Ein subjektiver Hörtest führt zum teuersten Equipment
Eine kleine Reise des Klangs: Von MP3 bis High Fidelity
Mehmet Toprak
Um den feinen Unterschieden auf die Spur zu kommen, habe ich den Sansa mit drei verschiedenen Kopfhörern gehört. Einem Billigteil, das einem alten CD-Walkman beilag, dem schick gestylten Original-Kopfhörer von Sansa und einem Kopfhörer, den ich zuvor noch schnell gekauft hatte, ein Panasonic für 16 Euro. Das Urteil über den Billighörer ist schnell gefällt. Er klingt dünn und höhenbetont. Macht nichts, wenn man sowieso nur beim Joggen hört. Beim aufmerksamen Hören werden diese Mängel aber irgendwann lästig.
Der Original-Sandisk-Hörer arbeitet schon korrekter, das Gerät erweist sich allen Musiksparten als ebenbürtiger Mitspieler. Eine Ecke besser ist allerdings der zugekaufte Panasonic. Da klingen die Instrumente noch ein bisschen runder, natürlicher, irgendwie saftiger. Die Investition in einen besseren Hörer dürfte sich bei den meisten MP3-Playern lohnen. Nicht vergessen: Ein neuer Kopfhörer braucht etliche Stunden, bis er eingespielt ist, man hört richtig, wie der Klang aufgeht.
Die Hardware macht den Klang
Yellos atmosphärische Elektroniknummer "Tiger Dust" eignet sich bestens, um Räumlichkeit und Impulstreue eines Players zu testen. Inzwischen sind die Hörergebnisse keine große Überraschung mehr: Feinere Details bei MP3 mit 320 Kilobit pro Sekunde, aber keine Riesenunterschiede zur 128er-Version. Die volle Räumlichkeit, die Vielfalt der Klangfarben von Synthesizer und Percussion bringt aber erst das große Trio aus Sony-Player, Marantz-Amplifier und Beyer-Dynamic-Kopfhörer so richtig zur Geltung.
Es ist als ob durch die Komprimierung bei MP3 auch der Raum schrumpft. Sitzen die Musiker bei der CD noch in einem großen Saal, so schrumpft der Saal im MP3-Player plötzlich zu einer kleinen Kammer zusammen, in dem die Musiker dicht an dicht sitzen. An dieser Stelle daher folgende These: Die Klangverluste beim MP3-Format zeigen sich am deutlichsten bei der Räumlichkeit und der Ortbarkeit der Instrumente. Hier rechnet der Algorithmus feinste Informationen wie Hall einfach weg.
Bei den Kategorien Klangfarben, Details und Natürlichkeit ist der MP3-Algorithmus gar nicht so übel, hier spielt aber die Hardware eine große Rolle. Sprich, der Digital-Analog-Wandler im Player und der Kopfhörer. Sie machen einen größeren Unterschied aus als das gewählte Komprimierungsformat. Vor allem beim Bassfundament und der natürlichen Darstellung ist die Hardware entscheidend. Ein MP3-Player mit einem guten Kopfhörer kann also unter Umständen schöner musizieren als die 1.000-Euro-Stereoanlage mit den falsch abgestimmten Boxen.
Nächste Station im Hörtest war Bachs Cellosuite, gespielt von Paul Tortelier. Super, dachte ich, als das Stück drei- oder viermal aus dem Sansa erklang. Mit dem guten Panasonic-Kopfhörer macht das Stück richtig Spaß und das Cello klingt rund und natürlich. Mehr Klang braucht kein Mensch. Doch dann auf der Stereoanlage zeigt sich eben doch, dass mehr in der Aufnahme steckt. Da hört man plötzlich wie komplex und vielschichtig ein Cello sein kann, welche Geräuschkulisse es in jeder Sekunde entfaltet. Und die minimalen Hall-Informationen auf der CD sorgen für ein Konzertsaal-Feeling, das im MP3-Player doch weitgehend verloren ist.
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