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Rhapsody MP3-Store im Praxistest
Kopierschutzfreie Musik und kostenlose Song-Streams

von Janko Röttgers Uhr veröffentlicht

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Seit Jahren versucht Rhapsody, US-Netznutzern die Idee eines kopiergeschützten Musik-Abonnements schmackhaft zu machen – mit durchwachsenem Erfolg. Jetzt wurde Rhapsody um einen MP3-Store mit fünf Millionen Titel erweitert. Netzwelt wirft einen Blick auf das Angebot.

  • Inhalt:Kostenlose Streams in voller Länge
  • Rhapsodys MP3-Store im Detail
  • Kaufen und Downloads
  • Fazit

Rhapsody gilt als Pionier des Musik-Abo-Gedankens. Der Service bietet bereits seit Ende 2001 Musik zum Festpreis an und ist damit älter als Apples iTunes Store. Doch während iTunes mit mehr als fünf Milliarden verkauften Songs zur Erfolgsgeschichte der Online-Musikwirtschaft geworden ist, hat Rhapsody bis heute mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen.

Wirkt aufgeräumt: Rhapsody MP3 Store(Klick vergrößert)

So wusste die Los Angeles Times kürzlich zu berichten, dass der Service in den letzten 12 Monaten praktisch nicht mehr gewachsen ist – und das, obwohl man mittlerweile mit Yahoo Music und MTVs Urge-Dienst gleich zwei ehemalige Konkurrenten übernommen hat. Microsoft gab Rhapsody-Betreiber RealNetworks zudem 761 Millionen im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleichs, mit denen eigentlich jede Menge neue Kunden angeworben werden sollten.

Kostenlose Streams in voller Länge

Real hat offenbar einen Teil des Gelds auf die hohe Kante gelegt, um damit jetzt die Werbekampagne für seine neue MP3-Plattform zu bezahlen. Die Firma hat angekündigt, innerhalb der nächsten 12 Monate mehr als 50 Millionen Dollar für Werbung ausgeben zu wollen.

Beworben werden soll damit Rhapsodys neuer Download-Store, der Firmeninformationen zufolge mehr als fünf Millionen Songs von allen vier Major-Labels und zahlreichen Indies umfasst. Alle Songs werden im kopierschutzfreien MP3-Format mit einer Kodierung von 256 kbps angeboten. Songs von Universal Music besitzen ein digitales Wasserzeichen, alle anderen Labels haben auch darauf verzichtet.

Der Rhapsody MP3 Store bietet Nutzern zudem die Möglichkeit, sich bis zu 25 Songs pro Monat in voller Länge anzuhören – ein Feature, das zuvor schon ohne Kauf-Option über Rhapsodys Website verfügbar war. Neu ist, dass Rhapsody diese Vorhör-Funktion auch auf Partner-Plattformen verfügbar macht.

Dazu gehört neben Yahoo und MTV.com auch iLike, ein Musik-Angebot, das durch seine Facebook-Widgets mehr als 28 Millionen Nutzer gefunden hat. Bisher ist die Vorhör-Funktion jedoch noch auf Rhapsody.com beschränkt – und wie so oft auf die USA. Europäische Nutzer müssen vorerst draußen bleiben.

Rhapsodys MP3-Store im Detail

Wer sich von der richtigen Seite des Atlantiks aus zu Rhapsodys MP3-Store durchklickt, findet dort einen typischen Web-Store ohne große Schnörkel. Songs kosten 99 US-Cent, die meisten Alben gehen für knapp zehn Dollar über die virtuelle Ladentheke.

Im direkten Vergleich zu Apples US-Filiale sieht Rhapsodys Angebot aufgeräumter aus. Gleichzeitig lädt Rhapsody weniger zum Stöbern ein als iTunes. Während Apple Kunden auf jeder Genre-Seite mit Neuveröffentlichungen lockt, zeigt Rhapsody nur Charts mit zumeist altbekannten Titeln an. Gerade im Indie-Bereich scheint iTunes bisher zudem die Nase vorn zu haben. Viele Neuveröffentlichungen von kleineren Labels sind bisher bei Rhapsody noch nicht zu finden.

Rhapsody bietet dafür eine ganze Reihe exklusiver Aufnahmen an, die man sich in den vergangenen Jahren für seinen Abo-Dienst gesichert hat. Im Falle von raren Akustik-Mitschnitten ist das eine feine Sache, aber einige der Angebote sind doch ein bisschen fraglich.

So bietet Rhapsody allen Ernstes um die 250 Audio-Interviews mit Musikern zum Kauf an. Zehn Dollar für ein Telefon-Interview mit Marilyn Manson? Bei solchen Preisen dürfte selbst hart gesottenen Fans des Schock-Rockers Angst und Bange werden.

Kaufen und Downloads

Der Kauf- und Download-Prozess erwies sich im Test als angenehm unaufregend. Rhapsody bietet einen Download-Manager für Mac und Windows an, mit dem gekaufte Songs auf die eigene Festplatte bugsiert und dann automatisch in die heimische iTunes-Bibliothek importiert werden können.

Alternativ ist es auch möglich, sich einfach den ganzen Einkauf in eine Zip-Datei einpacken zu lassen und diese dann per Browser runterzuladen – eine nette Möglichkeit für Nutzer, die sich nicht noch ein weiteres Programm installieren wollen, nur um ein paar Songs zu kaufen.

Fazit: Alles andere als spektakulär

Im Vergleich zu iTunes oder auch Amazons MP3-Store hat Rhapsody noch einigen Nachholbedarf. Das Angebot ist alles andere als einladend, und die verschiedenen Inkarnationen des Rhapsody-Dienstes verwirren selbst langjährige Nutzer. Rhapsodys Software bietet andere Features als Rhapsodys Web-Abo-Plattform, die wiederum zum Kauf zu Rhapsodys MP3-Store weiterleitet – wer soll sich da noch zurecht finden?

Die Idee, über Widgets wie iLike bei Facebook und Myspace kostenlos auf ganze Song-Streams zugreifen zu können ist dagegen nett. Rhapsodys strikte Begrenzung auf 25 Songs pro Monat könnte jedoch nach hinten losgehen. Wer wird sich schon lange durch Rhapsodys MP3-Store stöbern, wenn er sich die freien Songs viel lieber für Facebook aufsparen will?

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Seit Jahren versucht Rhapsody, US-Netznutzern die Idee eines kopiergeschützten Musik-Abonnements schmackhaft zu machen – mit durchwachsenem Erfolg. Jetzt wurde Rhapsody um einen MP3-Store mit fünf Millionen Titel erweitert. Wir haben uns das Angebot mal genauer angeschaut.

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Rhapsody MP3-Store im Praxistest
Rhapsody MP3-Store im Praxistest
Seit Jahren versucht Rhapsody, US-Netznutzern die Idee eines kopiergeschützten Musik-Abonnements schmackhaft zu machen – mit durchwachsenem Erfolg. Jetzt wurde Rhapsody um einen MP3-Store mit fünf Millionen Titel erweitert. Wir haben uns das Angebot mal genauer angeschaut..
http://www.netzwelt.de/news/78088-rhapsody-mp3-store-praxistest.html
2008-07-01 16:35:00
News
Rhapsody MP3-Store im Praxistest