Nvision08: Interview mit Rob Csongor von Nvidia
"Wir werden Maus und Tastatur sterben lassen"
Michael Knott
Rob Csongor ist Vice President of Corporate Marketing bei Nvidia. Im Rahmen der Nvision spricht der bekennende Grafik-Fan über die Zukunft der GPU, die Farbe Grün und alberne NASA-Videos.
netzwelt: Auf der Nvision redet jeder über dreidimensionale Bilder, fantastisch detaillierte Grafiken und immer leistungsfähigere Rechner. Wie sieht unsere Zukunft in Sachen Grafik aus?
Rob: Ich denke, die Zukunft wird uns nicht zwangsläufig immer höhere Auflösungen bringen. Worauf wir uns zurzeit bei Nvidia konzentrieren, ist mehr Realismus in die Spiele zu bekommen. Kyle Busch, der Rennfahrer der hier auf der Nvision als Gastredner aufgetreten ist, hat sich zum Beispiel nicht über die Darstellung der Wolken in Renn-Simulationen beschwert. Und er hat auch kein Wort über die Animation der Zuschauer auf den Tribünen verloren. Ihm fehlt es generell an Realismus. Wenn er Computerspiele spielt und einen virtuellen Rennwagen steuert, mangelt es seiner Meinung nach an einem realitätsgetreuen Fahrverhalten. Und er hat recht.
"Wir gehen jetzt ganz anders an die Sache"
Wir überdenken daher die ganze Sache komplett. Mit Physics wollen wir ein natürlicheres Verhalten von virtuellen Gegenständen erreichen, damit sich Drifts auch wie Drifts anfühlen. Ich rede dabei nicht von Evolution, sondern von einer ganz neuen Herangehensweise. Die Zukunft der Grafik ist also in eine natürliche Umgebung eingebettet.
netzwelt: Abgesehen von Spielen, wie kann Nvidia in anderen Bereichen punkten?
Rob: Wir werden Maus und Keyboard sterben lassen. Die nächste Generation Computer-Hardware wird auf grafisch gestalteten, intuitiven Benutzeroberflächen basieren. Jeff Han hat dies auf der Eröffnungs-Keynote eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Der Nachrichtensender CNN etwa setzt solche Displays bereits heute schon ein, um verschiedene Informations-Ebenen grafisch anschaulich auf einem Monitor zu präsentieren.
netzwelt: Immer aufwändigere Grafiken verlangen auch nach einer besseren Infrastruktur, nach mehr Bandbreite. Wie wollen Sie dieses Problem in den Griff bekommen?
Rob: Wenn ein Anbieter mit unbegrenzter Bandbreite winken würde, wir wären die ersten, die zugreifen würden. Doch das ist Zukunftsmusik und eine richtige Antwort auf diese Frage habe ich zurzeit leider noch nicht. Doch die Frage ist doch auch, wer welches Problem als erstes lösen muss? Manchmal muss man erst etwas entwickeln, um andere Menschen bewegen zu können. Nehmen Sie wieder Jeff Han mit seinen Multitouch-Displays. Hätte er die Technologie dazu nicht mitentwickelt, wären andere Hersteller wie Apple auch nicht auf diesen Zug aufgesprungen.
Mehr Saft, weniger Saft
netzwelt: Ähnliches gilt allerdings auch für den Stromhunger von GPUs. Wäre Nvidia hier im Umkehrschluss nicht am Zug, den Verbrauch so drastisch zu senken, dass Anwender und andere Hersteller die Notwendigkeit von Green IT erkennen und mitziehen? Wann wird die 0,1-Watt-GPU kommen?
Rob: Dazu ist eine völlig andere Architektur nötig, die wir beispielsweise bei einigen Mobile Internet Devices (MID) einsetzen. Bei Notebooks und Desktop-Systemen muss die Devise lauten: Weniger Power, wenn man sie nicht benötigt, mehr, wenn man sie benötigt. Das alleine hilft bereits, den Stromverbrauch drastisch zu senken. Leistung und Stromverbrauch sind natürlich immer abhängig voneinander. Auch unsere Hybrid-SLI-Technologie hilft den Stromverbrauch zu senken.
netzwelt: Gibt es eine erzählenswerte Geschichte hinter dem Nvidia-Grün?
Rob (lacht): Normalerweise fragen die Menschen immer nach der Entstehung des Logos oder der des Namens, interessanterweise nur sehr selten nach der Farbe. Die einfache Antwort: Nein, leider gibt es keine. Aber vielleicht denke ich mir bis zu unserem nächsten Treffen eine aus.
netzwelt: Ihr bislang beeindruckendstes Erlebnis auf der Nvision...
Rob:...fand bereits bei den Vorbereitungen zur Messe statt. Da wir Eileen Collins, die erste Pilotin eines Space Shuttles, zur Keynote unbedingt auftreten lassen wollten, haben wir bei der NASA nach passendem Video-Material für die Vorführung angefragt. Die Videos, die sie uns schickten, sind für uns aus heutiger Sicht zum Schießen komisch. (Anmerkung des Autors: Es folgt ein etwa zweiminütiges Schauspiel von Rob, der mit ernstem Gesichtsausdruck einen NASA-Wissenschaftler imitiert). Die Simulationen eines Raketenstarts, die Raketen bestanden nur aus einer Hand voll Polygonen, sorgen beim Nvidia-Team heute noch für ein Schmunzeln.
netzwelt: Rob, vielen Dank für das Gespräch.
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