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gOS: Das Gadget-OS mit dem Google-Drive
Betriebssystem mit den vielen integrierten Google-Diensten

von Jens Fliege Uhr veröffentlicht

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Randvoll mit Google-Anwendungen und perfekt mit dem Netz verzahnt: "gOS" macht es Einsteigern leicht, Windows nicht mehr zu vermissen. Wir haben uns die aktuelle Version angeschaut und verraten Ihnen, wie Sie an den Download kommen.

Die aktuelle Beta von gOS zeigt der Computerwelt, wohin die Reise geht: Dokumente werden via "Cloud Computing" im Servermeer abgelegt, Web-Applikationen lassen sich im Gegenzug nahtlos in den Desktop integrieren und Browser-Fenstern ist nicht mehr anzumerken, woher sie stammen.

Wer erinnert sich noch? Anfang 2006 geisterte ein Gerücht durch die Foren und Newsticker des Netzes: Google baue an einem eigenen Betriebssystem, um Microsoft Paroli zu bieten. Goobuntu solle es heißen und den Markt der Desktop-PCs erobern.

So wie es zurzeit aussieht, setzt der Suchmaschinen-Gigant tatsächlich alles daran, um seine Vorstellung einer perfekten Arbeitsumgebung bis Ende des Jahres auf den Markt zu bringen. Es gibt allerdings einen Haken: Android, so der Name des Betriebssystems, ist nicht der 2006 erwartete Google-Knüller für den Desktop, sondern ein OS, das ausschließlich auf Handys läuft. Also Pech gehabt? Von wegen: Das Google-OS gibt es mittlerweile trotzdem, es ist nur nicht vom kalifornischen Branchen-Primus. Gerade in diesen Tagen ist die aktuelle Beta-Version erschienen.

Aus Goobuntu wird gOS

gOS ist David Lius Vision eines Betriebssystems mit maximaler Integration aller wichtigen Google-Applikationen. Liu gründete das Projekt 2007, als Google längst dementiert hatte, dass ein Betriebssystem für die Massen geplant sei. Goobuntu, das Quentchen Wahrheit hinter dem Gerücht, sei ausschließlich für den internen Gebrauch vorgesehen, ließ Google lapidar verlauten. "Wie gemein", dachte sich Liu und machte sich daran, ein eigenes OS auf Basis von Ubuntu zu entwickeln, das er Ende 2007 im Bundle mit diversen Wal-Mart Rechnern in den USA vermarkten konnte.

Der gOS-Desktop

Die aktuelle Beta nennt sich gOS 3 Gadget und gibt einen Hinweis darauf, wohin die Reise geht. Über 100.000 Gadgets sollen laut Veröffentlichungsnotiz von Liu über "Google Gadget" nach dem Versionssprung auf dem gestarteten Desktop zur Verfügung stehen. Das dafür notwendige Installationsprogramm "Google Gadget" und eine kleine Auswahl sind bereits vorinstalliert. Dabei haben sich die gOS-Macher für insgesamt sieben Widgets entschieden. Besonders auffällig ist der Blumentopf, eine Art Tamagotchi für Floristen. Wer ihn regelmäßig gießt, soll virtuelle Blütenträume kennenlernen. Ein Jammer nur, dass man die Tulpen nur schwer besprechen und noch weniger streicheln kann. Hier wäre ein Chat-Fenster für gutes Zureden angebracht gewesen.

Es gibt aber auch nützlichere Widgets auf dem gOS-Desktop. Der rote Ladebalken der Batterie-Anzeige, die rechts oben am Desktop klebt, deutet darauf hin, dass gOS sich gerne auf Netbooks einnisten möchte. Die restlichen Widgets beschäftigen sich mit WLAN, Wetter und Wissenswertem aus aller Welt.

Ob ein Taschenrechner auf dem Desktop nun in der Default-Konfiguration unbedingt notwendig gewesen wäre, ist zwar fraglich. Wichtig für Sie ist jedoch vor allem: Wenn Sie gOS in der Live-Umgebung starten oder erstmalig installieren, sollten Sie die Widgets, die Sie nicht mögen einfach weg klicken - schon um Platz für neue Widgets zu schaffen. Unter "Applications", "Zubehör" finden Sie den Eintrag "Google Gadget". Rufen Sie das Programmfenster auf. Dort können jede Menge weiterer Mini-Anwendungen für alle und keinen Zweck "genascht" werden.

