Forscher nutzen Satellitenfotos zur Tier-Beobachtung
Google Earth beweist: Rinder haben einen Magnetsinn
Yasmin Kötter
Mit Google Earth ist die Welt aus der Vogelperspektive nur wenige Klicks entfernt. Der Vorgarten des Nachbarn taucht auf den Satellitenbildern genauso auf wie ein auf frischer Tat ertappter Dieb. Biologen der Universität Duisburg-Essen haben Google Earth genutzt, um eine ganz besondere Tiergattung zu beobachten: Rinder.
Tiere als zuverlässiger Kompass-Ersatz
Denn auf den Satellitenbildern zeigt sich, dass die Tiere eine besondere Begabung haben: einen Magnetsinn. Was von Tierklassen wie Fledermäusen oder Vögeln schon bekannt ist, haben die Forscher mit Hilfe von Google Earth nun für die Vierfüßler entdeckt: Rinder nehmen das Erdmagnetfeld wahr. Wohin sich die Wiederkäuer beim Grasen stellen, hat nicht nur etwas mit dem saftigsten Gras zu tun. Die Tiere richteten sich wie eine Kompassnadel in Nord-Süd-Richtung aus, so die Biologen in einem Aufsatz für die amerikanische Zeitschrift PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences).
Mit der Maus auf Kuh-Suche in Google Earth
Sabine Begall, Hnyek Burda und ihre Kollegen von der Universität Duisburg-Essen studierten nach eigenen Angaben insgesamt 308 Herden auf der ganzen Welt. Die Satellitenaufnahmen des frei zugänglichen Google-Dienstes zeigen die Tiere aus der Vogelperspektive. Zwar ist nicht immer eindeutig zu erkennen, was Kopf und was Hinterteil der Rinder ist, aber zwei von drei Tieren richteten für die Biologen eindeutig ihre Körperachse zum magnetischen Norden aus. Dieser liegt ein paar Grad verschoben zum geografischen Nordpol.

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Immer der Nase nach: Stehen diese Kühe auf der Nord-Süd-Achse?
"Es ist erstaunlich, dass Hirten dieses offenkundig weit verbreitete Phänomen scheinbar jahrtausendelang übersehen haben", schreiben die Wissenschaftler. Bisher seien Kühe nur dafür bekannt, sich an kalten Tagen mit ihrer Breitseite zur Sonne zu drehen, um möglichst viel Wärme aufzunehmen. Und dass sie sich in die Richtung eines starken Windes drehen, um möglichst wenig Widerstandsfläche zu bieten, sei auch verständlich.
Diese Umgebungs-Faktoren seien aber zu vernachlässigen, ein Zufall könne die Ausrichtung der Tiere entlang der Nord-Süd-Achse des Erdmagnetfeldes nicht sein. Da die Satellitenaufnahmen, laut Begall, zum einen an vielen Orten aufgenommen wurden und zum anderen gemäßigte Wetterbedingungen eine Voraussetzung für die Fotos waren.
Wobei hilft der Magnetsinn?
Außerdem seien jene Tiere nicht berücksichtigt worden, die nahe einer Wasserstelle oder aber an steilen Hängen standen. Neben den abgelichteten Rindern beobachteten die Biologen mehr als 11.000 Tiere in freier Wildbahn. Ähnliche Ergebnisse lieferte die Untersuchung von Hirschrudeln in der Tschechei.
Welche Bedeutung die Ausrichtung der Rinder zum Nordpol hat, ist noch unbekannt. Auf die Frage nach biologischen Gründen haben die Wissenschaftler bisher keine plausible Erklärung gefunden. Als nächstes stehen große Säugetiere wie Schafe und Pferde auf der Beobachtungsliste. Und die Suche bei Google Earth geht von vorne los.
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