Microyahoogle: Machtkampf der Online-Goliaths
Redmond-Rechnerei: Nummer 2 + Nummer 2 = Nummer 1?
Auf den ersten Blick wird das Übernahmeangebot von Microsoft wie ein genialer Schachzug: Im Bereich der Websuche würden die beiden Konzerne zusammen in Amerika auf knapp ein Drittel der Anfragen kommen, in Europa signifikant weniger. Trotzdem wäre das eine Basis, bei der Google einem ernstzunehmenden Gegner gegenüber stehen würde. Und im zweiten Problemfeld, der Online-Werbung, könnte Microsoft von Yahoos Markterfolgen profitieren.
Bei einer genaueren Betrachtung ergeben sich jedoch einige Probleme. Das erste lautet: Redundanz. Eine überwältigende Anzahl an Services der beiden Konzerne deckt identische Bereiche und Zielgruppen ab; in manchen Fällen kann zudem keine der beiden Firmen eine klare Marktdominanz vorweisen. Um nur die bekanntesten zu nennen: Flickr und Live Spaces, beide Messenger und Mail-Plattformen sowie die Account-Strukturen Live ID und Yahoo ID.
Hier eine Symbiose zu jeweils einem Produkt zu erzwingen, könnte mehr Schaden verursachen, als die prognostizierten Synergieeffekte erwirtschaften würden. Ganz im Gegensatz zur gängigen Redewendung wäre so das Ganze kleiner als die Summe seiner Teile; und neben dem garantierten Vergraulen einer zahlenmäßig starken Community würde auch der logistische Aufwand einer solchen Umwandlung in der Online-Vergangenheit seinesgleichen suchen.
Bedeutung für Benutzer: Nutzen oder benutzt?
Zwischen den Gletscherspalten der Macht, die sich zwischen Microsoft, Google und Yahoo derzeit hin und her schieben, wird der Anwender gerne vergessen. Denn für ihn ist der Besitzer eines Services anfangs nur sekundär. Wichtig ist die Attraktivität des Angebots und sicherlich auch der Umstand, dass im jeweiligen Sektor Wettbewerb herrscht - damit Alternativen vorhanden sind und Anbieter sich die Zuwendung ihrer User erarbeiten müssen.
Für Internet-Nutzer in Deutschland wäre der Zusammenschluss von Microsoft und Yahoo eine denkbar günstige Entwicklung: Mit 90 Prozent Marktabdeckung bei den Suchanfragen und einer ebenso dominanten Position bei der Werbung ist Google im Prinzip konkurrenzlos. Auch wenn ein waffenkreuzendes Microhoo-Yahoosoft auf dem Papier immer noch deutlich hinten anstehen würde, wäre zumindest das Spielfeld für einen Wettbewerb bereitet.


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