RealNetworks bringt einen DVD-Ripper auf den Markt

RealDVD: Der Kopierschutz-Trickser

Wer jemals versucht hat, mit einer Software wie Nero Recode eine DVD auf die Festplatte zu bannen, weiß, dass das frustrierend sein kann. In 99 Prozent aller Fälle meldet die Software, dass der begehrte Film aus Copyright-technischen Gründen nicht ausgelesen werden darf. RealNetworks hat jetzt mit dem Programm "RealDVD" in den USA den Vorstoß gewagt, ein Programm anzubieten, das kopiergeschützte DVDs für ein persönliches Backup auslesen kann. Aber wäre das hierzulande überhaupt legal?

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Auslesen und wieder verschlüsseln
  2. 2Eins-zu-Eins-Abbilder auf der Festplatte
  3. 3Die Chancen für Deutschland

Real wagt sich an eine schwierige Sache. DVDs zu kopieren - darauf steht, zumindest wenn es nach der Motion Picture Association of America (MPAA) geht - die Höchststrafe. Um genau das zu verhindern, schufen die Väter der DVD mit dem Content Scramble System (CSS) ein Schutzsystem, welches das binäre Auslesen von Hollywood-Träumen verhindern sollte. Der Schutz wurde zwar binnen kürzester Zeit geknackt und sein Code in Windeseile über das Netz verbreitet. Trotzdem darf bis in unsere Tage kein legales Programm die CSS-Barriere umgehen, um die Rohdaten dauerhaft auf der Festplatte zu speichern.

Ein Screenshot der Programmoberfläche
Ein Screenshot der Programmoberfläche

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Auslesen und wieder verschlüsseln

RealDVD verwendet daher einen Trick. Die Daten werden nicht für jedes Programm lesbar auf die Festplatte gerippt, sondern nach dem Auslesen direkt wieder in ein proprietäres Real-Format gebannt. Dieses kann nur vom programmeigenen Player gelesen werden. Eine solche Vorgehensweise des Rippers bringt für den Kunden eine Reihe von Nachteilen mit sich.

So preist Real das Tool zwar als mobile Lösung an. Tatsächlich hat der Käufer aber nur eingeschränkten Zugriff auf die Daten. Er kann sie nicht an Freunde oder Bekannte weitergeben. Das verhindert der Real-Kopierschutz. Hinzu kommt, dass das Programm nach dem Einführungsangebot knapp 50 US-Dollar kostet. Die Filmwiedergabe lässt sich zwar auf bis zu fünf weiteren Computern aktivieren, die neuen Rechner benötigen aber Extra-Lizenzen für jeweils knapp 20 US-Dollar.

Eins-zu-Eins-Abbilder auf der Festplatte

Unpraktisch: RealDVD kann nur komplette DVDs rippen. Dadurch entstehen zwar Eins-zu-Eins-Abbilder auf der Festplatte ohne Qualitätsverlust. Wer aber seine Sammlung für die Reise rippen will, muss bei einer Größe von vier bis acht Gigabyte pro Film beachtlich viel Speicher vorrätig halten. Und das obwohl es leistungsfähige Codecs wie MP4 oder XviD gibt, die das Material schonend und platzsparend komprimieren könnten.

Der kleine Vorteil des Real-Weges ist, dass beim Umkopieren sämtliche Zusatz-Features der DVD ausgelesen werden und anschließend im Player zur Verfügung stehen. Wer dies allerdings im Vorfeld abwählen will, hat keine Chance: Es gibt nur einen Ausleseknopf ohne weitere Optionen. Moderne Medien wie Blu-ray oder HD-DVD oder ältere Formate wie VCD oder SVCD unterstützt das Programm ebenfalls nicht.

Die Chancen für Deutschland

Nach Auffassung des auf Medien- und Urheberrecht spezialisierten Dr. Alexander Wachs hat RealDVD auf dem deutschen Markt keine Chance: "Die Software von Real dürfte in Deutschland weder verkauft noch genutzt werden. Nach meinem Verständnis muss RealDVD den CSS-Kopierschutz umgehen, damit die DVD in einer 1:1-Kopie auf der Festplatte gespeichert werden kann. Das Umgehen eines wirksamen Kopierschutz ist aber verboten. In der Vergangenheit hat die Industrie die Verbreitung entsprechender Umgehungsprogramm auch sehr hart verfolgt."

Ob RealDVD damit das Schicksal von AnyDVD, DVD Decrypter und anderen Rippern teilt, bleibt abzuwarten. Zunächst darf man gespannt sein, wie und ob die MPAA Real mit Klagen überziehen wird oder ob ihr das betagte Format in Zeiten von Blu-ray und HD-Streams aus Onlineshops nicht mittlerweile herzlich egal ist.

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