Kommerzielle Verwertung übernehmen fast nur ausländische Firmen
Trauerspiel: Deutsche Erfindungen im IT-Bereich
Jan Johannsen
Die Deutschen sind Europameister in der Anmeldung neuer Patente. 18 Prozent der europäischen Patente kommen aus dem Land zwischen Dänemark und den Alpen. Frankreich folgt mit sechs Prozent auf Platz zwei. Profitabel eingesetzt werden die Innovationen wie das MP3-Format, das Fax-Gerät oder der Hybrid-Motor aber von ausländischen Firmen.
Weltweit belegt Deutschland den dritten Platz der angemeldeten Patente. Die ersten beiden Plätze belegen Japan und die USA. Die meisten deutschen Erfinder haben neue Ideen für den traditionellen Industriesektor, aber auch die weltweite IT-Branche erfreut sich an Innovationen aus Deutschland. Die Ursache dafür, dass deutsche Erfindungen nur selten von deutschen Firmen kommerziell verwertet werden, sehen Experten in fehlendem Risikokapital, Einsparungen in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen sowie in den geringen finanziellen Möglichkeiten kleiner und mittelständischer Firmen.
Ungenutze Ideen
Die Ursachen für diesen Zustand sieht Oliver Koppel, Referent beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln, in der Infrastruktur der deutschen Wirtschaft. Zwar gebe es viele tolle Ideen, aber es fehle an Firmen, die diese kommerziell verwerteten. Zum gleichen Schluss kommt die Unternehmensberatung Ernst & Young in einer vor kurzem veröffentlichten Studie. Der Mitentwickler des MP3-Formats Bernhard Grill glaubt, dass europäische Firmen nicht aufgeschlossen genug für neue Ideen seien.

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Ohne die Forscher aus Erlangen würde man nicht mit einem MP3-Player im Sommer auf der Wiese liegen. (Klick vergrößert.)
Zum Beispiel das MP3-Format. Entwickelt hat es eine Forschergruppe um Karlheinz Brandenburg ab 1982 im Fraunhofer Institut in Erlangen. Das Format konnte sich 1992 als Teil des MPEG-1-Standard gegen 15 Mitbewerber durchsetzen. Zum kommerziellen Erfolg führte das Format aber kein deutsches Unternehmen. Vielmehr brachte ihm seine Beliebtheit bei den Musikhörern den Durchbruch.
Format aus Erlangen verändert die Musikwelt
Heute nutzen Musiker, Bands und Plattenfirmen auf der ganzen Welt das Format, um ihre Musik zu verkaufen, und zahlen dabei Lizenzgebühren in Millionenhöhe an das Fraunhofer-Institut. Konkurrenzformate, die nach Expertenmeinungen teilweise viele Vorteile gegenüber der Erlanger Entwicklung aufweisen, hatten keine Chance gegen das Format, das sogar eine eigene Gerätegattung mit einem Namen versah: die MP3-Player. Als nächster möglicher Nachfolger wird das Format mit dem Name MT9 gehandelt.
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