Keine Empathie für die EM-Party
Verkehrte Netzwelt: Fahnenflucht in Schwarz-Rot-Gold
Internet & Netzwelt
Tick, Tack, die Europameisterschaft ist da. Nur meine Begeisterung scheint noch nicht angekommen zu sein. Wo ist der Fußball-Heißhunger wie Anno 06 bei der WM? Habe ich etwa Angst, dass Spiele und deutsches Team mich enttäuschen? Und bei Ihnen?
Ich gebe zu, ich bin kein Fußball-Fan. Habe keinen Lieblingsverein, noch nicht einmal durch heimatliche Verbundenheit. In Zeiten von WM, EM oder auch Champions League aber erwischt mich das Hollywood-Phänomen: Denn wenn es um Ruhm und Ehre geht und die Stars des runden Leders auflaufen, kann auch ich mich nur schwerlich aus der Affäre ziehen.
Bei sportlichen Großereignissen will jeder mitreden können, da drehen auch passionierte Fußball-Hasser ihr Fähnchen nach dem Wind. So geschehen bei der WM 2006, das Fähnchen war in diesem Fall die Deutschland-Flagge. Die Welt war zu Gast und Deutschland war Freund.
Ball rund, Grinsen breit
Die Weltmeisterschaft vor zwei Jahren hat es geschafft, dass die Fußballspiele zum Event wurden. Stichwort Public Viewing: Die Übertragungen wurden zum Rockkonzert-Musical-Kino und stellten das reine Balltreten in den Schatten. Diese Hochstimmung, die Desinteressierte und Desillusionierte des traditionsreichen Sports Schulter an Schulter vor die Leinwände gebracht hat - hat sie überhaupt eine nachhaltige Fanbasis schaffen können?
Die Frage ist berechtigt, denn heute Abend beginnt die Europameisterschaft. Eröffnungsspiel Schweiz gegen Tschechien, morgen dann der Autoklauwitz-kompatible Klassiker Deutschland vs. Polen. Aber wem erzähle ich das, die Partien sind in diesen Tagen ja Allgemeinbildung und Kulturgut gleichermaßen geworden.
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