Was nützt der teuerste Fernseher, wenn das Bild nicht stimmt?
Verkehrte Netzwelt: High-Tech-Klötzchen staunen
"Guck mal, das sind doch Klötzchen?" Da sitze ich nun vor einem aktuellen Hightech-Flachbildfernseher, einer der besten in seiner Klasse, und kann es nicht fassen. Schon seit Monaten will ich mir die teure Anschaffung inklusive Kaufberatung ansehen. Kein Schnäppchen, sondern Qualitätsware sollte es sein, wie mir der Kollege glaubhaft versichert. Und trotzdem tanzen jede Menge Artefakte munter durch das Abendprogramm, holen den großen abendfüllenden Spielfilm der ARD "Die Liebe ein Traum" zurück in die schnöde Datenwelt.
42-Zoll-Display, Ambilight-Beleuchtung, knapp 2.000 Euro Cash im Media-Markt. Ja, das wäre was für unser "Medien-Zimmer", wie meine Frau etwas abfällig die obere Etage mit Computer, Xbox und großem Röhren-Fernseher nennt. Entsetzt sehe ich vor dem geistigen Auge, wie meine wütende dreijährige Tochter auf unsere alte Glotze zurennt und - "Peng" - mit beiden Händen gegen das Glas klatscht. Der Röhre war der Ansturm herzlich egal. Aber ein LCD-Monitor für 2.000 Euro? Mir tritt der Schweiß auf die Stirn.
"Du darfst dich nicht so nahe davor setzen", rüttelt mich der Kollege aus meiner Schreckensvision auf. "Der ideale Abstand zum Fernseher ist erst erreicht, wenn du in der Position direkt mit dem Kopf an der gegenüberliegenden Wand bist." Ich trete zurück und maule: "Die Klötzchen sind immer noch da." Der Kommentar sitzt! Gerade präsentiert sich Hauptdarstellerin Stefanie Dvorak in einer Nacktszene, aber statt eines wohlgeformten Busens gibt es nur pixelige Kanten zu bestaunen.
"Das liegt nicht am Fernseher. Der ist perfekt!" verzweifelt der Freund und versucht über die Fernbedienung mehr Kantenglättung ins Bild zu zaubern. "Es ist das DVB-T-Signal, stimmt's?" Ich versuche, in meine Stimme so viel Mitgefühl zu möglich zu legen. "Ja", quält sich ein Stoßseufzer hervor. "Und dabei hat der Philips einen der besten DVB-T-Tuner seiner Klasse!"
Perfect Pixel HD, dynamischer Kontrast und Natural Motion: Da hilft keines der aufwändigen Extra-Programme, die der Fernseher zu bieten hat. Das Bild bleibt grottig. Erst nach dem Einlegen einer Blu-ray-Disk hellen sich die Mienen etwas auf. "Nächsten Monat sattle ich um", verspricht mir der Kollege noch mit einem nachdrücklichen Klaps auf den Rücken an der Tür. "Eine Schüssel wollte ich mir sowieso noch holen. Muss ja eigentlich nicht mal HD sein. Alles ist besser als DVB-T."

Mit großem und vor allem teurem Tamtam bewirbt Philips, einfach ausgedrückt, nur schummriges Licht. Satte 50 Millionen Euro lässt sich der Elektronikproduzent die Einführungskampagne zu seinen neuen TV-Geräten kosten, Top-Model inklusive. "Aurea" setzt nun das fort, was mit "Ambilight" startete: Lampen erzeugen eine leuchtende Korona um den Fernseher, die sich farblich den gerade gezeigten Bildinhalten anpasst. Die nächste der Generation der Heim-Lichtspiele kommt bereits zur IFA.
Liebhaber von Kinofilmen können anfangen zu sparen. Philips kündigt einen LCD-Fernseher im Cinemascope-Format an. So kommen Hollywood-Streifen im Original-Seitenverhältnis von 21:9 ins Wohnzimmer.
LG bringt mit den beiden LU7000-Modellen zwei kleine Fernseher mit stilvoll integriertem DVD-Player auf den Markt. Die HD-Geräte sind weniger für das Wohnzimmer gedacht, sondern sollen als Zweitgerät in Schlafzimmer oder Küche stehen. Sowohl die 19- als auch die 22-Zoll-Variante bieten eine HD-Auflösung von 1.366 x 768 Pixeln.
Mit 2.900 Euro Listenpreis zählt Philips’ 46-Zöller 46 PFL 9704 preislich fast schon zur High-End-Liga. Ob sich der edel aussehende LCD-Fernseher auch technisch zur Spitzenklasse zählen darf, zeigt der netzwelt-Test. Im Internet kann man ihn immerhin schon für 2.100 Euro bekommen.
Philips genießt bei LCD-Fernsehern einen hervorragenden Ruf. Netzwelt wollte wissen, ob auch die neueste Modellgeneration in Form des 40 PFL 8605 an diese Tradition anknüpfen kann. Um es vorwegzunehmen: Sie kann es – trotz kleiner Schwächen.
Und noch ein Riesenfernseher im netzwelt-Test, dieses Mal ist der Philips 52 PFL 7404 an der Reihe. Was der 52 Zoll große LCD-Fernseher aus Holland auf dem Kasten hat, musste er im netzwelt-Testparcours zeigen, in dem er sich als guter Allrounder mit leichten Blu-ray-Schwächen entpuppte.
Wer ist der schlimmste Feind des Hightech-Anwenders? Richtig, die Schwiegermutter. Meine Schwiegermutter zum Beispiel. Das Böse sieht man ihr aber gar nicht an. Scheinbar ist Lotte eine nette und aufgeweckte alte Dame. Aber andauernd schafft sie es, meine Elektronik zu "verkonfigurieren".




