Analoger 35-Millimeter-Film profitiert vom Finanzierungsstreit
Digitales Kino kommt nicht ins Rollen
Axel Hahne
In den deutschen Kinos rattert nach wie vor der 35-Millimeter-Projektor und wirft neben dem eigentlichen Spielfilm auch Kratzer und Flusen auf die Leinwand. Damit soll es bald vorbei sein: Wenn es nach dem Verband der Filmverleiher (VdF) geht, soll dieses Jahr die flächendeckenden Digitalisierung beginnen. Doch die Kinobetreiber zögern. Grund ist die Frage, wer das finanzieren soll.
Die bis zu 35 Kilogramm schweren Filmrollen verursachen den Verleihern weltweit Kosten, die pro Jahr in die Milliarden gehen. Wenn sie in den Kinos nicht mehr gezeigt werden, müssen die Verleiher die Rollen zurücknehmen und vernichten. Digitale Kopien benötigen dagegen nur eine Festplatte, die sich leicht verschicken lässt und später neu bespielt werden kann.
Die Musik wird digital aus dem Internet geladen, das Fernsehen kommt digital über Satellit und selbst das Telefongespräch wird schon digital übertragen. So soll die Zukunft auch für Kinofilme aussehen: Direkt per Satellit oder Breitbandverbindung in die Filmtheater. Um einen Film in mehreren Sälen gleichzeitig und in verschiedenen Sprachversionen zu zeigen, ist dann nur noch eine einzige digitale Kopie nötig.

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Vom Aussterben bedroht: Der chemische Film soll durch Bits und Bytes ersetzt werden.
Während die Filmverleiher niedrigere Kosten und bessere Qualität versprechen, erwarten die Kinobetreiber kaum nennenswerte Vorteile. "Der durchschnittliche Kinobesucher wird den Unterschied nicht unbedingt merken", sagt der Theaterleiter eines größeren Multiplex-Kinos, der namentlich genannt werden möchte. "Wir haben nichts davon. Ob wir jetzt von Film oder Festplatte spielen, ist uns im Prinzip ganz egal."
Digitales Warten
Auch die immer besser werdende Heimkinotechnik sieht er, im Gegensatz zum VdF, nicht als ernsthafte Bedrohung. Denn der Kinobesuch sei immer noch ein Erlebnis, bei dem auch der soziale Aspekt eine große Rolle spielt. Große Blockbuster wie "Der Herr der Ringe" oder Dokumentarfilme mit beeindruckenden Naturaufnahmen wie aktuell "Unsere Erde - Der Film" würden sich die meisten Filmfans weiterhin lieber mit vielen Menschen zusammen auf der großen Leinwand ansehen als zu Hause auf dem kleinen Fernseher im Wohnzimmer.
Wie fast alle deutschen Kinobetreiber wartet er deshalb ab, bis sich die Verleiher und die Arbeitsgemeinschaft Kino (AG Kino) geeinigt haben, wie der Umstieg finanziert wird: "Warum sollen wir in die neue Technik investieren? Wer in Massen spart, ist der Filmverleiher. Deshalb soll der uns auch die Dinger hier hinstellen!"
Während ein 35-Millimeter-Projektor für etwa 35.000 Euro zu haben ist, müssen für einen digitalen Projektor, der den Spezifikationen der Digital Cinema Initiatives (DCI) entspricht, mindestens 65.000 Euro aufgewendet werden. Dazu kommen noch die Kosten für Umbau und Installation in Höhe von durchschnittlich 10.000 Euro.
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