"Alles, was ich wissen will, sagt mir mein Handy"
Verkehrte Netzwelt: Studieren vs. Wikipedia
Ratteratteratter - Klonk - ratteratteratter - Klink, Klonk. Ich habe einen Sprung in der Schüssel, stehe auf der Klippe. Die Zahnräder in meinem Kopf greifen nicht mehr so ineinander wie gewohnt. Erst eins, dann drei. Manche Zähne des Rads, an dem ich drehe, sind bereits völlig abgestumpft.
Inhaltsverzeichnis
- 1Das wäre eine vernünftige Welt: Keine Studiengebühren, Studentenaufstände, Milliarden-Subventionen...
- 2Warum werden Mücken nicht vom Regen getroffen? Eigentlich müssten sie von der Wucht der Wassermassen doch erschlagen werden.
- 3Was willst d u einmal werden Kissen oder Stempel?
Was soll man einem Jugendlichen auch antworten, wenn er oder sie fragt: Wieso studieren, Papa? Alles, was ich brauche, ist ein internetfähiges Handy und eine Datenflatrate. Damit finde ich in Sekundenschnelle Antworten auf alle Fragen. Nur ein Wort: W i k i p e d i a.
Aber Wikipedia kann dir keine Teamarbeit beibringen, Wikipedia gibt dir kein Feedback über deine eigene Arbeit, eine leblose Ansammlung vom Wissen anderer. Wikipedia kaut dir Dinge nur vor und inspiriert dich nicht. Du bist ja auch noch lange kein Künstler, wenn du mit einer Digitalkamera ein Foto eines Gemäldes machst und dieses im Hochglanzformat ausdruckst. Um etwas wirklich zu lernen, musst du mit erfahrenen Menschen sprechen, dich anleiten lassen und dich selbst entwickeln, Hosenscheißer.
Studieren ist nichts weiter als Geldmacherei. Man bezahlt ein Haufen Geld, um am Ende ein Stück Papier in der Hand zu halten. Kinder studieren nur, um ihre Eltern glücklich und stolz zu machen. Dabei weiß die jüngere Generation ganz genau, dass das Wissen und damit auch die Zukunft der Menschheit im Internet liegt. Nieder mit den Universitäten!
Wenn du eine Universität betrittst, sich die Türen öffnen, wirst du feststellen, wie dein Leben sich verändert. Der Geruch von Büchern, die vielen wissbegierigen Menschen, diese Atmosphäre. Was wäre das für eine Welt, wenn jedermann nur vor einem Computer oder Handy sitzt und vorgekaute, mit Halb- und Unwahrheiten gespickte Informationen konsumiert und immer weiter abkupfert?
Das wäre eine vernünftige Welt: Keine Studiengebühren, Studentenaufstände, Milliarden-Subventionen...
...keine Partys, kein Ausschlafen, kein Mensa-Essen. Kein Aha-Erlebnis, kein Kopf-Klick. Außerdem: Was willst du zukünftigen Arbeitgebern denn erzählen? Ich habe ein Diplom in Wikipedia-Lesen? Das wird dich nicht weiterbringen. Was die sehen wollen ist, das du genügend Selbstdisziplin aufweist, ein Studium von Anfang bis Ende durchzuziehen. Wenn jeder sein "Wissen" in einem internetfähigen Handy speichern würde, wäre die Gesellschaft irgendwann so verblödet, dass sie selbst das Handy nicht mehr bedienen könnte. Und was ist, wenn selbst das Internet keine Antwort auf ein neues Problem mehr kennt? Wer editiert dann die Wikipedia-Seiten?
Ach was, das Internet bietet auf nahezu jede, realistische Frage eine Antwort. Willst du einen Beweis? Ich wette, dass ich innerhalb weniger Sekunden Antworten auf Fragen zu allen möglichen Fachgebieten beantworten kann. Schneller als jeder Professor es aus dem Kopf könnte. Ein Beispiel? Denke dir eine Frage aus.
Warum werden Mücken nicht vom Regen getroffen? Eigentlich müssten sie von der Wucht der Wassermassen doch erschlagen werden.
(Google, Suchzeit 0,40 Sekunden): Eine heimische Mücke wiegt gerade einmal zwei Milligramm. Ein sehr dicker Regentropfen bringt es auf 100 Milligramm. Dieses Geschoss mit einer 50 mal größeren Masse, acht Meter pro Sekunde schnell, könnte der Mücke schon gefährlich werden. Aber gerade diese Wucht rettet das Insekt: Der Tropfen verdrängt in seinem Fall Luft. Diese Druckwelle reicht aus, die Mücke schlicht wegzuschieben. Was einem aufmerksamen Beobachter als geschicktes Ausweichmanöver erscheint, ist also eher ein willenloses Taumeln.
Nicht schlecht. Geschichte: Was versteht man unter den Rieseberg-Morden?
(Wikipedia, weniger als eine Sekunde): Die Rieseberg-Morde sind ein Verbrechen der Nationalsozialisten vom 4. Juli 1933. SS-Angehörige ermordeten an diesem Tag elf Männer in der Nähe der Ortschaft Rieseberg bei Königslutter am Elm. Ziel war die Abschreckung von Regime-Gegnern.
Ratteratteratter - Klonk - ratteratteratter - Klink, Klonk.
Was willst d u einmal werden Kissen oder Stempel?
Learning by Doing, Universitätsbesuch, dumm sterben? Welche Lernmethode fürs Leben haben Sie für sich entdeckt? Teilen Sie uns und unseren Lesern Ihre Meinung in den Kommentaren mit.

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