Kommerzielle Verwertung übernehmen fast nur ausländische Firmen
Trauerspiel: Deutsche Erfindungen im IT-Bereich
Jan Johannsen
Nur Erfinden reicht nicht, so Koppel. Um den Wachstumsfaktor Innovationen voll auszuschöpfen, müsse die deutsche Wirtschaft auch die Ideen deutscher Erfinder umsetzen. Zurzeit suchten ausländische Firmen gezielt den deutschen Patentmarkt nach Ideen ab, die sich kommerziell verwerten lassen. Aber auch anders herum hätten deutsche Erfinder ein Interesse an der Verwertung ihrer Ideen. Mangels inländischer Alternativen nehmen sie auch gerne Lizenzgebühren aus dem Ausland an.
Ein solches Beispiel ist der Physiker und Nobelpreisträger Peter Grünberg. Der von im entdeckte GMR-Effekt ermöglichte es, die Speicherkapazität von Festplatten zu steigern. Mit IBM war es allerdings eine amerikanische Firma, die die neue Technik kommerziell verwertete. Heutzutage basiert die Lesefunktion des Schreib-Lese-Kopfs bei fast jeder Festplatte auf dem GMR-Effekt. Die Lizenzgebühren aus den auf die Entdeckung angemeldeten Patenten flossen bisher in zweistelliger Millionenhöhe. Aber Festplatten werden trotzdem nicht in Deutschland gebaut.

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Dank Peter Grünberg gibt es die modernen Schreib-/Leseköpfe bei Festplatten. (Klick vergrößert.)
Fax, Hybrid-Motor, LCD und Transrapid
Eine weitere Ursache sieht Oliver Koppel in der Struktur der deutschen Forschungslandschaft. Neben Grundlagenforschung in Hochschulen und anwendungsorientierter Forschung in Firmenabteilungen wie im Ausland bestehen in Deutschland zusätzliche außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. Das Fraunhofer-Institut, die Max-Planck-Gesellschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft sind nur einige der gemeinnützigen Forschungsorganisationen in Deutschland, die in zunehmendem Maße auch anwendungsorientierte Forschung zum Nutzen der Unternehmen und zum Vorteil der Gesellschaft durchführen.
Als weitere Beispiele deutscher Erfindungen und Entdeckungen, die erst im Ausland kommerziell erfolgreich verwertet wurden, gelten das Faxgerät, der Hybrid-Motor oder Flüssigkristallbildschirme. Noch nicht kommerziell erfolgreich, aber schon fast 40 Jahre alt ist der Transrapid. 1969 wurde der erste Prototyp vorgestellt.
Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln vermutet ein Potential von acht Milliarden Euro in bisher ungenutzten deutschen Patenten. Laut Oliver Koppel wird eins von vier Patenten nie genutzt. "Wir haben geglaubt, dass Bevölkerungs- oder Wirtschaftswachstum neue Arbeitsplätze schaffen," sagt Koppel, "dabei sind in den letzten Jahren Innovationen der dominierende Wachstumsfaktor geworden."
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