Ist der allseits verehrte Apple-Chef Steve Jobs nur ein cleverer Geschäftsmann, ein Schlangenöl-Verkäufer? Glaubt man jüngsten Äußerungen der Vertreter von Freier Software, ist er genau dieses. Vor allem seit Apples Welterfolgen mit dem kleinen "i" regt sich Widerstand gegen die restriktive Produktpolitik des Nobelherstellers aus Cupertino.

Nicht so elegant wie Apples iPhone, aber darauf kommt es dem Hersteller auch nicht an. Das Neo Freerunner ist ein Mobiltelefon auf Open-Source-Basis. Bild: Neo
So hatte der Sicherheitsexperte und IT-Guru Bruce Schneier kürzlich in einem Aufsatz für das Magazin Wired kritisiert, dass es Apple beim iPhone letztlich nur um Kontrolle ginge. Deshalb könne der Käufer sich nicht einfach einen Mobilfunkbetreiber aussuchen und auch keine Anwendungen von Drittherstellern auf eigenen Faust installieren. Apple behalte die Kontrolle über den Anwender und könne beispielsweise verhindern, dass der Kunde mit dem iPhone mobile Dienste nutzt, an denen Apple nichts verdient.
5 Gründe gegen das iPhone
Jetzt hat John Sullivan von der Free Software Foundation diese Kritik noch einmal verschärft. In einem Blog-Eintrag führt er fünf Gründe auf, warum Verbraucher das neue iPhone 3G seiner Meinung nach meiden sollten.
- Das iPhone blockiere freie Software. Software-Programmierer müssten eine Abgabe an Apple zahlen, wenn sie Programme fürs iPhone anbieten wollten.
- Das iPhone unterstütze das ungeliebte Digital Rights Management (DRM).
- Mit dem iPhone könne der Standort des Anwenders festgestellt werden. Das ist allerdings auch mit jedem anderen Mobiltelefon möglich, das sich ins Mobilfunknetz eingeloggt hat.
- Das iPhone spiele bei der Musikwiedergabe keine DRM-freien Formate wie Ogg Vorbis ab.
- Außerdem gebe es Alternativen, die dem Anwender nicht nachspionierten, Open-Source-Media-Formate abspielten und mit denen man nach Belieben freie Software einsetzen könne.
Apples iPhone verkauft eine Illusion
Das IT-Unternehmen aus Cupertino sei zwar sehr clever in Marketing und Design, verkaufe aber letztlich nur die Illusion, dass man mit dem Kauf des iPhone Teil einer alternativen Community werde. In Wahrheit gehe es aber nur darum, die Kunden in "getrennte digitale Zellen" ("separate digital cells") einzusperren, mit Apple als Aufseher. Das iPhone sei eine Attacke auf alte Werte. Nicht der Mensch kontrolliere das Gerät, sondern das Gerät den Menschen. Steve Jobs sei ein Schlangenöl-Verkäufer (snake oil salesman), der den Menschen DRM und proprietäre Software in die Taschen schieben wolle.
Die Alternative steht seit dem 7. Juli schon bereit: Das Neo Freerunner von Openmoko ist das erste Open-Source-Telefon der Welt. Das Gerät arbeitet mit einem Linux-Betriebssystem auf Basis einer GNU-Lizenz. Die Software beschränkt sich derzeit noch auf Basis-Funktionen wie Telefonieren, SMS und Kontaktlisten. Doch der Hersteller verspricht, dass die Software-Suite durch regelmäßige Downloads immer umfangreicher werden soll.
Openmoko stellt auch die CAD-Dateien des Geräts bereit, so dass Dritthersteller das Design des Mobiltelefons verändern und neue Funktionen ergänzen können. Die Konstruktionspläne sind unter einer Creative Commons Lizenz erhältlich (wie übrigens auch dieser Artikel).
Zu kaufen gibt es das Freerunner über den Webshop von Openmoko. Auch Distributoren in Europa sollen das Freerunner verkaufen, allerdings sagt Openmoko nicht, welche das sind.
Fazit: Früher bekam Microsoft die gesammelte Abneigung der Open-Source-Gemeinde zu spüren, jetzt ist Apple dran. Am Verkaufserfolg des neuen iPhone 3G dürfte die Kritik nichts ändern. Laut Apple wurde das neue iPhone in den ersten drei Verkaufstagen eine Million Mal verkauft.
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Kommentare: Openmoko: Konkurrenz für iPhone 3G (1)
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15.07.08 10:06
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