Im Chevy mit: Constanze Kurz vom Chaos Computer Club
Im Chevy mit: Constanze Kurz vom Chaos Computer Club
netzwelt: Es gibt ja ein neues Urteil: Der §202 C SGB verbietet den Einsatz von Hackertools. Spürt ihr schon diesbezüglich Auswirkungen?
Constanze: Dass hier ein Vorurteil vorherrscht, haben wir schon früh gemerkt und wir haben auch versucht, durch gezielte Lobbyarbeit dagegen zu wirken. Lang und breit haben wir versucht zu erklären, dass es sich in erster Linie um Sicherheits-Werkzeuge handelt. Administratoren versuchen mit diesen Werkzeugen ihr Netz sicherer zu machen.
Es ist mittlerweile auch eine Verfassungsbeschwerde von einer dieser Firmen anhängig, die IT-Security macht, und auch der CCC wird dazu in Karlsruhe Stellung nehmen. Das heißt, wir werden versuchen, technisch zu erläutern, was eigentlich der Zweck einer Software sein kann und ob man grundsätzlich sagen kann, der Zweck einer Software ist böse und sollte verboten werden.
Auswirkungen sind aber schon in den Lehrstunden an den Universitäten zu spüren: Den Studenten können in den Vorlesungen keine praktischen Beispiele mehr vorgeführt werden. Sie haben so keine praktische Vorstellung mehr, was eigentlich Sicherheitslücken sind und wie man sie stopft.
netzwelt: Sicherheit ist bei euch das A und O - du nutzt sogar ein Kryptophon, also ein spezielles Handy, um deine Gespräche zu verschlüsseln. Sollte jeder seinen Datenverkehr verschlüsseln?
Constanze: Es ist eine flächendeckende Sensibilisierung nötig. Wenn man sich etwas mit der Thematik beschäftigt und weiß, was eigentlich möglich ist, wird jeder Anwender von sich aus vorsichtiger. Ich glaube die Menschen sollten sich auch im privaten Leben darüber Gedanken machen und sich dieser Problematik stellen.
Es handelt sich also um eine Form von zivilem Widerstand. Der Überwachungsstaat ist technisch schon da, das heißt wir haben die technische Infrastruktur und insofern kann man sich sowieso nur selbst schützen. Ich sehe keinen Grund, meine private Kommunikation, und sei sie noch so banal, frei durch das Netz zu schieben. Es ist eine Selbstverständlichkeit, Verschlüsselungen zu benutzen, und ich nutze das seit Jahren.
Wir arbeiten auch mit dem CCC daran, dass diese Techniken benutzbar sind, auch für Leute, die sich da nicht so auskennen. Manchmal würde wir uns wünschen, dass alle ausgelieferten Programme die Sicherheit direkt aktiviert haben und man sie nicht extra einschalten muss. Deshalb finde ich das Projekt rund um die Software TorPark von Steve Topletz und den PrivacyDongle des FoeBuD e.V. eine gute Lösung. (Anmerkung der Redaktion: Links dazu finden Sie in den Links zum Thema in der Box am Ende dieses Artikels.)
netzwelt: Die Geschichte mit dem Wahlcomputer in Hessen, der Fingerabdruck des Innenministers - was sind die positiven und negativen Eindrücke eurer Arbeit?
Constanze: Natürlich haben wir viele Kröten schlucken müssen, alleine wenn wir uns die Gesetze anschauen, die beschlossen wurden, kann man von einem harten Gegenwind sprechen. Bei dem Wahlcomputer ist es etwas zwiespältig: In Holland hat sich die Regierung zum Glück dagegen entschieden, in Deutschland leider noch nicht. Es gibt also Teilerfolge, die motivieren, und dann wieder Rückschläge. So ist das eben.
netzwelt: Wenn du die Wahl hättest: Auf welches elektronische Spielzeug könntest Du verzichten?
Constanze: Auf keins. Vielleicht den Toaster? Aber nein, ich mag meine Geräte.
netzwelt: Constanze, vielen Dank für das Interview.

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