiftung verpflichtet. Zum einen soll das Netz frei und offen gehalten werden. Zum anderen sollen Projekte unterstützt werden, die die Kapazitäten und die Stabilität der Netzarchitektur weiterentwickeln. Das eigentliche Ziel ist aber, die Errungenschaften des Netzes für alle Menschen weltweit zugänglich zu machen. "80 Prozent der Weltbevölkerung sind noch nicht im Netz", mahnte Berners-Lee.
Die Stiftung wird ihren Betrieb 2009, im zwanzigsten Jubiläumsjahr des WWW, aufnehmen. Man darf gespannt sein, wie groß der Einfluss der Web-Foundation auf die Entwicklung des Netzes in der Praxis ausfällt. Dass Berners-Lee und seine Mitstreiter Überzeugungsarbeit leisten können, hatten sie schon 1989 bewiesen: "Es dauerte 18 Monate für meinen Kollegen Robert Cailliau und mich, die CERN-Direktoren davon zu überzeugen, keine Lizenzgebühren für die Nutzung des Web zu erheben. Hätten wir das nicht erreicht, wäre das Web heute nicht da".

