Kommentar zu Chrome: Panikmache und Verunsicherung
Google Chrome: Günstiges Ticket für den Medienzug
Von der inhaltlichen Aussage sind die Zitatgeber also nahezu deckungsgleich. Nur beim BSI fehlt die Gewichtung der Gefahren, welche von Google Chrome ausgehen. Die Vermutung liegt nahe, dass auch Matthias Gärtner die Warnung hauptsächlich ausgesprochen hat, um technisch weniger versierte Nutzer vor einer unfertigen Beta-Version zu schützen.
Doch woran erkennt ein User, dass ihm die nötige Expertise fehlt, um mit der Beta von Google Chrome sachgemäß umzugehen - und würde er das von sich selbst auch zugeben? Ein Millionenpublikum, das größtenteils selbst noch keine Möglichkeit hatte, sich einen Eindruck von Chrome zu verschaffen, wird in der als seriös angesehenen Tagesschau dringend davor gewarnt, den Browser zu nutzen.
Hype-Opfer: Wo bleibt die Warnung vor Microsoft?
Dieser Meldung haftet der unangenehme Beigeschmack von Meinungsmache an. Zwar ist Google mit deutlichem Abstand der größte Suchanbieter in Deutschland, bei der Browser-Verbreitung kann davon allerdings keine Rede sein: Etwa 1,5 Prozent Marktanteil hat Chrome laut Net Applications - ein kleines Licht gegenüber den 72 Prozent, die Microsofts Internet Explorer besitzt.

Überdeutliche Warnung: Google Chrome in der Tagesschau.
Warum also warnt das BSI nicht vor der aktuellen Beta-Version des Internet Explorer 8? Immerhin lief diese in netzwelt-Tests deutlich instabiler als Chrome. Eine breit publizierte Warnung vor einem Einsatz wäre hier gleich aus mehreren Gründen angebrachter: Zum einen bekommt jeder Windows-Nutzer den Internet Explorer 8 (IE8) als automatisches Update angeboten, sobald der Browser fertiggestellt ist. Zum anderen rufen die Microsoft-Entwickler offiziell dazu auf, die Beta 2 bereits im Alltag zu verwenden - ein klares Sicherheitsrisiko.
Doch der IE8 hat es bei weitem nicht in die Tagesschau oder auf die Titelseite einer überregionalen Zeitung geschafft, obwohl auch Microsoft in gigantischen Dimensionen im Netz operiert. Die Antwort muss in diesem Fall wohl schlicht lauten: In den Köpfen der User ist Microsoft bei weitem nicht Google. Microsofts Einfluss scheint klar abgesteckt, die Ziele unmissverständlich. Anders bei Google: Chrome gibt den Verschwörungstheorien um die "Datenkrake" neuen Nährboden, da die gesammelten Informationen nach wie vor in einer Art Blackbox landen.
>>> Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum ein kritischer Umgang mit Google Chrome zwar sinnvoll ist, die aktuelle Meinungsmache aber über das Ziel hinausschießt.
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