Jetzt geht es den Providern an den Kragen
Musikindustrie macht gegen Internet-Anbieter mobil
Music Markt
Der internationale Musikindustrieverband IFPI will, dass Internet-Zugangsanbieter gegen die Tauschbörsen-Nutzung ihrer Kunden aktiv werden. In seinem aktuellen Jahresbericht forderte der Verband, P2P-Transfers zu filtern und Urheberrechtsbrechern den Netzanschluss zu kappen. Die Umsetzbarkeit derartiger Vorstöße ist jedoch umstritten.
Die International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) nutzte die Vorstellung des Jahresberichts 2008, um mit scharfer Rhetorik gegen Internet-Anbieter zu wettern. So erklärte IFPI-CEO John Kennedy anlässlich der Vorstellung des Berichts: "Es ist höchste Zeit, dass Provider Verantwortung für den Schutz von Inhalten übernehmen."
Im Bericht selbst heißt es zu dem Thema, man befinde sich in zahlreichen Ländern im Dialog mit Internet-Anbietern über konkrete Maßnahmen gegen den illegalen MP3-Tausch. Die Musikindustrie sei jedoch auch bereit, Provider zu verklagen, wenn diese sich nicht zu einer freiwilligen Kooperation entschließen könnten.
Von der Grenzkontrolle ...
Neu ist die Idee den MP3-Tausch mit Provider-Hilfe zu stoppen nicht. Die deutsche Musikindustrie versuchte sich bereits Anfang des Jahrzehnts daran, Internet-Zugangsanbieter zu einer so genannten "virtuellen Grenzkontrolle" zu verpflichten. Firmen wie T-Online oder Arcor hätten damit den Zugriff auf im Ausland gehostete MP3-Webstes komplett blockieren müssen.
Versuche, den Einsatz derartiger Systeme gesetzlich vorzuschreiben, scheiterten jedoch kläglich, und freiwillig wollten sich die Netzanbieter auch nicht zur Netzzensur verpflichten. Als dann dezentrale Tauschbörsen einfach zu zensierende MP3-Websites ersetzten, verschwand die Idee einer Provider-Sperre wieder in den Schubladen der musikindustriellen Piratenjäger.
... zum P2P-Filter
In den letzen Monaten hat die Idee netzweiter Musiktausch-Sperren jedoch eine ganze Reihe neuer Freunde gefunden. Den Startschuss für diese Entwicklung gab die französische Regierung, die im Herbst ein Abkommen zwischen der Musikindustrie und Internet-Anbietern bekannt gab, mit dem man gegen intensive Tauschbörsen-Nutzer vorgehen will. Wer einmal beim Tauschen erwischt wird, bekommt demnach nur eine Warnung. Beim dritten Mal wird jedoch der Netzzugang komplett gekappt.
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