Deutschland: Ein Volk der Kopierer?
Kein Einzelfall: Facebook gegen studiVZ
Die im Vorfeld von amerikanischen Anwälten von Facebook erhobene Vorwürfe haben studiVZ veranlasst, bereits am Freitag, den 18. August 2008, eine Feststellungsklage beim Landgericht Stuttgart einzureichen. Diese hat das Ziel, von den zuständigen deutschen Gerichten feststellen zu lassen, dass die von Facebook erhobenen Vorwürfe nicht zutreffend sind. "Nachdem es Facebook trotz aufwändiger Bemühungen bisher nicht gelungen ist, in Deutschland Fuß zu fassen, versucht man jetzt offenkundig, den Erfolg von studiVZ gerichtlich zu behindern", sagt Marcus Riecke, Geschäftsführer von studiVZ.
"Es gibt weltweit zahlreiche soziale Netzwerke. Facebook war nicht das erste und ist beileibe nicht das einzige. Mit dem Versuch, studiVZ durch die Anstrengung eines Prozesses ohne Erfolgsaussichten vor einem amerikanischen Gericht zu schädigen, erhebt Facebook im Prinzip den Anspruch auf ein weltweites Monopol bei sozialen Netzwerken. Dies ist vermessen und wird sich schnell entlarven. Wir sehen der Sache gelassen entgegen", führt Riecke weiter fort.
Facebook, Google, MySpace und studiVZ: Alles in einem.
Aber Facebook gegen studiVZ ist kein Einzelfall. Das Internet ist unglaublich schnell und dynamisch. Will man damit Geld verdienen, muss man sich der Umgebung anpassen und Mainstream-Gedanken an den Tag legen. Es gibt hierzu viele ähnliche Beispiele: YouTube vs. MyVideo, LinkedIn vs. Xing und natürlich eBay vs. Alando.de. Das letztere "Match" ist deshalb so interessant und erwähnenswert, weil die dort getätigten Investitionen Schlüsse auf die Zukunft zulassen könnten.
Übernahme scheint das Ziel zu sein
So sind die Gründer von Alando.de die kauffreudigen Samwer-Brüder. Diese verkauften die Plattform vor Jahren an eBay und das Auktionshaus machte einen der Samwers gleich zum Europachef. Jetzt könnte sich Facebook deren Internet-Treiben zu Nutze machen. Die Samwers investierten nämlich vor Jahren schon in studiVZ, verkauften an Holtzbrinck und besitzen neuerdings Anteile an Facebook und Erfahrung im Klon-Geschäft haben sie dank Alando auch.
Daher vermuten Experten auch, dass Facebook einen strickten Plan verfolgt, der das Schlucken von studiVZ vorsieht. Diese Übernahmen und Verkäufe scheinen im Internetgeschäft die Regel zu sein. Der letzte bekannte Höhepunkt der Kopiererei war mit Twitter erreicht. Nach der Veröffentlichung waren sofort ganz viele Klone am Markt in Deutschland vertreten. So richtig duchgesetzt hat sich aber keiner der vermeintlichen Kopien - doch Geld brachten sie auf jeden Fall, wenn auch nur wenig. So erzielte Dukudu einen stolzen Verkaufspreis von 43.208 Euro und texteln immerhin noch 11.161 Euro. Alles über eBay versteht sich, die Exit-Alternative in Web 2.0-Zeiten.
Egal wie man es dreht, das Kopieren von Webseiten ist und bleibt auch weiterhin Bestandteil des Internet-Daseins. Eigene Ideen sind Mangelware. Der jetzige Kläger Zuckerberg hat sogar selbst vor einigen Wochen zugegeben, kopiert zu haben.
