Kommentar zu Chrome: Panikmache und Verunsicherung

Verschwörung mit offenen Karten - geht das?

Niemand wird bezweifeln, dass Google einen großen Machtplan mit unseren Daten und dem Internet schmiedet, auch Chrome ist im Prinzip nur ein weiteres Zahnrad in dieser Maschinerie. Dennoch muss Browser mit Browser verglichen werden, wenn das Ergebnis objektiv und glaubhaft sein soll. Und hier gibt sich Google überraschend transparent: Der Konzern listet auf, in welchen Situationen Chrome Kontakt zu den Servern aufnimmt und gibt direkt eine Anleitung an die Hand, wie diese Funktionen abgeschaltet werden können.

Werbung

Ein untypisches Verhalten für einen Konzern, der angeblich heimlich Datenmassen anhäuft. Auch für die laut Rechtsanwalt Alexander Wachs schwammigen Formulierungen in den Nutzungsbedingungen von Chrome hat sich Google bereits entschuldigt und nachgebessert. Auch die vielzitierte Identifikationsnummer sei keine Verletzung des Datenschutzes, wie Kay Oberbeck von Google Deutschland beteuert:

"Solche Identifikationsnummern für Update-Services sind absoluter Industriestandard und nicht ungewöhnlich. Die Identifikationsnummer wird nur bei der erstmaligen Installation und Verwendung der Anwendung und bei der automatischen Update-Prüfung von Google Chrome an Google gesendet." Weiter sagt Oberbeck: "Die Informationen aus Google Suggest und dem Download für den Phishing-Schutz werden nicht mit der Identifikationsnummer verknüpft." Fakt ist: Auch der Mozilla Firefox erstellt bei der Installation eine Nummer zum Senden anonymer Nutzerstatistiken.

Fazit: Misstrauen ja, Verteufelung nein

Natürlich ist Google wegen Chrome im Moment ein sehr präsentes und damit dankbares Thema. Sich allerdings so stark der Meinungsmache - fast schon Panikmache - zu verschreiben, kann nicht im Sinne der Nutzer sein. Selbst wenn die Warnung des BSI sich nur auf den frühen Versionsstatus bezieht, wird ein Großteil der Nutzer auch einen fertigen Google-Browser nicht anrühren und Chrome als unsicher einstufen.

Chrome: Netzwelt testet den Google-Browser

Bild 1 von 9
Willkommen - Nach dem ersten Start zeigt Chrome kurze Videos zu den wichtigsten Funktionen.
Bild vergrößern

Nach dem ersten Start zeigt Chrome kurze Videos zu den wichtigsten Funktionen.

Bild 2 von 9
Tab-Vorschau - Zu Beginn ist die Liste der am häufigsten besuchten Websites leer.
Bild vergrößern

Zu Beginn ist die Liste der am häufigsten besuchten Websites leer.

Bild 3 von 9
Tab-Vorschau II - Nach einiger Zeit erkennt Chrome die persönlichen Vorlieben. Zuletzt angelegte Lesezeichen tauchen am rechten Rand auf.
Bild vergrößern

Nach einiger Zeit erkennt Chrome die persönlichen Vorlieben. Zuletzt angelegte Lesezeichen tauchen am rechten Rand auf.

Bild 4 von 9
Omnibox - URL-Leiste und Suchfenster sind bei Chrome zur Omnibox zusammengewachsen. Diese bekommt jeder einzelne Tab spendiert.
Bild vergrößern

URL-Leiste und Suchfenster sind bei Chrome zur Omnibox zusammengewachsen. Diese bekommt jeder einzelne Tab spendiert.

Bild 5 von 9
Verlauf - Interessant ist, das der Verlauf bei Chrome durch Datum und Uhrzeit strukturiert ist. Das Auffinden von besuchten Seiten wird so einfacher.
Bild vergrößern

Interessant ist, das der Verlauf bei Chrome durch Datum und Uhrzeit strukturiert ist. Das Auffinden von besuchten Seiten wird so einfacher.

Bild 6 von 9
Tasks im Blick - Chrome bringt einen Browser-eigenen Task-Manager mit. Da jeder Tab in einem eigenen Prozess läuft, ist es wichtig zu sehen, wo viele Resourcen verbraucht werden.
Bild vergrößern

Chrome bringt einen Browser-eigenen Task-Manager mit. Da jeder Tab in einem eigenen Prozess läuft, ist es wichtig zu sehen, wo viele Resourcen verbraucht werden.

Bild 7 von 9
Optionen - Chrome beschränkt sich auf zwei Menüpunkte. Hier lassen sich alle notwendigen Änderungen und Anpassungen vornehmen - egal ob Komfort, Sicherheit oder Downloads.
Bild vergrößern

Chrome beschränkt sich auf zwei Menüpunkte. Hier lassen sich alle notwendigen Änderungen und Anpassungen vornehmen - egal ob Komfort, Sicherheit oder Downloads.

Bild 8 von 9
Unerkannt - In den Einstellungen lässt sich der Inkognito-Modus aktivieren, der ein neues Chrome-Fenster öffnet. Dort werden persönliche Daten nicht mehr gespeichert, bis das Fenster wieder geschlossen wird.
Bild vergrößern

In den Einstellungen lässt sich der Inkognito-Modus aktivieren, der ein neues Chrome-Fenster öffnet. Dort werden persönliche Daten nicht mehr gespeichert, bis das Fenster wieder geschlossen wird.

Bild 9 von 9
Chrome - Noch befindet sich Google Chrome im Beta-Status, weitere Features und Optimierungen sollen in Kürze folgen.
Bild vergrößern

Noch befindet sich Google Chrome im Beta-Status, weitere Features und Optimierungen sollen in Kürze folgen.


Es ist wichtig, Google kritisch zu beobachten, daran darf kein Zweifel bestehen. Auch das Abklopfen auf Sicherheitslücken und Datenlecks ist klar zu befürworten - dies ist aber kein Vorgang, der speziell auf Chrome oder Google gemünzt ist. Jede öffentliche Beta-Version durchläuft diese Phase. Wäre dieser Testzeitraum nicht notwendig und würden keine Schwachstellen entdeckt, könnte der Browser auch direkt als fertig deklariert werden.

Solange es sich bei Chrome allerdings um eine unfertige Version handelt, muss Google zum Nachbessern die Zeit eingeräumt werden, die auch andere Entwickler erhalten. Vielleicht kann man Google ankreiden, zu früh in eine öffentliche Beta-Phase gestartet zu sein. Jetzt aber jede während des Testzeitraums entdeckte Schwäche so umzumünzen, das sie medienwirksam der Verschwörungstheorie um Google in die Hände spielt, ist aufmerksamkeitsheischend und klar das falsche Signal an die Internet-Nutzer.

Weitere Informationen

Wie geht's weiter? Zu diesem Thema haben wir eine redaktionelle Übersicht erstellt. Sie finden das Special zu Browser & Mailer hier.

Links zum Thema