Microsoft im Interview mit netzwelt
"Der IE8 ist auf Schiffbruch konfiguriert!"
Jens Fliege
Die Aufregung um Google Chrome schlägt zurzeit hohe Wellen. Geht man aber nach den Nutzerzahlen, ist immer noch der Internet Explorer der Chef im Ring, dessen neue Version 8 gerade in einer Vorab-Version gelauncht wurde. Netzwelt hat Daniel Melanchthon, seines Zeichens Microsoft-Evangelist, zu Datenschutz, kaputten Webseiten und langsamen Beta-Versionen befragt.
netzwelt: Herr Melanchthon, auch wenn Ihr Name eine derartige Berufswahl quasi heraufbeschwört. Was bitte ist ein Microsoft-Evangelist?
Melanchthon: Ein Microsoft-Evangelist ist dafür da, zukünftige Technologien zu vermitteln und Begeisterung dafür zu wecken. Wir sind häufig als Sprecher auf großen und kleinen Veranstaltungen unterwegs. Ein eigenes Blog schreiben wir unter Umständen auch und wir arbeiten in den Web-Communitys mit.

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Daniel Melanchthon, Security-Evangelist bei Microsoft
(Klick vergrößert.)
netzwelt: Sie berichten in Ihrem Blog zurzeit rege über die Entwicklung des Internet Explorer 8.
Melanchthon: Ich kümmere mich vor allem um Security bei Microsoft. Dazu gehört auch der IE8 aufgrund des Sicherheitsaspekts.
netzwelt: Im vierten Quartal 2008 wird Microsoft den Internet Explorer 8 veröffentlichen. Auffällig ist, wie schnell der neue Browser kommt, wenn man sich die Spanne ansieht, die zwischen der sechsten und der siebenten Version lag. Warum drückt Microsoft so auf das Gaspedal?
Melanchthon: Zunächst zum Termin. Der ist meines Wissens nach nicht bestätigt.
netzwelt: Also ist mit dem Internet Explorer 8 in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen?
Melanchthon: Das habe ich nicht gesagt. Es gibt einen Termin. Die Beta 2 ist fertig. Alle neuen Funktionen sind drin, auch eine neue Rendering-Engine, aber auch noch jede Menge Beta-Code. Und wir warten noch auf das Feedback aus der Community. Davon machen wir abhängig, wann wir den Browser freigeben werden.
netzwelt: Sie sprachen gerade von einer neuen Rendering-Engine. Netzwelt hat alle aktuelle Browser miteinander verglichen. Dabei fiel auf, dass viele Browser auf Geschwindigkeit und korrektes Rendern der Seiten Wert legen. Der IE8 bildet in allen Tests das Schlusslicht. Setzt Microsoft hier einen anderen Schwerpunkt?
Melanchthon: War er Schlusslicht bei der Geschwindigkeit oder bei der Konformität?
netzwelt: Sowohl als auch. Wenn man sich den Sunspider Javascript-Test anschaut, dann sieht man, dass der IE8 10,37 Sekunden für den Test benötigt. Der Firefox 3.0.1 liegt bei 5,2 Sekunden und Google Chrome sogar bei nur 2,7 Sekunden. Der IE ist relativ langsam.
Und auch beim CSS Redering Benchmark sieht es schlecht aus. Google Chrome braucht für das Rechnen von 2.500 Div-Containern nur 60 Millisekunden. Der IE8 bricht im Test völlig weg. Also: Sowohl was Geschwindigkeit angeht als auch bei CSS scheint er hinterher zu hinken...
Melanchthon: Die Beta-Version, die wir rausgeben, sind nicht auf Performance optimiert. Schon bei der Beta 1 haben wir gesagt, dass es primär um eine Freigabe für Web-Entwickler geht, die damit ihre Webseiten testen können.
netzwelt: Heißt das, dass wir zur finalen Version des IE8 mit einem deutlichen Geschwindigkeits- und Performance-Schub rechnen können?
Melanchthon: Auf jeden Fall! Die Beta-Versionen enthalten nicht nur den Code, den das Programm braucht, sondern jede Menge zusätzlichen Code, der es einfacher macht, Fehler zu analysieren. Das Endprodukt wird um diese Zusätze erleichtert werden.
netzwelt: Sie haben vor kurzem davon gesprochen, dass der IE8 "auf Schiffbruch konfiguriert" sei. Was meinen Sie damit?
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