Alternative Suchmaschine Cuil: Muss Google zittern?

Hoooose runter: Größenvergleich

Mit dem Slogan "Analyzing the web rather than our users" dürfte Cuil vielen Skeptikern der Googleschen Sammelwut in die Hände spielen. Auf der anderen Seite versperrt sich Cuil mit dieser Firmenpolitik den Zugang zu vielen Funktionen, die auf Personalisierung beruhen. Auf ein Google-Konstrukt mit Webmailer, Kalender, Textverarbeitung und weiteren Applikationen muss Cuil natürlich verzichten.

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Nimmt man Funktionen und Aussehen beiseite, muss sich jeder Google-Konkurrent an den beiden Kernpunkten einer Suchmaschine messen lassen: Größe und Relevanz des Suchindexes. Hier prescht Cuil nach vorne und behauptet, mit 120 Milliarden mehr als doppelt so viele Websites im Index zu haben wie Google - Microsoft sei man sogar um den Faktor zehn überlegen.

Im Praxistest konnte netzwelt das allerdings nicht verifizieren: Stichprobenartig ausgewählte Begriffe waren bei Google durchschnittlich fünfmal stärker vertreten, auch bei der Relevanz der Treffer musste sich Cuil fast immer geschlagen geben. Enttäuschende Beispiele: Für "Kaffee" tauchte auf der ersten Cuil-Seite kein Wikipedia-Eintrag auf, "Filesharing" lieferte im gesamten Netz nur magere 250 Ergebnisse.

Natürlich dürfen diese ersten Tests nicht als alleiniges Kriterium für eine Bewertung von Cuil herhalten. Wie seinerzeit Google auch muss Cuil die Startup-Probleme abschütteln und auf Schlagzahl kommen, bevor der direkte Vergleich angebracht ist. Der neuen Suchmaschine haftet in jedem Fall jetzt schon der Charme des Underdogs an - Wasser auf die Mühlen der Google-Kritiker.

Cuil Suche
Cuil: Gewöhnungsbedürftig bis enttäuschend.

Potenzial vs. Gewohnheitstier

Die Frage, ob Cuil sich tatsächlich langfristig gegenüber Google - und in Teilen auch Yahoo und Microsoft - behaupten kann, hängt aber nicht nur mit den Suchergebnissen zusammen. Der User als Gewohnheitstier setzt die Stichwortsuche im Internet bereits mit Google gleich und hat dessen Funktionsweise verinnerlicht.

Ein Beispiel: Wer nach "Herr der Ringe" googelt und nur Treffer zum Film geliefert bekommt, startet umgehend eine weitere Suche mit "Herr der Ringe Buch". Cuils innovatives Konzept mit themenrelevanten Zusatzlinks könnte also möglicherweise verpuffen, weil sich die Nutzer nicht auf diesen Mehrwert einstellen. Ähnliches gilt für das gewöhnungsbedürftige Design und den nicht berücksichtigten Wunsch des Nutzers, einen "besten" Link zu erhalten.

Fazit: Dem ersten Eindruck zufolge könnte sich Cuil dank des auf Vernetzung und Privatsphäre konzentrierten Ansatzes tatsächlich zu einer Google-Alternative mausern. Die Chancen auf eine Ablösung stehen hingegen denkbar schlecht. Auch Fragen nach Finanzierungsmodellen oder erweiterten Suchoptionen muss Cuil erst klären, bevor hier Empfehlungen oder Warnungen ausgesprochen werden können.

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