Der Firmengründer über politische Malware und Chancenlosigkeit
Kaspersky im Interview: "Kein schneller Sieg in Sicht"
Computerschädlinge und der Schutz des eigenen PCs sind ein Dauerbrenner. Auf der CeBIT 2008 sprach netzwelt daher mit Eugene Kaspersky. Der CEO und Gründer der gleichnamigen Sicherheitsfirma stand Rede und Antwort zu aktuellen und neuen Bedrohungen in der Virenwelt.
netzwelt: Herr Kaspersky, mit welchen IT-Gefahren müssen wir 2008 rechnen?
Eugene Kaspersky: Die größte Bedrohung ist, dass es zu viele Bedrohungen gibt. Im Jahr 2007 gab es so viele Viren-Samples wie in der gesamten Zeit zuvor. Auch für 2008 rechnen wir mit einer Verdoppelung. Für diese gewaltigen Datenmengen brauchen Sicherheitsfirmen Ressourcen - sowohl für automatisierte Technologien als auch erstklassige Experten.
Die Bedrohungen werden immer komplizierter, Virenschreiber beobachten die Technologien, mit denen wir arbeiten. Oft dauert es Tage, bis wir in den Labors eine Lösung für eine Malware gefunden haben. In der Zwischenzeit wissen wir zwar um die Existenz des Schädlings, können aber noch nichts dagegen tun.
netzwelt: Sind Entwickler von Viren motivierter als die Sicherheitsfirmen?
Kaspersky: Grundsätzlich nicht, nein. Geld ist ein starker Motivator und Cyperkriminelle verdienen deutlich mehr Geld als wir Sicherheitsfirmen, so viel ist sicher. Natürlich wäre es verlockend, die bösen Jungs anzuwerben, weil sie Erfahrung mitbringen. Aber sie haben die falsche Motivation.

CeBIT-Interview: Eugene Kaspersky und CCO Bujakin.
netzwelt: Virenschreiber entwickeln Designer-Malware, die für bestimmte Zwecke und Ziele ausgerichtet ist. Ist individuelle Anti-Malware hier der Schlüssel?
Kaspersky: Absolut. Viele Firmen, deren Namen ich nicht nennen darf, benutzen sehr spezifische Sicherheitslösungen. Kaspersky verfolgt diesen Ansatz auch in der Welt der Online-Spiele, um den Datendiebstahl zu unterbinden. Die Kriminellen hacken sich in Accounts von "World of Warcraft" ein und stehlen die Charaktere - ein Millionengeschäft, einzelne Figuren gehen für mehr als 1.000 Dollar weg.
netzwelt: Was kann eine Firma wie Kaspersky tun, um das Sicherheitsbewusstsein der Nutzer zu schärfen?
Kaspersky: Wir sehen diese Aufgabe als Teil unserer Mission an. Von Schulen bis hin zu Lehrgängen für IT-Manager klären wir über Gefahren auf und geben Handlungshinweise. Das Problem ist, dass sich jeder irgendwann einmal austricksen lässt, sogar hundertprozentig vertrauenswürdige Websites können beispielsweise infizierte Werbebanner anzeigen.
Auch mich hat es kürzlich beinahe erwischt - und dabei bin ich paranoid. Die Mail war glaubhaft, der Absender auch und der Text besagte: 'Hi Eugene, guck mal, was da wieder jemand über dich geschrieben hat', zusammen mit einem Link. Ich war fast bereit zu klicken, einer unserer Analysten prüfte die URL und fand einen Trojaner. Jeder macht Fehler.
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Wie geht's weiter? Zu diesem Thema haben wir eine redaktionelle Übersicht erstellt. Sie finden das Special zu Virenschutz hier.
