US-Erotikanbieter wollen Exempel an Filesharern statuieren
Vorbild RIAA: Pornoindustrie plant P2P-Abmahnwelle
Moritz Zielenkewitz
Abmahnungen nach dem Vorbild der amerikanischen Musikindustrie - geht es nach den Pornoanbietern auf der XBiz-Konferenz, ist dies ein adäquates Mittel. Denn der Markt für Erwachsenenunterhaltung stehe kurz vor dem Zusammenbruch, heißt es von den Firmen selbst. Sie sehen die Zeit gekommen, einige P2P-Nutzer für ihren Pornotausch abzumahnen und als Warnung möglichst hoch zu hängen.
Ähnlich wie der aktuelle Kreuzzug der RIAA gegen Musiktausch soll es aussehen, das Abmahn-Modell gegen Filesharing von urheberrechtlich geschützten Pornos. Darüber haben sich Anbieter und Anwälte der Erotikindustrie auf der XBiz-Konferenz verständigt. Anwalt Greg Piccionelli betonte: "Wir stehen vor einem kompletten Kollaps des Marktes für Medien zur Erwachsenenunterhaltung, wenn nichts gegen Filesharing unternommen wird."
Ein mögliches Hindernis könnte dabei allerdings die schlechte Organisation der Anbieter innerhalb der Erwachsenenunterhaltung sein: Während manche Firmen Porno-Filesharing anprangern, werben wieder andere auf Tracker-Seiten einschlägiger Torrentportale. Diane Duke von der Free Speech Coalition hofft: "Man kann vielleicht die Pornoindustrie nicht vereinen - aber sie kann sich gegen eine Bedrohung zusammenschließen."
Ziel sei dabei, Exempel gegen einzelne P2P-User zu statuieren und danach auf Mundpropaganda zu hoffen. Dieser Abmahnwelle wird dabei sogar mehr Erfolg zugebilligt als der RIAA-Kampagne: "Nutzer, die gestohlene Videoinhalte konsumieren, möchten ungern öffentlich mit der Tatsache konfrontiert werden, dass es sich dabei um Pornografie handelt", so Piccionelli.
Mit ähnlichen Methoden versuchten im vergangenen Jahr auch in Deutschland Kanzleien, Profit aus der möglichen Bloßstellung zu schlagen: "Der Aspekt der Scham ist nicht zu unterschätzen", sagt Dr. Alexander Wachs, Rechtsanwalt aus Hamburg, der Hunderte abgemahnte Internetnutzer vertritt. "Porno-Abmahnungen sind der Bereich, der am stärksten wächst." Dieses Geschäftsmodell soll jetzt mit Rückendeckung der großen US-Pornoanbieter weltweit Schule machen.
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