Microsoft hat den Kampf um OOXML gewonnen
Ritterschlag durch die ISO: OOXML wird Standard
Software
Die OOXML-Gegner werfen dem Marktführer vor, nur eine scheinbare Offenheit beim neuen Format zu proklamieren. Allein der Umstand, dass sich implementierungswillige Entwickler durch eine über 6.000 Seiten umfassende Dokumentation arbeiten müssen, zeige, dass Microsoft alles daran setze, um das Format für die Konkurrenz so unzugänglich wie möglich aufzubereiten. Es lässt sich leicht nachvollziehen, dass kleine Firmen kaum die Möglichkeiten und Ressourcen haben, OOXML in einem langwierigem Prozess als Speicherformat anzubieten.
Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung
Zudem soll es bei der Abstimmung über OOXML durch die Mitgliedsländer der ISO im Frühjahr 2008 zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein. Der Vorsitzende des norwegischen Gremiums, Steve Pepper, hatte bei der ISO Protest gegen Norwegens "Ja" nach der Abstimmung eingelegt. 80 Prozent der Gremiumsmitglieder hätten sich, laut Pepper, mit einem "Nein" gegen OOXML ausgesprochen. Norwegens Votum für das Dokumentenformat sei nicht nachvollziehbar. Initiativen wie Noooxml.org machen unumwunden Microsofts Lobbyarbeit für das Abstimmungsverhalten verantwortlich.
"Vertrauensbruch" und "Bestechung" sind die harmloseren Bezeichnungen, die der Internationalen Organisation für Standardisierung derzeit entgegenschlagen. Die harten Beschuldigungen sind sicherlich auch dem überraschenden Veto geschuldet, das die ISO nun verlauten ließ. Jomar Silva, ein Vertreter aus dem Zertifizierungsgremium in Brasilien, spricht aus, was viele denken: "Was wäre passiert, wenn England, die Vereinigten Staaten, Deutschland und Frankreich die Eingabe gemacht hätten?" Für Silva ist die Abweisung ein Affront gegenüber den Schwellenländern, die die Eingabe initiiert hatten.
Immerhin: Microsoft gibt sich betont zahm. Das Lesen eines in ODF gespeicherten Dokuments wird in künftigen Office-Versionen keine unüberwindliche Hürde mehr sein. Und ob sich das XXOML-Format weltweit durchsetzen wird, hängt zudem nicht nur von Microsofts Marktmacht ab, sondern auch vom Willen der Kunden. Und wer weiß - vielleicht ist der Krimi um die Zertifizierung von OOXML noch nicht abgeschlossen. Die letzten Monaten haben auf jeden Fall gezeigt, dass im Wechselspiel der Kräfte vieles möglich ist.
Links zum Artikel
- Blogeintrag von Jomar Silva
- Homepage von www.noooxml.org
- Pressemitteilung der ISO zur Zurückweisung der Eingabe
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