Jeder hat das Recht, sich zum Deppen zu machen
Verkehrte Netzwelt: Fernsehen zum wegsehen
Stefan Hagedorn
Guckst du noch oder ist die Flimmerkiste schon aus? Manchmal wäre es wohl die bessere Wahl: Mit zweifelhaften Sendungen gehen die privaten TV-Sender schon seit geraumer Zeit auf Quotenjagd. Mit "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" flimmerte schon zu Jahresbeginn Ekel-Fernsehen der heftigsten Sorte über die Bildschirme. Aber das war noch nicht alles: Bleibt die Frage, welche Peinlichkeiten den Zuschauern überhaupt noch erspart bleiben.
Dschungel-Pause
Haben Sie die Pause auch genossen? Über drei Jahre war Sendepause im australischen Dschungel-Camp. Keine ekligen Tiere wurden als Mahlzeit vorgesetzt, auch von den täglichen Fitness-Übungen im Schlamm und einem Bad aus Kakerlaken und Spinnen blieben wir verschont. Doch die Dschungel-Ruhe hat ein Ende gefunden. Insgesamt zehn Prominente der B- und C-Kategorie wanderten im Januar in den australischen Busch, um ihre Überlebensspiele vor laufender Kamera zu praktizieren. Immer mehr in einem Grenzbereich zwischen Ekel und Menschenverachtung, wie einige Kritiker die Show zu betiteln wussten.
Ich möchte als Fernsehzuschauer nicht Augenzeuge werden, wenn lebende Maden und andere Leckerbissen als Mahlzeit serviert und Prominente in Todesangst um irgendwelche Sterne kämpfen sollen, damit die Mannschaft etwas ordentliches auf den Teller bekommt. Doch "IBES, HMHR" liegt bereits hinter uns und landet in der Tonne für multimediale Restverwertung.
Dafür steht ein neues Kürzel für Unterhaltung aus dem Hause RTL: DSDS. Deutschland sucht, wie schon in den Vorjahren, einen Superstar. Zehntausende sind auch diesmal dabei und machen sich vor laufender Kamera zum Deppen. Getreu dem Motto: Jeder hat das Recht, sich jederzeit und überall zum Narren zu machen. Auch zur besten Sendezeit im Programm des größten deutschen Privatsenders.
Ein Millionär bei der Arbeit
Immer mittwochs und sonnabends stellen sich zur besten Sendezeit Talente und solche, die es werden wollen den strengen Blicken der Jury um Pop-Titan Dieter Bohlen, werden verspottet und ernten Kommentare, die normalerweise so manchem Juristen einen Berg Arbeit bescheren würden. Nun haben die allmächtigen Juroren das Wort und ziehen über die Leistungen der Möchtegern-Gesangsbarden her. Weinkrämpfe und Zusammenbrüche vor laufender Kamere sind dabei inklusive und scheinen schon fast fest zur Inszenierung der Show zu gehören.
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