Hintergrund: Warum Googles Chrome so strahlt
Pate Safari: ein schlanker, schneller Motor
Auch hier gibt es allerdings einen wichtigen Google-Beitrag, der nicht unterschlagen werden soll: Gears. Diese Technologie sorgt bei Chrome und GOS dafür, dass die Anwendungen zusätzlich in einem Offline-Modus ausgeführt werden können. Sie müssen also nicht mit dem Netz verbunden sein, um eine Online-Textverarbeitung wie Google Docs zu nutzen, wenn Sie bei Chrome eine Anwendungsverknüpfung auf dem Desktop erzeugen. Diese Funktion funktioniert im Version-Build 1583 noch nicht auf unserem Testrechner.
Webkit ist die Rendering Engine, die bei Google Chrome verwendet wird. Die Google-Entwickler waren beeindruckt davon, wie simpel und schnell diese Rendering Engine beim Nachbarprojekt Android arbeitet. Diese Verblüffung teilen sie mit ihren Kollegen von Apple, die Webkit bereits 2004 im KDE-Projekt entdeckten und den Code für die Entwicklung ihres Browsers Safari nutzten. Auch beim "Browsermotor" setzt Chrome auf bewährte Open Source-Technik.

Wer hat's erfunden? Safari nutzte nach KDEs Konqueror zuerst Webkit.
Pate Opera: Tab-Browsing und Übersichtsseiten
Für Chrome sind die einzelnen Reiter, die so genannten "Tabs", ein elementarer Bestandsteil des Bedienkonzepts. Pate für diese Funktion standen wahrscheinlich nahezu alle modernen Browser, wobei wir die Popularisierung dieser Funktion an dieser Stelle großzügig dem norwegischem Alternativ-Browser Opera anrechnen, obwohl bereits vor 2000 einige unbekanntere Browser das "tabbed browsing" beherrschten. Als Mozilla und später Firefox das Bedienkonzept übernahmen, konnten sich schließlich auch Microsoft den Vorteilen von Tab-Browsing nicht verschließen und führte den Mechanismus mit dem Internet Explorer 7 ein. Chromes besondere Note ist der Umstand, dass die Tabs im Kopfbereich des Programms die Position gewechselt haben - eine so simple wie clevere Entscheidung, die das gesonderte Prozess-Management für jeden einzelnen Tab unterstreicht.
Auch die "Tab Page" mit den neuen am meisten besuchten Seiten, die sich beim Start von Chrome mit einer Miniaturansicht der am meisten besuchten Seiten öffnet, ist von Opera abgeschaut. Die Funktion heißt dort "Speed Dial" und wurde 2007 mit Opera 9.20 veröffentlicht. Chrome geht bei seinem "Speed Dialing" aber noch einen Schritt weiter. Dort wo man bei Opera die Favoritenseiten extra auswählen muss, loggt Chrome einfach mit und präsentiert die neuen am meisten besuchten Seiten. Eine Möglichkeit zum Eingriff in die Reihenfolge und die Auswahl ist zurzeit noch nicht vorgesehen.
Googles Leistung: Virtuelles Javascript und Sandboxes
Aber Google hat nicht nur gute Ideen aufgegriffen und mit eigenen Akzenten versehen, sondern gibt auch die Richtung in der Entwicklung moderner Web-Anwendungen vor. Bestes Beispiel ist sicherlich die JavaScript-Engine "V8", die der Suchmaschinengigant im dänischen Aarhus für Chrome von Grund auf entwickeln ließ. Die Bedeutung von JavaScript für moderne Web-Applikationen kann kaum überbewertet werden.
Gleichzeitig ist die Scriptsprache relativ langsam im Vergleich zu Desktop-Anwendungen. Ein wichtiges Ziel von Chrome ist es daher, das Ausführen von JavaScript zu beschleunigen. Gleichzeitig sollte der Code in einer virtuellen Umgebung isoliert werden, damit er keinen Schaden im Browser oder schlimmer noch auf den Daten der Festplatte anrichten kann.
Stabilität, Sicherheit, Bedienkonzepte: Chrome hat viel von seinen Paten IE, Firefox, Safari oder Opera gelernt. Ob der Spross seine Onkel und Tanten in der Publikumsgunst überflügeln wird, werden die nächsten Monate zeigen. Ebenso spannend ist es zu beobachten, wie Googles Code von der Netzgemeinde aufgenommen und weiterentwickelt wird. Denn dies ist das immer wieder erklärte Ziel des Projekts. Über die strategischen Hintergründe von Chrome soll an anderer Stelle spekuliert werden.

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