Elektrogeräte sollen im Leerlauf weniger Energie verbrauchen
Kostenfaktor Stand-by: EU plant strengere Vorschriften
Nach einem Bericht der Welt am Sonntag plant die EU eine strengere Regulierung des Stand-by-Betriebs von Elektrogeräten. Wie bei dem geplanten Verbot herkömmlicher Glühbirnen seien Stromeinsparungen und Umweltschutz die Ziele der Maßnahme.
Inhaltsverzeichnis
- 1Großes Einsparpotential
- 2Stromsparen spart auch ohne EU-Regulierung bares Geld
- 3Stecker raus gegen Schein-Aus
Die Zeitung berichtet, das EU-Energiekommissar Andris Piebalgs fest entschlossen sei, den Stromverbrauch von elektronischen Geräten im Stand-by-Modus drastisch zu reduzieren. Gäbe es verbindliche Vorgaben, könne jedes Jahr die Strommenge gespart werden, die ganz Ungarn heute verbraucht, sagte Piebalgs dem Blatt.
Am 7. Juli sollen sich laut Welt am Sonntag die Experten der EU-Staaten im Regelungsausschuss mit den neuen Vorschriften befassen. Ein Entwurf sehe vor, dass ein Gerät im Bereitschaftsmodus nicht mehr als ein Watt Strom verbrauchen dürfe, zwei bei Displays. Vier Jahre nach Inkrafttreten der Regelungen sollen sich die Werte jeweils halbieren. Laut Experten brächte dies bis 2020 Einsparungen von 55 Prozent im Vergleich zu heute.
Großes Einsparpotential
Das Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe (ISI) hat errechnet, dass elektrische Geräte in deutschen Haushalten und Büros alleine im Jahr 2004 im Stand-by-Zustand 18 Milliarden Kilowattstunden Strom verbraucht haben. Das entspreche der Leistung zweier durchschnittlicher Atomreaktoren - und laut ISI der gesamten Stromerzeugung durch Windkraft in Deutschland. Für die Zukunft haben die Wissenschaftler nur einen geringfügigen Rückgang auf 15,5 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr voraus berechnet.
Zwei Atomkraftwerke produzieren aktuell nur Strom für den Stand-by-Betrieb in Deutschland.
Die Industrie wehre sich noch - ein Netzschalter verursache eben zusätzliche Kosten, wenn auch nur von einigen Cent. Dennoch habe sich die Branche mit den bald strengeren Regeln abgefunden: Nach Angaben des Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration in Berlin, das die Vorgaben federführend ausarbeitet, hat die Industrie "überwiegend" zugestimmt. Die Fraunhofer-Forscher gehen davon aus, dass die neuen Grenzwerte im Laufe dieses Jahres festgeschrieben werden.
Für den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) seien die Pläne der EU ein "vielversprechender erster Schritt", dem aber noch weitere folgen müssten. "Wenn diese Regelung kommt, könnte so europaweit auf sieben Kohlekraftwerke verzichtet werden", sagte Christian Noll vom BUND der Zeitung. Was noch fehle, sei ein verbindlicher Netzschalter, der das völlige Ausschalten ermöglicht. "Verbraucher ahnen oft nicht, dass das Gerät noch Strom zieht, obwohl sie den Knopf gedrückt haben".
Ausgangspunkt für die Überlegungen der EU sei die Richtlinie zum Ökodesign energiebetriebener Produkte. Ihr Ziel ist es, die Umweltbelastungen eines Gerätes über den gesamten Lebenszyklus durch Konstruktion und Design zu ändern. Nach Informationen der Zeitung soll mit den Neu-Regulierungen der Stand-by-Schaltungen noch nicht Schluss sein. Bis Ende 2008 sollten weitere Vorhaben angeschoben werden.
Stromsparen spart auch ohne EU-Regulierung bares Geld
Nach dem geplanten Verbot der herkömmlichen Glühbirnen unternimmt die EU den nächsten Schritt den Bürgern vorzuschreiben, wie technischen Produkte auszusehen haben. Dabei sollte inzwischen sowohl Verbrauchern als auch Firmen daran gelegen sein Strom einzusparen. Für Verbraucher bedeutet weniger Stromverbrauch gleich weniger Stromkosten und die Umwelt wird ebenfalls geschont. "Ein Haushalt, der zehn Glühlampen austauscht, spart im Jahr 100 Euro Stromkosten", sagte Energieexperte Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen dem Blatt.
