Digitales Kino kommt nicht ins Rollen
Offene Fragen verunsichern Kinobetreiber
Der VdF bietet an, sich mit knapp 15 Prozent an den Kosten zu beteiligen. Zudem soll rund die Hälfte der 226 Millionen Euro, die laut VdF benötigt werden, um das digitale Kino flächendeckend einzuführen, aus öffentlichen Mitteln bezahlt werden. Die AG Kino hält den Anteil des Verleiher jedoch für zu niedrig. Denn es seien in den nächsten fünf Jahren nicht, wie in einem vom VdF veröffentlichten Memo vorgerechnet, nur 226 Millionen, sondern mindestens 500 Millionen Euro nötig, um alle 4.800 Kinosäle Deutschlands umzurüsten.
Ob der Staat für die Kinobranche Subventionen fließen lässt, sei ebenfalls nicht sicher. Außerdem gibt es bisher kaum Erfahrung mit der digitalen Projektionstechnik. Ob die teuren Digital-Projektoren mehrere Jahre Betrieb überstehen, weiß jetzt noch keiner. Falls die neue Technik, wie es bei Computern und anderen digitalen Geräten üblich ist, nach wenigen Jahren technisch überholt sind, würde sich die Umrüstung und die dadurch entstehenden Kosten wiederholen.
Technik gegen Nostalgie
Analoge Projektoren, wie sie seit über hundert Jahren verwendet werden, können dagegen auch nach mehreren Jahrzehnten noch eingesetzt werden. Ulrich Ziaja, Inhaber des kleinen Kinos "Studio" in Sankt Augustin bei Bonn, betreibt problemlos einen 35-Millimeter-Projektor aus den Fünfzigerjahren. Den Projektor auszutauschen kommt für ihn vorläufig nicht in Frage: "Wir hätten nichts gegen digitale Projektionstechnik, aber sie ist einfach nicht bezahlbar."

Außerdem arbeitet er noch gerne mit dem analogen Film, denn "der hat etwas Nostalgisches. Wir können den Film noch anfassen." Dass die digitalisierten Multiplex-Kinos den kleinen Filmbühnen auf dem Dorf den Todesstoß versetzt, glaubt Ziaja nicht. "Kino kriegt man nicht kaputt", sagt er. "Wer Nischen besetzt, überlebt." Und auch die immer besser werdenden Heimkinos mit hochauflösenden Flachbildfernsehern und Surround-Anlagen würden daran nichts ändern, da es "die frische Ware auch weiterhin nur im Kino geben wird".
35-Millimeter-Projektoren Das Ende einer Ära
Der erste Filmbetrachter für 35-Millimeter-Filme, entwickelt von William Kennedy Laurie Dickson
Digitale Projektoren wie der Sony SRX-R110 mit einer Auflösung von 8,8 Megapixeln (Quelle: sony.com)
Filmverleiher und Kinobetreiber sind sich sicher, dass dem digitalen Film die Zukunft gehört. Aber bis sich beide Seiten auf ein Finanzierungsmodell geeinigt haben, läuft der gute alte 35-Millimeter-Film erst einmal weiter.
