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Tutorial: Anonym surfen mit dem Internet Explorer
Tor und Privoxy verschleiern die Identität

von Moritz Zielenkewitz Uhr veröffentlicht

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Surfen im Internet - für die meisten Nutzer heißt das: Internet Explorer starten und loslegen. Anonym sind Sie dabei aber nicht. Über die Freeware Tor können Sie Ihre Anfragen im Netz verschleieren - das netzwelt-Tutorial erklärt, wie das funktioniert.

Surfen im Internet - für die meisten Nutzer heißt das: Internet Explorer starten und loslegen. Doch dabei sind Sie keineswegs anonym unterwegs: Bei jedem Seitenaufruf hinterlassen Sie unfreiwillig Spuren und persönliche Informationen. Über die Freeware Tor können Sie Ihre Anfragen im Netz verschleieren - das netzwelt-Tutorial erklärt, wie das funktioniert.

Warum Sie nicht anonym sind

Im Internet ist jeder ein Unbekannter, schließlich hinterlässt ja niemand seinen Namen - so naheliegend diese Einschätzung ist, so sehr geht sie an der Wahrheit vorbei. Das Internet ist geradezu darauf ausgelegt, dass jeder Teilnehmer eindeutig identifiziert werden kann. Das hat mit der Netzstruktur zu tun: Jeder Computer besitzt eine IP-Adresse, eine Nummer, über die der Rechner kontaktiert werden kann.

Jede Website, die Sie aufrufen, ist auch solch eine IP-Adresse - nur in eine URL mit Namen übersetzt. Wenn Sie also über Ihren Browser Kontakt zu einer Seite aufnehmen, senden Sie dem zugehörigen Webserver Ihre IP-Adresse. Die lässt sich orten und ermöglicht über die Daten Ihres Internet Service Providers (ISP) eine recht genaue Bestimmung Ihres Aufenthaltsortes.

Und die IP-Adresse ist nicht die einzige Information, die Sie anderen Teilnehmern im Netz gezwungenermaßen unter die Nase reiben: Zuletzt besuchte Seite, Betriebssystem, Browser, Bildschirmauflösung und Internetanbieter sind ebenfalls kein Geheimnis. Was Sie genau mit jeder Anfrage verschicken, zeigt der folgende Screenshot. Sie können das auch selbst überprüfen - den Link finden Sie unten in den Links zum Thema.

IP, Browser, Betriebssystem und Ort: Alles mitgesendet.

Wie Tor für Anonymität sorgt

Ein ungutes Gefühl, denn mit diesem Gesamtpaket an Daten sind Sie beileibe kein Unbekannter im Internet. An dieser Stelle kommt die kostenlose Software Tor ins Spiel: Das Programm verbindet sich mit anderen Tor-Installationen zu einem weltweiten Netzwerk. Wenn Sie jetzt im Internet eine Seite aufrufen wollen und dazu einen Webserver kontaktieren, fließen die Daten nicht mehr direkt dorthin.

Denn das Tor-Netzwerk schaltet sich ein: Statt mit dem Webserver verbinden Sie sich mit einem der vielen tausend Knotenpunkte, dieser leitet die Anfrage an einen neuen Knotenpunkt weiter. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrere Male im Tor-Netz und ein Kontakt erhält nicht Ihre Informationen, sondern die des Vorgängers.

Anonymisiert eigene Anfragen im Netz: Tor.

Diese Verkettung bietet viele Vorteile. Tritt Ihre Anfrage aus dem letzten Knoten heraus und setzt den Weg zum vorbestimmten Webserver fort, dessen Seite Sie anzeigen möchten, erhält der Webserver die IP-Adresse und sonstige Metainformationen vom Austrittspunkt. Das Zurückführen auf Ihre tatsächliche Identität ist kaum möglich, außerdem nutzen Tausende User zur gleichen Zeit einen Austrittsknoten und Sie gehen in der Masse unter.

Tor steht dabei als Akronym für The Onion Router: Jeder Knoten arbeitet wie eine Art Router, indem er die Anfragen annimmt und auf zufälligen Wegen weiterleitet. Die Zwiebel repräsentiert dabei das Verschlüsselungsmodell, denn die Tor-Knoten kommunizieren nicht im Klartext miteinander. So ist auch die Gefahr gebannt, dass Dritte die Datenströme mitlesen und so Ihre Anonymität kompromittieren könnten.

Welche Rolle Privoxy spielt

Damit leistet Tor bereits gute Arbeit, für noch bessere Sicherheit Ihrer Privatsphäre sichert Privoxy die Flanke. Diese Freeware untersucht HTTP-Verbindungen - also Seitenaufrufe - auf Inhalte, die der Anonymität abträglich sein könnten. Ein weiterer Vorteil: Privoxy blockiert viele Arten von Werbebannern und nicht inhaltsbezogenen Elementen. So erhöhen Sie die Surf-Geschwindigkeit merklich.

Aus Gründen des Komforts gibt es Tor und Privoxy in einem Komplett-Paket. Zusätzlich liefert Vidalia noch eine grafische Benutzeroberfläche für die beiden Tools, die ansonsten per Kommandozeile arbeiten. Dieses Vidalia-Paket mit Tor und Privoxy sollten Sie jetzt herunterladen - und der Internet Explorer sollte sowieso bereits auf Ihrem System installiert sein.

