"Gutmenschenhaltung gegen böse Kapitalisten"
Nokia: Subventionsheuschrecken und Krokodilstränen
Die Meldung schockierte: Der finnische Mobilfunk-Konzern Nokia verlegt noch im ersten Quartal 2008 seine Fertigung von Bochum ins rumänische Cluj. Mehr als 2300 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, die ersten Kündigungen sprach das Unternehmen bereits aus. Nokia begründet knapp: Der deutsche Standort sei nicht wettbewerbsfähig. Spitzenpolitiker rufen jetzt zum Nokia-Boykott auf.

Inhaltsverzeichnis
- 1Jüngste Ereignisse: Tausende Arbeitsplätze gefährdet
- 2Standort Deutschland: Nicht konkurrenzfähig
- 3Das liebe Geld: Preiskampf und Zuschüsse
- 4Widerstand zwecklos?
- 5Schwarz-Rot-Gold malt Schwarz-Weiß
Jüngste Ereignisse: Tausende Arbeitsplätze gefährdet
Der Zorn ist groß, das Schicksal des Standortes Bochum scheint besiegelt: Mitte 2008 soll das Nokia-Werk schließen, schon in der ersten Februarwoche dieses Jahres beginnt die Produktion in Rumänien. Inklusive der Post-Tochter DHL seien weit mehr als 2000 Arbeitsplätze in Gefahr; laut internen Informationen haben Beschäftigte der Leiharbeitsfirmen Randstad und Adecco bereits Kündigungsgespräche führen müssen - offiziell bestätigt werden diese Tatsachen aber wohl erst am Montag.
Harten Gegenwind gibt es aus Deutschland: "Subventionsheuschrecke" bringt NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers ins Gespräch, Nordrhein-Westfalens IG-Metall-Chef Oliver Burkhard spricht von einer "bodenlosen Sauerei". Auch Spitzenpolitiker wie Beck, Struck und Seehofer fordern die Deutschen zum Boykott auf und verweigern ihrerseits die Nutzung der Nokia-Handys.
So kurz vor den Wahlen tut Populismus gut: "Bei Jürgen Rüttgers sind das eindeutig Krokodilstränen. Kein Wunder, im Wahlkampf ist es für einen Politiker bequem, den Standpunkt der öffentlichen Meinung zu vertreten", schildert Torsten J. Gerpott, Branchenexperte und Professor für Unternehmens- und Technologieplanung an der Universität Duisburg-Essen, gegenüber netzwelt. Bei einem solchen drastischen Schritt wie dem Nokias fällt es nicht schwer, Partei zu ergreifen.

Es wird Zeit, daß wie Deutschen aufwachen und begreifen, daß "der Kapitalismus", besser wohl die wenigen tausend Personen, die mehr als 80% des weltweiten Kapitals in den wenigen Händen halten ihre Maske in Form...