Nokia: Subventionsheuschrecken und Krokodilstränen
Schwarz-Rot-Gold malt Schwarz-Weiß
Die geschlossene Front von Mitarbeitern, Gewerkschaften und Politik schießt sich in der Argumentation auf eine Konzernentscheidung ein, die weltweit längst Usus ist und von den Konsumenten auch akzeptiert wurde: Autos aus Asien, Technologie aus Indien, Gas aus Russland: "Die Menschen wollen immer alles so billig wie möglich haben. Da soll das Nokia-Handy eben nicht 500, sondern nur 300 Euro kosten. Viel von dem, was derzeit an Rückmeldungen aus der Öffentlichkeit kommt, ist einfach das Demonstrieren einer Gutmenschenhaltung gegen die bösen Kapitalisten", kritisiert Gerpott den Grundtenor.
Weiterhin führt er gegenüber netzwelt aus: "Sicher, der Wegfall der Arbeitsplätze tut den Betroffenen weh. Wenn man allerdings diese persönliche Betroffenheit beiseite legt, profitiert Deutschland durchaus noch auf nationaler Ebene von Nokia. Denn die Nokia-Entscheidung bildet auch die Offenheit der europäischen Märkte und die Osterweiterung der EU ab, durch die Deutschland als Exportnation insgesamt mehr gewinnt als verliert." Dies sei natürlich kein Trost für die Menschen in Bochum.

No, Nokia: SPD-Populismus gegen die Werksverlegung.(Klick vergrößert)
Trotzdem wird man nicht müde, einen gesamtdeutschen Nokia-Boykott auszurufen. Dietmar Muscheid, DGB-Landesvorsitzender von Rheinland-Pfalz, empfiehlt dringend, in Zukunft die Kaufentscheidung bei Handys zu überdenken. Beck, Rüttgers, Struck, Seehofer - sie alle sympathisieren mit den Betroffenen, geben ihre Dienst-Handys der Marke Nokia ab und geloben, keine Produkte des finnischen Konzerns mehr benutzen zu wollen.
Die SPD NRW geht mit ihrem Projekt "No, Nokia" noch weiter und sammelt fleißig Unterschriften und Stellungnahmen. Was den besorgten Nokia-Mitarbeitern wohl nichts nützen wird, dem Wahlkampf dafür umso mehr. Krododilstränen wegen der Subventionsheuschrecke - und mehr als 2000 Nokia-Beschäftige müssen sie am Ende aufwischen.