Das Programmfenster von Google Gadget

Für die einen ist gOS bytegewordener Daten-Albtraum aus dem Googleversum, für die anderen verheißungsvoller Bote der näheren Zukunft unter dem Stichwort "Cloud Computing". Wie sehr die Verbindung zwischen Google Diensten beziehungsweise Google Software auf der Arbeitsoberfläche voran geschritten ist, verrät bereits ein Blick auf das Mac-artige Dock, das dem Avant-Projekt entliehen ist. Dort befindet sich neben Firefox das Icon für das Gmail-Konto, die Kalenderfunktion und Google Docs. Die wichtigsten Büro-Dienste, die gOS zu bieten hat, sind also nicht nur direkt im Dock verknüpft, sondern werden über "Prism" angesteuert.

Wer eines der Icons anklickt, versteht sofort, was Prism bewirkt: Diese Technologie sorgt dafür, dass Software, die aus dem Netz gestartet wird, sich im Fenster nicht als solche zu erkennen gibt. Wenn Sie Google Docs in gOS starten, werden Sie, schnelle Leitung vorausgesetzt, tatsächlich das Gefühl haben, eine Programmanwendung zu starten. Kein Browser-Fenster verrät, dass Mozillas Gecko-Engine und damit also Firefox den Start der Anwendung ermöglicht. Dank Gear ist sogar ein Arbeiten mit den Online-Applikationen im Offline-Modus möglich.

Dock mit Google-Diensten

Und wie wird gOS installiert?

Die Installation von gOS gestaltet sich nicht sonderlich schwer und ist mit dem typischen Sechser-Schritt einer modernen Ubuntu-Installation vergleichbar. Zunächst einmal starten Sie in die Live-Umgebung von gOS. Dort klicken Sie auf "Installieren". Nun öffnet sich das Installationsfenster, das Sie in wenigen Schritten durch die Installation führt.

Die Installation von gOS

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Nach dem Booten der Live-CD müssen Sie die Sprache auswählen.

Im ersten Fenster wählen Sie die Spracheinstellungen aus, im zweiten Fenster Ihre Stadt. Im dritten Fenster können Sie überprüfen, ob das Tastaturlayout korrekt eingestellt ist. Anschließend kommt die Frage nach Login und Passwort. Hier weicht gOS vom Ubuntu-Standard ab, denn in der Grundkonfiguration können Sie nur ein Passwort setzen, was wohl der Herkunft aus dem Wal-Mart-Verkauf geschuldet sein könnte. Nach der Installation können Sie über die Benutzerverwaltung ein weiteres Konto einrichten. Das letzte Fenster bringt die Distribution mit einem Klick auf "Installieren" auf die Festplatte.

Fazit

Wenn man die grundlegenden Bedenken gegen die Datensammelwut eines Google-OS mal außen vor lässt, lässt sich sagen, dass gOS mit seinem Benutzerkonzept äußerst modern ist. Der Desktop setzt weitestgehend auf Applikationen, die aus dem Netz geladen werden mit dem Browser als Transmitter. gOS nutzt dabei mit Prism konsequent eine Technik, die die Grenzen zwischen On- und Offlinewelt verschwimmen lässt. Noch hat gOS die typischen Programme einer Ubuntu-Installationen an Bord: OpenOffice, Gimp, Basero und Co. Man muss aber kein Prophet sein, um sich auszurechnen, dass die Tage dieser lokalen Software-Installationen gezählt sind. Bleibt nur noch die Frage offen, wie lange es dauern mag, bis auch im quelloffenen Bereich genügend leistungsfähige Applikationen groß geworden sind, um eine ähnlich leistungsfähige Umgebung mit deutlich gezähmter Sammelwut zu erzeugen.

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gOS: Das Gadget-OS mit dem Google-Drive
gOS: Das Gadget-OS mit dem Google-Drive
Randvoll mit Google-Anwendungen und perfekt mit dem Netz verzahnt: "gOS" macht es Einsteigern leicht, Windows nicht mehr zu vermissen.
http://www.netzwelt.de/news/78313-gos-gadget-os-google-drive.html
2008-08-11 17:55:00
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gOS: Das Gadget-OS mit dem Google-Drive