Wer steuert hier eigentlich wen?
KI in Second Life: Mensch versus Maschine
Markus Henkel
Still ist es um die virtuelle Welt Second Life geworden. Immer mehr Firmen wenden sich von ihr ab. Das liegt vor allem an den vorhandenen "Leichen", die sich im Second Life breit gemacht haben. Man spricht von insgesamt neun Millionen Usern, von denen gerade mal geschätzte 1,5 Millionen aktiv am Geschehen teilnehmen.
Das gesamte Zahlenspiel könnte sich nun schlagartig verändern: Der stahl-graue Roboter EDD mit Linebacker-Schultern (Linebacker = kräftiger, muskelbepackter Spieler beim Football) ist neuer Bewohner der virtuellen zweiten Welt. Er soll zum einen die Forschung mit der Künstlichen Intelligenz vorantreiben, zum anderen die Macher rund um die Linden Lab wieder auf die Erfolgsspur bringen.
Das Besondere ist seine Lenkung
Künstliche Intelligenz ist ein schwer definierbarer Begriff aus der Informatik. Schwer deshalb, da der Begriff Intelligenz noch nicht richtig definiert ist. Der Begriff beschäftigt sich mit der Möglichkeit, menschliche Intelligenz auf Maschinen zu übertragen. EDD ist nicht nur mit Künstlicher Intelligenz gespeist, vielmehr ist seine Lenkung das Phänomen: er wird ausschließlich von einem Computer gesteuert.

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Second Lifes neuer Bewohner: EDD, hier mit seinen Testfreunden
(Klick vergrößert.)
Es stellt sich heraus, dass Second Life mehr als nur ein virtueller Ort ist, wo man mit seinem Avatar herumfliegen, sich in Chat-Räumen aufhalten und an VIP-Parties teilnehmen kann. Second Life ist vielmehr ein Grenzgänger in die KI-Forschung, auch weil es sich um eine kontrollierbare Umgebung handelt. Hier kann man die Erprobung einer Künstlichen Intelligenz, also EDD, einfacher und kostengünstiger gestalten.
Der Kostenfaktor spielt hier eine entscheidende Rolle: So kostet die KI-Forschung in anderen simulierten Welten Millionen. In Second Life kann sich EDD sehr kostengünstig bewegen und sich dazu in einer realen Umgebung mit richtigen Kommunikationspartnern unterhalten. Eine wahre Herausforderung für den stählernen EDD, aber auch für die Entwickler.
Supercomputer soll KI-Forschung beschleunigen
Zurzeit ist EDD nur in der Lage, einfache Unterhaltungen zu führen. Er kann auch nur durch die Straßen schlendern, wenn die Forscher am Bildschirm verweilen. Der Forschungsleiter Selmer Bringsjord, Direktor des Rensselaer Artificial Intelligence and Reasoning Laboratory, will kein Risiko eingehen und erst nach einer langen Testphase dem EDD die absolute Freiheit geben. Sein Frage- und Antwortkatalog beschränkt sich zurzeit auch nur auf einfache Fragen. Als Beispiel: "Where are you from?"
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