Verkehrte Netzwelt: Macht der Gewohnheit

Ein Königreich für die Routine

Dort stehen ein Bild seiner Familie und seine Ablage, der Monitor des Rechners umrahmt von Merkzetteln, da man sich ja nicht alles merken kann, an der Pinnwand die lustigen Ausdrucke der E-Mail-Anhänge seiner Kollegen. Zur Mittagszeit besuchen er und seine Kollegen wie immer das Restaurant um die Ecke, nennen den Wirt und die Bedienungen beim Vornamen, bestellen wie immer das Tagesgericht und unterhalten sich über die selben immer wiederkehrenden Themen: Auto, Familie, Gartenzwergkollektion, Bundesliga und die neue und vor allem nette Kollegin mit dem kurzen Rock und dem tiefen Ausschnitt. Hach ja! Als die Ehefrau noch so jung war...

Der zweite Teil des Tages verläuft dann analog zum ersten: Arbeitsplatz verlassen, Kollegen grüßen, ins Auto einsteigen, Frau küssen, an den Abendbrottisch setzen, mit den Kindern die Probleme des Tages bereden, duschen und dann ins Bett gehen. Also ein immer währender Kreislauf, der ab und zu durch die obligaten Geburtstagsfeiern, Hochzeiten, Taufen, Betriebs- und Vereinsjubiläen sowie Beerdigungen durchbrochen wird.

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Aber das ist ja kein Wunder, dass der Tag von Herrn Mustermann so abläuft, verheißen doch Routinen Sicherheit im Alltag. Und ab einem bestimmten Alter, mit Kind und Kegel, Haus und Hund wird das noch schwieriger. Nicht wahr? Da werden Sie doch bestimmt zustimmen können? Und so Veränderungen im Privatleben, wer braucht das schon? Das bedeutet nur wieder Aufwand und man müsste ja mal das lieb gewonnene Sofa verlassen.

Nach einer Studie des Institutes Allensbach gehören Sie damit auch zu den 40 Prozent der Gesellschaft, die sich der breiten Masse zugehörig fühlen, wenn es um ihre Innovationsfähigkeit geht. Nicht schlecht, Durchschnitt zu sein und erst dann die Innovation zu übernehmen, wenn bereits schon wieder andere 40 Prozent dabei sind, wieder neue Trends zu setzen. Oder? Von den restlichen 20 Prozent der Nachzügler reden wir hier gar nicht.

Bodenständig und Spaß dabei

Dann gehören Sie wahrscheinlich auch zu den bodenständigen Menschen, die sich danach sehnen, statt des Euros auch wieder die gute alte D-Mark zu haben, da Sie immer noch die Preise im Supermarkt durch den Faktor 1,95583 teilen. Respekt. Früher hat man wenigstens noch Kopfrechnen in der Schule gelernt und brauchte nicht so ein neumodisches Hilfsmittel wie Computer oder gar Taschenrechner.

E-Mails werden dann auch noch von Ihnen mittels Microsoft Office ausgedruckt, das Sie bestimmt auch noch für eine Dependance des bekannten Softwareherstellers halten. Und wer ist eigentlich immer dieser komische Windows Vista, über den sich die Leute eigentlich immer aufregen? Etwa ein Fensterhersteller aus Italien?

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