Supercomputer: "Wir bekämpfen uns nicht bis aufs Messer"
Supercomputer: "Wir bekämpfen uns nicht bis aufs Messer"
netzwelt: In Japan baut man gerade die nächste Generation der Superrechner. Hier soll ein Rechner mit zehn Peta-Flop entstehen. Gibt es im Supercomputing einen Konkurrenzkampf, wie beispielsweise bei Microsoft und Google?
Oliver Rettig: (schmunzelt) In welchem Zeitraum?
netzwelt: 2011
Oliver Rettig: (staunt) Natürlich! Aber wir bekämpfen uns nicht bis aufs Messer - also nicht wie bei Microsoft und Google. Im Supercomputing gibt es auch keine großen Übernahmen. Das Feld ist zu speziell und klein, als dass Unternehmen sich gegenseitig bekriegen. Vielmehr geht es um den Ist-Zustand des Technologievorsprungs. Zum Beispiel ist es für IBM ein Anreiz, die nächsten Ziele zu erreichen, und das als erster. Dazu versuchen wir für den Kunden das effizienteste System abzustimmen.
netzwelt: Aber das wollen andere doch auch, oder?
Oliver Rettig: Genau hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle, die dann wieder die Qualität des Unternehmens widerspiegelt: Energieeffizienz, Softwareeffizienz und der genaue Kundenwunsch, also was will der Kunde genau machen? Der Roadrunner ist deshalb auch ein Hybridrechner. Er besitzt Opteron- sowie Cellprozessoren. Der Kunde kann also aus zwei verschiedenen Komponenten wählen, die dann als technische Umgebung seine Aufgaben lösen - sozusagen ein optimaler Mix.
Der schnellste Computer der Welt: Der Roadrunner
netzwelt: Sind die hohen Kosten der Giganten berechtigt? Immerhin werden die Rechner zum größten Teil aus Steuergeldern finanziert. Was hat der Bürger also von diesen Mega-Rechnern?
Oliver Rettig:Die Kosten für ein System, welches an Nummer eins steht, sind absolut berechtigt. Bisher waren Supercomputer weit weg vom Bürger, da gebe ich Ihnen Recht. Doch nun gibt es Systeme schon für unter 7.000 Euro. Mit diesen geringen Kosten kann auch der Mittelstand anfangen, seine Anwendungsfelder von Superrechnern betreuen zu lassen. Nehmen Sie doch die Playstation 3: Diese stellt jedem Spielfreund einen Superrechner mit 20 GigaFlops für zu Hause zur Verfügung.
Ein wichtiger Punkt sind die Möglichkeiten in der Medizin. Hier arbeitet IBM mit dem Fraunhofer Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) in Kaiserslautern zusammen. Die Computer-Tomographie ist hierbei das Hauptaugenmerk: Sind bei den meisten Tomographie-Grafiken noch immer nur zweidimensionale Bilder möglich, so sind über unsere Cell-Prozessoren gerechnete Daten zu einem 3D-Bild aufbereitbar. Aus diesen neu gerechneten Daten kann man ein schlagendes Herz in 3D-Ansicht zeigen, es drehen, in das Herz hineinzoomen, Venen- und Arterienschnitte zeigen und sogar Gewebe ausblenden. Alleine um Herzerkrankungen besser erforschen zu können, lohnt sich also die Anschaffung eines Superrechners.
netzwelt: Wie sehen Sie die Zukunft von Superrechnern? Was können wir erwarten?
Oliver Rettig:Wir können uns freuen, dass nun neue Anwendungen auf QS22 zukommen werden. Gerade aus dem Bereich der Meteorologie haben wir viele Kunden, die schon jetzt nach der neuen Generation fragen. Aber es gibt auch alltägliche Dinge, die Lösungen benötigen: Hierfür forschen wir.
netzwelt: Herr Rettig, vielen Dank für das Interview.

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