Online-Projekt ermöglicht Selbsttests und wertet sie aus
BitTorrent: Provider bremsen Filesharer aus
Jan Johannsen
Internet-Anbieter aus den USA und anderen Ländern behindern weiterhin den Datenaustausch über P2P-Netzwerke wie BitTorrent. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Software-Systeme in Saarbrücken.
An der Studie beteiligten sich zwischen dem 18. März und dem 15. Mai 2008 über 8.000 Internetnutzer aus der ganzen Welt. Über das Online-Tool des Projekts, das auf den Namen "Glasnost - Bringing Transparency to the Internet" hört, testeten sie, ob ihr Provider den BitTorrent-Verkehr behindert oder gar ganz blockiert.
Von insgesamt 1.224 überprüften Internet-Anbietern blockierten dreizehn den Datenaustausch per BitTorrent. Neun davon haben ihren Sitz in den USA. Die anderen vier stammen aus Singapur, Malaysia, Kanada und Irland. Comcast aus den USA behinderte bei 491 von 788 Testern den BitTorrent-Verkehr. Der ebenfalls aus den USA stammende Anbieter Cox tat dies bei 82 von 151 Tests. StarHub aus Singapur behinderte 26 von 45 Testern.

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Lokale Anordnung der Tester - blockierte Anschlüsse sind rot gefärbt (Karte: Max-Planck-Institut).
(Klick vergrößert.)
Aus Deutschland beteiligten sich bisher 377 Personen, die über 52 verschiedene Provider ins Internet gingen, an der Untersuchung. Eine Behinderung des BitTorrent-Verkehrs stellte das Glasnost-Projekt bei ihnen nicht fest. Über die Homepage des Projekts kann man weiterhin seinen Internet-Anbieter testen. Den Link zu dem Online-Tool finden sie am Ende des Artikels in den Links zum Thema.
Die Ergebnisse des Projekts werden zukünftig in regelmäßigen Abständen aktualisiert. Wegen der großen Nachfrage ruft Glasnost dazu auf, selber Test-Server zu hosten. Alle Infos hierüber finden Sie auf der Homepage des Projekts.
Warum bremsen die Provider den Datentausch?
Wer BitTorrent oder andere P2P-Netzwerke nutzt, tut dies in den allermeisten Fällen über eine Flatrate. Die Provider gehen bei ihrer Preiskalkulation für ihre Angebote von einer bestimmten Menge an Traffic aus, die jeder User im Monat erzeugt. Der Datentausch per BitTorrent ist nach ihren Schätzungen inzwischen für zwei Drittel des Internetverkehrs verantwortlich. Er erzeugt riesige Datenmengen und das rund um die Uhr.
Mit ihren knappen Preiskalkulationen erzielen die Provider mit Filesharern als Kunden keine Gewinne, sondern machen mit ihnen sogar Verluste. Es ist also weder die Musik- noch die Filmindustrie, die Druck auf die Provider ausübt. Es sind deren eigenen Kosten-Nutzen-Rechnungen, die sie dazu veranlassen, den BitTorrent-Verkehr unattraktiver zu machen.
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