ProSieben und Sat1 springen vom Pferd HDTV ab
Verkehrte Netzwelt: Rückschlag für die Zukunft
Stefan Hagedorn
Mit Kritik wurde an dieser Entscheidung, die als schwerer Rückschlag für die Etablierung des hochauflösenden Fernsehens in Deutschland angesehen werden muss, nicht gespart. Besonders Kabel BW, das die beiden HDTV-Sender einspeiste, sieht in der Entscheidung ein falsches Signal. Kabel Deutschland hingegen hatte nach eigenen Angaben bisher nicht einmal Gespräche über eine Einspeisung der beiden HD-Kanäle geführt.
Letzte Chance: Anixe
Nur noch der Serien- und Spielfilmkanal Anixe HD verbleibt damit ab sofort als frei empfangbares HDTV-Programm in deutscher Sprache. Natürlich über Satellit Astra 19,2° Ost, aber auch in den Kabelnetzen. Jedoch scheinen auch die freien Tage von Anixe offenbar gezählt, gibt es doch schon seit Monaten Ankündigungen über eine bevorstehende Verschlüsselung, um die Urheberrechte besser schützen zu können. Anixe könnte beispielsweise ein wichtiges Standbein für die schwächelnde Bezahlfernsehplattform von SES Astra, entavio, werden.
Erst vor wenigen Tagen hatte Astra die geringe Marktakzeptanz eingestanden. Was auch nicht verwundert: Zwei Programme für Soft-Erotik und Sport sowie ein elektronischer Programmführer sind schlechte Argumente, Monat für Monat eine Zusatzgebühr in Höhe von 1,99 Euro für die Nutzung von entavion abzudrücken. Auch ein Beitritt zur Pay-TV Plattform Premiere wäre eine Option, hat doch Michael Börnicke als Vorstand des Unternehmens wiederholt auch eine Expansion im Bereich HDTV angekündigt.
Murdoch der Retter in der Not
Leider fehlt es derzeit an entsprechenden Transponder-Kapazitäten und selbst wenn es welche gäbe, ist Premiere offenbar nicht bereit, zum derzeitigen Zeitpunkt neue Frequenzen in Betrieb zu nehmen. Alle Welt schreit nach Expansion, nur Premiere setzt sich selbst Stoppschilder. Dabei sollte die erhöhte Beteiligung von Rupert Murdoch am Pay-TV Sender Premiere für einen deutlichen Schub in allen Bereichen sorgen.
Murdoch hatte erst in den vergangenen Tagen seine Premiere-Beteiligung auf knapp 20 Prozent erhöht und damit die Vermutungen, dass eine baldige Umstellung auf das Murdoch-Verschlüsselungssystem Videoguard bevorsteht, unterstützt. Auch der deutsch-französische Kultursender arte will noch 2008 einen hochauflösenden Sender anbieten. Überwiegend soll Material zu sehen sein, das hochskaliert wird.
Ambitionierte Pläne verfolgt arte auf jeden Fall: In ein bis zwei Jahren soll der HD-Anteil nach aktuellen Plänen bei satten 100 Prozent liegen. Kultur hochauflösend - in jedem Fall ein interessantes Gegenstück zum kommerziellen Trash-TV.
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