Vidalia-Paket einrichten

Bei der Installation von Vidalia brauchen Sie das Torbutton-Addon nicht auszuwählen - es hilft nur beim Firefox. Sind die Daten erfolgreich kopiert, starten Tor und Privoxy automatisch. Solange Sie diesen automatischen Aufruf nicht manuell angeben, müssen Sie für das anonyme Surfen jedes Mal beide Programme aufrufen. Wie Sie das Vidalia-Paket installieren und einrichten, zeigt die folgende Mediengalerie:

Tor installieren und einrichten

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Beim Programmstart meldet sich auch Privoxy kurz mit einem Statusfenster, das Sie allerdings getrost wegklicken können.

Internet Explorer konfigurieren

Damit arbeitet das Duett aus Tor und Privoxy einwandfrei, doch der Internet Explorer muss erst zur Zusammenarbeit bewegt werden. Denn Sie müssen dem IE klarmachen, dass die Anfragen für diverse Protokolle jetzt über einen so genannten Proxy-Server umgeleitet werden - denn als solch ein Zwischenschritt stellt sich Tor nach außen dar. Wie Sie Sie den Internet Explorer für Tor fit machen und den Erfolg testen, zeigt die folgende Mediengalerie:

Internet Explorer anonymisieren

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Klicken Sie im Internet Explorer auf Extras > Internetoptionen.

Anwendungszwecke und Alternativen

Tor läuft, Privoxy hilft und der Internet Explorer weiß, was er zu tun hat: Dem anonymen Surfen steht also nichts mehr im Weg. Nicht nur paranoide Zeitgenossen werden sich darüber freuen können, beim Aufrufen von Websites nicht mehr unbefragt persönliche Informationen preisgeben zu müssen. Schließlich geben Sie ja auch nicht jedem Menschen Ihre Adresse.

Anonym im Netz zu sein hat aber auch klare Nachteile: Abgesehen vom einmaligen Aufwand der Installation wird Ihre Bandbreite massiv in Mitleidenschaft gezogen. Dadurch, dass Anfragen im Tor-Netzwerk mehrmals verschlüsselt umgeleitet werden, bleibt von Ihrem flotten DSL-Anschluss nicht mehr viel übrig. Mit verschleierter Identität surfen sollte also nur punktuell eingesetzt werden, wenn Sie sich der Rechtmäßigkeit einer Seite ungewiss sein sollten.

Filesharing mit Azureus und Co.: Über Tor zum Scheitern verurteilt.

Diese Einbußen in Sachen Geschwindigkeit sorgen auch dafür, dass Filesharing über Tor tabu sein sollte. Mit den ernüchternden Geschwindigkeiten wird kaum ein Download fertig, außerdem verlangsamen Sie so das gesamte Tor-Netzwerk und behindern Nutzer, die Anonymität beim normalen Surfen genießen möchten.

Wenn Sie noch komfortabler anonym im Netz unterwegs sein wollen, müssen Sie dem Internet Explorer den Rücken kehren: Der Mozilla Firefox eignet sich dank Erweiterungen wie Torbutton oder FoxyProxy noch besser für die Zusammenarbeit mit Tor. Ein ausführliches Tutorial erklärt, wie Sie auch den Browser-Fuchs mit Tarnkappe ins Internet schicken.

Kommentare zu diesem Artikel

Surfen im Internet - für die meisten Nutzer heißt das: Internet Explorer starten und loslegen. Anonym sind Sie dabei aber nicht. Über die Freeware Tor können Sie Ihre Anfragen im Netz verschleieren - das netzwelt-Tutorial erklärt, wie das funktioniert.

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  • AAHJA schrieb Uhr
    AW: News - Tutorial: Anonym surfen mit dem Internet Explorer

    Tor und Privoxy verschleiern die Identität Surfen im Internet - für die meisten Nutzer heißt das: Internet Explorer starten und loslegen. Anonym sind Sie dabei aber nicht. Über die Freeware Tor können Sie Ihre Anfragen im Netz verschleieren - das netzwelt-Tutorial erklärt, wie das funktioniert. Lesen Sie den ganzen Artikel Die gute Absicht, aber .... Dies sog. Tutorial spiegelt nicht wirklich erfahrenen Anwender eine trügerische Sicherheit vor, die mit diesem hm, Beitrag nicht gegeben ist. a) Sollten alle Einstellungen für den IE (alle Versionen) angepaßt werden. :Sicherheitseinstellungen zu den Zonen, Cookie-Sites, ActivX und ActiveScripting etc. Insbesondere die Behandlung von Cookies wird nicht erwähnt. b)Übertragen Browser weit mehr Daten als die meisten annehmen, deshalb empfehle ich trotz Tor oder anderen Diensten den Browsercheck hier: gemal.dk - BrowserSpy b) Das Problem mit der Firewall, welche Nodes kann ich in meiner Firewall, auf welchen Ports erlauben, welche nicht, gibt es hier anscheinend nicht. c) Zitat aus dem Artikel:"So ist auch die Gefahr gebannt, dass Dritte die Datenströme mitlesen und so Ihre Anonymität kompromittieren könnten.". Hahaha, an jedem Austrittspunkt liegen die Daten im Klartext vor und können mitprotokolliert werden. HTTPS ist aber auch nicht die Lösung weil man damit dem gegenüber Tür und Tor öffnet. Schade, dass hätte ein besseres Tutorial werden können. Wundert mich nur, dass noch niemand einen Kommentar abgegeben hat. Trotzdem vielen Dank an den Verfasser, zumindes für die gute Absicht.

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Surfen im Internet - für die meisten Nutzer heißt das: Internet Explorer starten und loslegen. Anonym sind Sie dabei aber nicht. Über die Freeware Tor können Sie Ihre Anfragen im Netz verschleieren - das netzwelt-Tutorial erklärt, wie das funktioniert.
http://www.netzwelt.de/news/77170-tutorial-anonym-surfen-internet-explorer.html
2008-02-22 17:18:00
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