Mit Acrobat.com steht die nächste Office-Suite im Netz
Kostenloses Online-Büro: Jetzt mischt Adobe mit
Mehmet Toprak
Die Idee, komplette Office-Suiten als Online-Service im Web anzubieten, geistert schon seit Jahren durch die IT-Branche. Optimisten sehen darin die Office-Zukunft, Skeptiker nur einen garantierten Flop. Nach Google und Microsoft hat jetzt auch Adobe ein entsprechendes Angebot am Start. Acrobat.com ist ab sofort als Public Beta zum Ausprobieren für jedermann zugänglich.
Die Hosted Services, wie es in IT-Deutsch heißt, bieten für Arbeitsgruppen die Möglichkeit, gemeinsam im Web an Office-Dokumenten zu arbeiten. Jeder loggt sich über den Webbrowser ein, die Software und alle Dokumente sind auf den Servern des Anbieters gespeichert. Ein weiterer Vorteil neben der Team-Arbeit ist, dass der Nutzer ortsunabhängig wird und von jedem PC aus, der Internetzugang hat, die Funktionen der Büroprogramme nutzen und Dokumente abspeichern sowie für andere freigeben kann. Adobes Acrobat.com bietet Features wie Filesharing und Speicherung, PDF-Konvertierung, Textverarbeitung sowie Webkonferenzen.
Im Einzelnen stehen folgende Features zur Verfügung:
• Textverarbeitung Adobe Buzzword. Texte verfassen und Dokumente anderen Autoren zur Kommentierung und Ergänzung zur Verfügung stellen.
• Webkonferenzen mit Adobe ConnectNow. Desktop Sharing, Video- und Sprachfunktionen sowie Chat.
• Zentralisiertes Filesharing mit Zugriffskontrollen, PDF-Konvertierung für bis zu fünf Dokumente.
• APIs zur Entwicklung von Lösungen zur Zusammenarbeit in Echtzeit, Filesharing und Konvertierung.

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Textverarbeitung, Filesharing, Videokonferenzen und PDFs. Das sind die einzelnen Module von Acrobat.com. (Bild: Adobe)
Für den Service anmelden kann man sich auf der Seite von Acrobat. Zugleich hat Adobe die Version 9 seines Acrobat-Programms angekündigt. Diese integriert jetzt auch Flash-Videos, Navigationsdaten und Landkarten. Außerdem soll die Software schneller starten.
Unterschiedliche Konzepte von Google und Microsoft
Schon länger auf dem Markt sind Googles "Text und Tabellen" und Microsofts "Office Live Workspace". Auch hier geht es um die gemeinsame Nutzung von Office-Dokumenten im Web. Der kostenlose Google-Service "Text und Tabellen" nutzt eine eigene Software-Suite für die webbasierte Bearbeitung von Dokumenten, Tabellen oder Präsentationen.
Der ebenfalls kostenlose Microsoft-Dienst beschränkt sich darauf, die auf dem PC erstellten Dokumente in einem Workspace zu speichern. Eine webbasierte Bearbeitung wie bei Acrobat.com oder Google ist nicht vorgesehen, wohl um die Desktop-Office-Suite von Microsoft nicht überflüssig zu machen. Über 1.000 Office-Dokumente oder 500 Megabyte Speicherplatz bietet der Dienst. Zum Schutz der Dateien vor Viren kommt Microsoft Forefront Security für Sharepoint zum Einsatz. Für den Zugriff auf die Dateien sind Windows Live ID und Kennwort erforderlich.
Skeptiker dieser Projekte verweisen immer wieder auf einige Nachteile der Hosted Services. So bieten die webbasierten Programme weniger fortgeschrittene Funktionen als beispielsweise die Tabellenkalkulation auf dem Desktop-PC. Daneben dürfte die Performance im Web spürbar niedriger sein als auf einem leistungsfähigen Rechner. Hauptkritikpunkt ist aber, dass Unternehmen ihre geheimen Geschäftsdaten außerhalb der Firewall auf den Servern eines kommerziellen Anbieters speichern müssten. Darauf wird sich zurzeit sicher keine Firma einlassen.
Solange diese Fragen nicht geklärt sind, ist nicht damit zu rechnen, dass die Online-Suiten den Markt aufrollen. Aber bis dahin kann man die kostenlosen Dienste ja schon einmal ausprobieren. Zum Beispiel auf Reisen. Da ist es praktisch, von jedem Internet-Café aus eine Textverarbeitung oder eine Präsentations-Software zur Verfügung zu haben. Dank Speicherplatz im Web muss niemand Panik bekommen, der seinen USB-Stick im Hotelzimmer vergessen hat. Und das Notebook kann sowieso zu Hause bleiben.
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