Eine Stichprobe von netzwelt hat ergeben, dass die neuesten Modelle von LCD-Fernsehgeräten verschiedener Hersteller die geplanten Grenzwerte schon einhalten, bei Druckern gibt es hingegen teilweise noch deutliche Einsparpotentiale. Hersteller von schnurlosen Telefonen sind hingegen sehr zurückhaltend mit Informationen über den Stromverbrauch ihrer Geräte.
Stecker raus gegen Schein-Aus
Nicht nur im Stand-by-Betrieb ziehen elektrische Geräte Strom, sondern auch wenn sie eigentlich komplett ausgeschaltet sind - im so genannten "Schein-Aus". Um auch diese letzten Watt einzusparen hilft es momentan nur den Stecker zu ziehen oder eine Steckdose mit Kippschalter zu benutzen.
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Kommentare: Kostenfaktor Stand-by: EU plant strengere Vorschriften (3)
Im Forum diskutieren: News - Kostenfaktor Stand-by: EU plant strengere Vorschriften
Thema: News - Kostenfaktor Stand-by: EU plant strengere Vorschriften
23.06.08 12:58
Es ist schon berechnet worden, das Fernseher, Videorecorder, DVD-Player und Stereoanlage im Standbybetrieb Stromkosten von rund 30 - 40 im Jahr verursachen. Mein Tipp an alle: Kauft euch für ca. 5 eine Mehrfachsteckerleiste mit Schalter und ihr habt alle Geräte auf einmal ausgeschaltet. Das einzige Problem ist die Uhr beim Videorecorder, die muss immer neu gestellt werden.
23.06.08 14:10
Zitat:
Es ist schon berechnet worden, das Fernseher, Videorecorder, DVD-Player und Stereoanlage im Standbybetrieb Stromkosten von rund 30 - 40 im Jahr verursachen. Mein Tipp an alle: Kauft euch für ca. 5 eine Mehrfachsteckerleiste mit Schalter und ihr habt alle Geräte auf einmal ausgeschaltet. Das einzige Problem ist die Uhr beim Videorecorder, die muss immer neu gestellt werden.
...das ist leider nicht das einzige Problem. Etwa das Sound-Setup eines aktiven Boxenssystems. Bei meinem aktuellen Modell muss ich jedes Mal den Grundpegel und die Aussteuerung der sieben Satelliten neu vornehmen. Eine kleine Knopfzelle als Speicherversorgung würde dieses Problem schon lösen, aber scheinbar denken viele Hersteller noch nicht so weit. Mein Traum, der technisch gar nicht schwer und mit aktueller Hardware auch eigentlich problemlos machbar ist, ist ein zentraler An- und Aus-Schalter. Beim Verlassen der Wohnung oder zur Bettzeit einmal draufgedrückt, und sämtliche Geräte werden komplett vom Netz genommen.
23.06.08 14:35
@Bananenhaupt: Die Idee ist ja gut, aber du darfst dabei nicht vergessen, das es Geräte gibt, die du nicht abschalten kannst wie Kühlschrank, Gefriertruhe, Heizungsanlage. Es gibt Geräte die müssen am Netz bleiben.
Aber womit du recht hast, das ist die Faulheit der Industrie, sich mal was einfallen zu lassen, damit solche Geräte, wie dein Boxensystem, nicht immer abstürzen. Ich kenne das von einer Lüftungsanlage, die mit einer SPS-Steuerung versehen war. In einem Teil der Anlage war als Speicher ein E-Prom eingebaut, der jedesmal neu eingestellt werden musste, wenn nach einem Stromausfall ausgerechnet noch die Stützbatterie leer war. In dem anderen Teil der Anlage war ein RAM-Speicher eingebaut. Stromausfall und Batterie leer, Programm weg. Die Industrie geht doch immer den billigeren Weg. Es ist doch überhaupt nich interessant für die Industrie so ein kleines Speichermodul einzubauen, was nach einmaligem Einstellen die Werte fest speichert. Um den Speicher wieder zu löschen, müssten die doch extra einen kleine Resetknopf einbauen, dafür lohnt sich der Aufwand nicht und wäre garantiert nach deren Meinung zu Teuer