Alternative zu Adobe und Co.
Ubuntu Studio: Kostenlose Multimedia-Suite im Portrait
Patrick Woods
Linux ist für Programmierer. Linux ist für Nerds. Linux ist für Bastler und Menschen, die lieber am Computer arbeiten als mit dem Computer zu arbeiten. Noch mehr Vorurteile gefällig? Von einer bestimmten Nutzergruppe wurden die Betriebssysteme mit Tux, dem Pinguin, bisher völlig ignoriert: Den Medienmachern. Das soll sich mit Ubuntu Studio, einer kostenlosen Sammlung von Audio-, Bild- und Videoprogrammen, jetzt ändern.
Ubuntu Studio ist ein ambitionierter Versuch, Linux zur Multimediazentrale zu machen. Audioproduktion, Bildbearbeitung , Videoschnitt: alles Bereiche, in dem Open-Source-Software bislang noch nicht viel zu sagen hat. Adobe Creative Suite, Apple Final Cut Studio - das sind die großen und bekannten Kreativitätsstützen der Medienproduzenten. "Es begann als eine Wiki-Seite, die erklärte, wie man Ubuntu multimedia-tauglich macht", sagt der Chef des Projektes, Cory K. gegenüber netzwelt.
Aus vielen wird eins
So gibt es zwar schon seit Jahren viel versprechende Projekte, die den kommerziellen Produkten quelloffene Konkurrenz machen wollen, den großen Durchbruch hat Open-Source im Medienbereich aber bis heute nicht geschafft. Zu viele zerklüftete Projekte, eine zu etablierte Konkurrenz. Branchenstandards wie Photoshop sind kaum vom Thron zu stoßen und gestatten nur wenig Konkurrenz neben sich.

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Audioproduktion mit Ardour
(Klick vergrößert)
Da erscheint es nur logisch, die verstreuten Multimediaprojekte unter einen Hut zu bringen. Über ein Jahr hat es bis jetzt gedauert, bis Ubuntu Studio in einem benutzbaren Zustand war. "Der größte Teil der Arbeit lag darin, uns in die Ubuntu-Welt einzuarbeiten und das System zu verstehen. Wir waren am Anfang recht unerfahren", sagt Projektleiter Cory gegenüber netzwelt. Die Basis des Paketes bildet, wie der Name verrät, die Linux-Distribution Ubuntu mit dem Gnome-Desktop. Dazu kommen sämtliche Open-Source-Projekte rund um das Thema Multimedia.
Das Multimedia-Linux
Unter dem Dach des Projektes sind alle prominenten und unbekannteren Medien-Helfer vereint. Gimp, Blender, Inkscape und weitere auf der Grafikseite, Kino, CinePaint und Pitivi Video Editor bei den Bewegtbildern, sowie Audacity, Ardour und viele mehr bei der Audioproduktion. OpenOffice hilft bei den täglichen Büroarbeiten.
Somit gibt es mit Ubuntu Studio ein komplettes Medien-Linux, das direkt nach der Installation funktioniert. Kein Hantieren mit Installationspaketen, sondern alles ist in einem einzigem DVD-Image enthalten und wird auf einen Rutsch installiert. Damit ist die kostenlose Multimediasuite auf Pinguinbeinen auch für Linux-Einsteiger gut geignet. Alles funktioniert weitgehend von selbst. Die gefürchtete Kommandozeile bleibt dem Neuling erspart.

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Kino ist ein Schnittprogramm für DV-Material
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Einfache Installation
Eines ist allerdings Vorraussetzung für ein Ubuntu-Studio-System: Ein eigener Rechner oder eine eigene Partition für Ubuntu. Denn ein vollwertiges Betriebssystem lässt sich schließlich nicht so leicht installieren und löschen wie ein Programm. Die eigentliche Installation geht leicht von der Hand. Der User wählt die Textinstallation und folgt den Anweisungen auf dem Bildschirm.
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Für den Linux User, der schon seit längerer Zeit sowohl seine tägliche Büro- als auch seine Multimedia-Arbeit unter dem freien OS erledigt, ist es erstaunlich, dass Ubuntustudio (seit Sommer 2006 zum Dowload frei) immer noch als Geheimtipp gehandelt wird.
Im Audiobereich ist der Nutzen allerdings eher gering. Multitrack Recording (8 in parallel) läuft in Ardour 2 bei einer 40 Spur Produktion mit 6 - 10 ms Latenz unter ubuntu, 3 - 4 ms unter ubuntustudio. Fast ALLE "normalen" Programme laufen aber etwas langsamer mit dem "Low Latency Kernel". Beide Werte bedürfen - im Sinne einer "sauberen" Produktion - ohnehin einer Korrektur; da ist es ziemlich egal, wie weit man die Latenz runtergekürzt hat (auch wenn wir hier von Fraktionen einen HUDERTSTEL Sekunde reden).
Mein Fazit: Wer heute professionelle Multimedia-Produktionen fährt, kann mit Linux hervorragend leben - sogar und vor Allem, wenn er DAVON leben muss.
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