Künstler will die GEMA zur Auseinandersetzung mit dem Urheberrecht zwingen

70.200 GEMA-Formulare: Komponist zettelt Papierkrieg an

70.200 GEMA-Formulare: Komponist zettelt Papierkrieg an Sind Sie gerade in Berlin? Dann sollten Sie am Freitagvormittag unbedingt am Wittenbergplatz, Bayreuther Straße 37, vorbeischauen. Um 11.00 Uhr wird ein Laster vorfahren, der über und über mit Formularen beladen ist. Der Komponist Johannes Kreidler will diese bei der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) abgeben. Er ist als Musikschaffender Mitglied der Verwertungsgesellschaft. Mit der Aktion sollen die Einzelnachweise für eine Collage von Samples erbracht werden. 70.200 Stück sind es an der Zahl.

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Was da auf die Berliner Bezirksdirektion der GEMA wie der Alptraum einer bürokratischen Apokalypse zurollt, ist laut Kreidler eine Kunstaktion, die er "product placements" nennt. Die Dauer seiner musikalischen Collage: knappe 33 Sekunden. Der Hintergrund: Eine Forderung, die nicht neu ist, die aber noch nie so spektakulär in Szene gesetzt wurde. Das Urheberrecht soll modernisiert werden und sich endlich den Gegebenheiten des Internet-Zeitalters anpassen.

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Erst im April dieses Jahres hatte der Bundesverband der Musikindustrie unter großem Wirbel einen "Offenen Brief" an Bundeskanzlerin Angela Merkel initiiert (siehe: Links zum Artikel). Darin fordern so prominente Künstler wie Peter Maffay, Udo Lindenberg oder Reinhard Mey die Kanzlerin auf, sich stärker für den Schutz des geistigen Eigentums einzusetzen.

Wo aber fängt dieses an? Begibt man sich auf die juristische Ebene - und das ist letztlich die, die im Streitfall ausschlaggebend ist, dann ist die Sache laut Kreidler klar: "Entgegen der landläufigen Meinung, kurze Zitate seien frei verwendbar, muss tatsächlich auch der kleinste Fremdanteil am eigenen Werk bei der Verwertungsgesellschaft angegeben werden." Kreidler möchte diese Regelung auf die Spitze treiben, indem er mit der Inszenierung von 70.200 musikalischen Zitaten "ein wahres Formulargebirge" für die GEMA erzeugt.

GEMA-Sprecherin Bettina Müller gibt sich gegenüber netzwelt entspannt: "Man scheint anzunehmen, dass wir Herrn Kreidler vom Hof jagen wollen. Das wird nicht der Fall sein. Wir glauben zudem nicht, dass er uns den Papierstapel da lassen muss, da die "Sound-Schnipsel" zu kurz sind, um angemeldet zu werden. Falls wir die Dokumente aber dennoch bearbeiten müssen, werden wir das auch tun." Auf die Frage, ob die GEMA für die Menge der Anträge Platz geschaffen habe, fügt Müller hinzu: "Ganz ehrlich, 70.200 einseitige Formulare passen auf eine Euro-Palette. Das ist vom Platz her ganz unproblematisch."

Technik-Interessierte werden sich fragen, wie der Komponist derart komprimiert Samples in nur 33 Sekunden aneinander heften konnte. Arrangiert wurde die gewaltige Menge in einer Open-Source- Multimedia-Entwicklungsumgebung namens "Pure Data". Diese erfreut sich in Experimental-Musikkreisen großer Beliebtheit. Die Aktion passt auch zu Kreidlers Schaffensrichtung. Er arbeitet vor allem am Thema "Kompression und Musik".

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