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18.08.2008
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Microsoft hat den Kampf um OOXML gewonnen

Ritterschlag durch die ISO: OOXML wird Standard

Jens Fliege

Ritterschlag durch die ISO: OOXML wird Standard

Downtown Brüssel an einem warmen Frühlingstag im März des Jahres 2010. Verona Filippowna, persönliche Assistentin eines hochrangigen EU-Kommissars, tippt einen Geschäftsbrief in der Enterprise-Edition des frisch installierten "Microsoft Office 14". Beim Speichern klopft der Office-Assistent an die Scheibe und fragt, ob sie ihr Dokument im traditionellen Doc-Format abspeichern möchte oder vielleicht doch lieber das neue ISO-zertifizierte OOXML-Format verwenden will. Frau Filippowna ist unentschlossen, entscheidet sich aber nach kurzer Lektüre des Hilfetextes für das Format mit der merkwürdigen Bezeichnung, da Microsoft dieses explizit als den neuen und offenen Standard für Bürokommunikation bezeichnet.

Unsere kleine Büroszene klingt etwas fremd in Ihren Ohren? Abwarten - der Kampf zwischen Arm und Reich, zwischen Industrienationen und Schwellenländer scheint entschieden. Am Sonntag gab die Internationale Organisation für Standardisierung (ISO) überraschend bekannt, dass die Eingabe von Brasilien, Indien, Südafrika und Venezuela gegen die Zertifizierung von Microsofts OOXML-Format nicht die erforderliche Mehrheit bekommen habe.

Geadelt durch die ISO

Es werden also nur noch wenige Wochen vergehen, bis OOXML unter der Bezeichnung "DIS 29500" den Ritterschlag der Normierungsorganisation erhält. Das ist ein wichtiger Etappensieg für Microsoft im Kampf um die Vorherrschaft bei Office-Installationen auf Büro-Rechnern. In letzter Zeit sah es gar nicht gut aus für OOXML. Trotz der Marktmacht von Microsoft war der Zertifizierungsprozess durch die Eingabe der Schwellenländer fast vollständig zum Erliegen gekommen.



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De Zeit der Petitionen ist vorbei: OOXML wird zertifiziert.
(Klick vergrößert.)

Das Zurückweisen der Eingabe durch die ISO kommt auch für Microsoft überraschend. Eigentlich hatte sich der Riese schon damit abgefunden, bei den freien Formaten die zweite Geige zu spielen. So hatte Stuart McKee, Technikchef bei Microsoft USA, sich vor einigen Wochen am Rands einer Linux-Konferenz dazu hinreißen lassen, einen Sieger im Kampf um die Vorherrschaft bei Dokumentformaten auszurufen. Microsoft-untypisch hörte dieser allerdings nicht nicht auf die Dateiendung ".doc", ".xlf" oder ".ppt", sondern bevorzugte das schlichte ".odf". Das Standardspeicherformat der kostenlosen und frei zugänglichen OpenOffice.org-Suite (zum Download) schien den Kampf bei der ISO gewonnen zu haben.

And the winner is... ODF?

ODF beschäftigt Microsoft schon seit geraumer Zeit. Da sich immer mehr Organisationen und Bürokratien zum Einsatz von freien Formaten für interne und externe Kommunikation entscheiden, verlieren die geschlossenen Microsoft-Formate an Attraktivität bei Behörden. Quelloffenheit heißt der neue Trend, ein Feature, das Microsoft seinen Kunden nicht bieten wollte oder konnte, bis der Konzern im Dezember 2006 zum Angriff überging. Microsoft legte der ISO ein hauseigenes Konkurrenzformat zu ODF vor: das Office-Format OOXML.

Was folgte, war eine lange Auseinandersetzung zwischen dem Open Source-Lager, Mitgliedsländern der ISO und Microsoft, die von Härte und taktischen Winkelzügen geprägt war. Und auch nach Bekanntwerden der Abweisung der Eingabe ist kaum davon auszugehen, dass der Kampf zwischen den Lagern beendet sein wird. Was bringen die Gegner der Zertifizierung gegen das OOXML-Format vor?


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News Flash, am 02.12.2008 09:57

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