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02.05.2008
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Booten wird überflüssig

HPs Memristor: Speicher ohne Strom

Mehmet Toprak

HPs Memristor: Speicher ohne Strom

Ein Durchbruch in der Speichertechnik ist Forschern der HP Labs gelungen. Kern der Erfindung ist der sogenannte Memristor. Dabei handelt es sich um einen elektrischen Widerstand, der auch bei ausgeschaltetem Strom seine Größe behält. Damit ließen sich PCs bauen, die blitzschnell starten. Denn der Arbeitsspeicher behält die Daten auch dann noch, wenn der Anwender den PC herunterfährt und der Strom ausgeschaltet ist.

Daten wie etwa die gerade aktiven Programme oder offene Dokumente wären nach dem Einschalten sofort wieder auf dem Bildschirm. Ein weiterer Vorteil liegt laut HP in der höheren Energieeffizienz gegenüber herkömmlichen Modulen.

Die Entdeckung der HP-Forscher markiert das Ende einer langen Suche. Schon 1971 hatte Leon Chua, ein Professor aus Berkeley, den Memristor theoretisch beschrieben. Dieser stellt neben Widerstand, Kapazität und Induktivität ein viertes Basiselement dar. Doch bei der Theorie war es 37 Jahre lang geblieben, erst jetzt konnte ein Muster des vierten Elements auch praktisch gezeigt werden. Das Modul hat einen Durchmesser von nur wenigen Atomen.

Ein langer Weg bis zum marktreifen Produkt

Die schlauen Köpfe hinter Memristor sind die HP-Forscher Stanley Williams, ein führender Wissenschaftler im Bereich Nano-Technik, sowie Dmitri B. Strukov, Gregory S. Snider und Duncan R. Stewart. Ein entsprechender Artikel des Wissenschaftler-Quartetts war am 30. April im renommierten Wissenschaftsmagazin "Nature" erschienen. Es dürfte allerdings noch Jahre dauern, bis der spektakuläre Durchbruch in der Forschung auch ein marktreifes Produkt bringt.

Wem die Geschichte vom Speicher, der seinen Inhalt auch nach dem Ausschalten nicht verliert und deshalb den blitzschnellen PC-Start ermöglicht, irgendwie bekannt vorkommt, dessen Gedächtnis täuscht nicht. MRAM (Magnetic Random Access Memory) sollte genau dies leisten. Die Technik wurde schon Anfang des Jahrzehnts von IBM angekündigt. Gemeinsam mit dem Speicherspezialisten Infineon arbeiteten die IBM-Entwickler jahrelang an der Technik, die die Vorteile von Flashspeicher und SDRAM kombinieren sollte. Auch Motorola arbeitete daran. Ab 2005 sollten die MRAMs in Serie gehen. Doch zu viel mehr als einem Prototypen mit 128 Megabyte kam es im PC-Bereich bis heute nicht.

Das schöne morgendliche Ritual, nach dem Einschalten des PCs erst mal einen Kaffee zu holen, bis der Rechner gebootet hat, wird uns also wohl noch ein paar Jahre bleiben.


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