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10.05.2008
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Heute Geiz ist geil, morgen Pleite ist Geier

Verkehrte Netzwelt: Am Ende die Null

Michael Knott

Er musste einfach mitgehen, dem Trend folgen und so sprang auch sein bestenfalls mittelständiger Meisterbetrieb auf den Knauser-Zug auf. Aus "Lackiererei Ungerer - Hier ist der Kunde König" wurde kurzerhand "Ungerer - Lackarbeiten mit dem Rotstift". Aus ehemals motivierten Mitarbeitern wurden Laufzettelsprinter, die hastend auf vielen Hebebühnen gleichzeitig tanzen um das Tagespensum zu schaffen.

Permanent verdorben

Allein der Slogan Geiz ist geil hat Fuchs wiederum so nachhaltig beschädigt, ja verdorben, dass er ständig und überall nicht nach dem Besten, sondern dem Günstigsten verlangt. "Die Motorhaube müsste lackiert werden, ich war schon bei all ihren Konkurrenten, machen Sie das billiger?" Und Unger macht es billiger, reicht aber sowohl Kosten als auch Frust an seine Lieferanten weiter. Ein Geizstrudel, der nicht wohlschmeckend ist, sondern auf Dauer den Magen verdirbt und zu einer Ellenbogenmentalität sondergleichen geführt hat. Nicht wenige Unternehmen sind unter der Sparwut bereits zusammengebrochen. Eben noch Geiz ist geil, morgen schon Pleite ist Geier.

Neulich war Fuchs im Urlaub in Brasilien. Überflüssig zu erwähnen, dass er in einem Hotel der untersten Preisklasse genächtigt hat und jede Gelegenheit beim Schopfe packte, den miesen Service und die mangelhafte Hygiene anzukreiden.

Den Vogel endgültig abgeschossen hat er jedoch bei einer anderen Aktion. Beim Versuch des Erwerbs eines Einwegrasierers feilschte Fuchs so lange um Kleinstbeträge - er hatte gehört, dass Feilschen im Ausland so üblich sei, worauf er überhaupt erst beschlossen hatte, in Urlaub zu fahren – bis die Situation aus dem Ruder lief. Statt den Normalbetrag oder angesichts der klaffenden Armut um ihn herum ein paar Cent mehr zu löhnen, wurde er vom genervten Verkäufer und ein paar Gehilfen in die Ecke gedrängt und der Brieftasche beraubt. Zum Dank für seine Arroganz setzte es noch eine krankenhausreife Tracht Prügel.

Sozialistisches Klopapier

Nun sitzt er noch immer im Spital und wischt sich den Allerwertesten mit sozialistischem Klopapier ab. Das ist so günstig und rauh, dass selbst der letzte Arsch rot wird. Man möge die barsche Ausdrucksweise verzeihen, aber die Verkehrte Netzwelt findet, dass langsam ruhig mal Schluss sein könnte mit Geiz ist geil. Auch aus einem Verantwortungsgefühl dem Herrn Fuchs gegenüber.

Vielleicht hat aber auch der Deutsche an sich ein zu verkrampftes Verhältnis zum lieben Geld. Schwer vorstellbar, dass es im Ausland einen ähnlichen Gaga-Begriff wie Pinkepinke gibt. Sind wir ehrlich - wirken sich denn ein paar eingesparte Euro mehr oder weniger im Monat tatsächlich so stark auf unsere Lebensqualität aus? Oder ist es nicht viel eher so wie auf der Autobahn: Wer sich dort links und rechts in jede Lücke quetscht und zwanghaft überholt, ist am Ende doch nur ein paar Minuten scheller als der Rest am Ziel.

Der Verkehrten Netzwelt kann es prinzipiell ja egal sein, aber haben Sie sich nicht auch schon gefragt, wieso im Supermarkt hinter dem Euro noch immer ein 99 Cent steht? Daher die folgende These: Wenn in allen Geschäften die Artikel nur noch mit glatten Beträgen ausgezeichnet wären - die Menschen könnten entspannter durchs Leben gehen. Denn hier zeichnet sich ja bereits die nächste Spirale ab. Anfangs waren es die 99 Cent am Ende des Preisschildes, mittlerweile wurden schon die ersten 94 und sogar 75 Cent gesichtet. Da wünscht man sich den Sozialismus, womit wir wieder beim Klopapier wären und der Kreis sich schließt. Am Ende bleibt dann nämlich wirklich nur noch die Null.

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