Supercomputing im Land der Spätzle und Maultaschen
Wissenschaft spricht schwäbisch: IBM in Böblingen
Prozessoren & Overclocking
Ob Google, Yahoo, Hewlett-Packard oder Apple, alle großen Firmen entwickeln im Silicon Valley. Alle? Nein, eine Firma lässt auch außerhalb der Staaten entwickeln: IBM in Böblingen. Eine Stadt mitten in Baden-Württemberg, circa 20 Kilometer von Stuttgart entfernt, steht für Spitzenforschung, was nur die wenigsten wissen. Im fleißigen Schwabenländle ist Böblingen daher ein Vorzeigeort. Zwischen Weinbergen und Neckar stellt sich IBM der Herausforderung, Europa gegen das Silicon Valley antreten zu lassen.
Das Silicon Valley ist ein Teil der San Francisco Bay Area. Dort sind eine Menge Halbleiter- und Computerhersteller ansässig. Daher auch der Namensteil "Silicon", der für das chemische Element Silizium steht. Im Valley entwickelte sich schon 1951 mit dem Industrial Park und der Stanford-Universität ein wirtschaftliches Zentrum. Im Laufe der Zeit gründeten Absolventen und ehemalige Mitarbeiter der Elektrofirmen neue Unternehmen und bringen seitdem ihre Ideen erfolgreich auf den Markt. Standfords Google-Studenten Larry Page und Sergey Brin sind das prominenteste Beispiel.
Inhalt
- Quantensprung aus Böblingen: Der PS 3-Chipsatz
- Hybrid-Rechner made in Germany
- Aus der Multi-Core-Entwicklung lernen
- Forschung wie am Fließband
- Erfolg sichert Arbeitsplätze und Leben

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Nur noch rechts abbiegen: 300 Meter bis zum Forschungszentrum
(Klick vergrößert.)
Das Entwicklungs- und Forschungslabor in Böblingen ist ebenfalls gut aufgestellt: Es zählt über 1.800 Mitarbeiter, die ein Abbild dessen sind, was bei IBM entwickelt wird. Ein globaler Vorteil gegenüber anderen Forschungseinrichtung ist die Produktpalette. Ob Software, Hardware, Support oder komplette Rechenzentren: Böblingen hat alles unter einem Dach. Deshalb ist gerade der Böblinger Standort in Europa einzigartig. Er gehört zur Welt-Elite.
Quantensprung aus Böblingen: Der PS 3-Chipsatz
Eine Ursache dafür ist zweifelsohne die Forschung im HPC (High Performance Computing) und in der Mainframe-Architektur. Das HPC gleicht der Formel 1 und hat schon so manchen Quantensprung hervorgebracht, der bis unter Ihren Fernsehtisch reichen kann. Denn ein aus dem Hause Böblingen stammender Meilenstein ist der Cell-Chipsatz, der auch in der Playstation 3 für flüssiges Gameplay sorgt.
Das Projekt PS3-Konsole und Cell war bisher eine Ausnahme bei IBM. Die eigentlichen Cell-Anwendungen sind eher im Supercomputing und damit in fast unerreichbaren physikalischen Dimensionen anzutreffen. So rechnet ein Cell-Kern im Supercomputer "Roadrunner" - immerhin der zurzeit schnellste Rechner weltweit. Er ist in einer Halle untergebracht, die so groß ist wie ein Fußballfeld. Auf diesen Rechner ist man in Böblingen besonders stolz. Das beweisen die dazu passenden DIN A-4 großen Glückwünsche, die in den Gängen der "heiligen Hallen" hängen.
Der Cell-Prozessor ist noch ein junges Produkt und schon wird an einer neuen Generation gefeilt: "Wir haben bei IBM schon vor mehr als fünf Jahren das Ende der klassischen Chip-Entwicklung vorausgesagt. Das Ende dieser Speicherelemente zeichnet sich immer deutlicher ab - beste Beispiele sind die verlangsamten Wachstumsraten für Schaltgeschwindigkeit und Dichte der Transistoren auf den Chips", beschreibt Ralf Fischer, Director eClipz and Hardware Development IBM Germany, das Problem.
Dieser Umstand betrifft nicht nur High Performance Computing, sondern ist laut Intel auch ein Problem für den Nutzer zu Hause. Ralf Fischer fühlt sich bestätigt. In einer gerade veröffentlichten Roadmap kündigt Intel das Ende der gegenwärtigen Chipsätze an. Genau hier will man in Böblingen ansetzen. "Trotz des Drucks ist es uns durch Investitionen und Innovationen, die wir gemeinsam mit unseren Entwicklungspartnern in der Halbleiter-Entwicklung vorantreiben, gelungen, das Ende der Leistungssteigerung vor uns herzuschieben", so Fischer.
Jetzt sind Sie dran.
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