Wie der magentafarbene Riese den Geburtstag versüßte
Verkehrte Netzwelt: Ein ganz besonderes Geschenk
Stefan Hagedorn
Stell Dir vor, Du hast Geburtstag und keiner ruft Dich an. Zugegeben, eine ziemliche Horror-Vorstellung. So fragt man sich schnell, was das ganze Jahr wohl schief gelaufen sein mag. Welche Grund sollte es sonst geben, dass weder Familie, noch Freunde oder Kollegen Glückwünsche zum Geburtstag übermitteln möchten. Vielleicht ist die Antwort viel näher, als gedacht: die letzte Meile liegt nicht umsonst beim Telekommunikationsanbieter.
Kein Schwein ruft mich an
Bevor man in tiefste Depressionen fällt, ganz nach dem Motto "keiner liebt mich!" sollte erst einmal geprüft werden, ob das Telefon überhaupt seinen Dienst tut. Gerade an solchen besonderen Ehren-Tagen kann das, was sonst zur selbstverständlichen Routine gehört, schnell zu einem besonderen Luxus werden. Die Verkehrte Netzwelt ist keine Illusion, sondern die nackte, grausame Realität. Sie grinst uns förmlich an - in Gestalt eines magentafarbenen Unternehmens, besser bekannt als Deutsche Telekom. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind also kein Zufall.
Wir schreiben einen der ersten Tage des neuen Jahres. Ein sonniger Wintertag im Monat Januar sollte es sein, ganz anders als bei meiner Geburt. Wie viel Jahre das inzwischen schon her ist, soll an dieser Stelle ganz bewusst unerwähnt bleiben. Auf jeden Fall: Mein Geburtstag, eigentlich ein Tag der Freude. Es ist früh am Morgen, sicher drehen sich die Gratulanten noch mal schnell auf die anderen Seite. Immerhin war es doch schon um Mitternacht verdächtig ruhig, scheinbar ein Tag, um früh ins Bett zu gehen und auszuschlafen. Doch langsam wird es Mittag, das Haar sitzt - und das Telefon schweigt noch immer.
Diese Stille...
Der Nachmittag kommt, und mit ihm starke Zweifel an meiner wahren Beliebtheit. Plötzlich und unerwartet werde ich aus der Stille des Tages gerissen. Meine Mama hatte meine Handynummer ausgekramt und erreicht mich über mein Mobiltelefon. Und nicht nur das, es gibt zugleich die Aufklärung für den lethargischen Geburtstag. Ich bin gar nicht über das Festnetz erreichbar, sofort schalte sich die T-Net-Box ein, weiß meine Mama mir zu berichten. Ich lausche ihr mit immer größer werdenden Augen. Ein verfrühter Aprilscherz mitten im Januar? Nein, das glaube ich nicht. Das würde nicht zur ihr passen. Ich lege auf und mein Ego kann sich wieder beruhigen. So schlimm bin ich also doch nicht.
In der Tat, im Selbstversuch lande ich ebenfalls bei einer weiblichen Computerstimme und nicht auf meinem Festnetzanschluss. Wer auch immer mir gratulieren wollte, es sind wahrlich keine Freunde eines sterilen Anrufbeantworters. Denn die T-Net-Box hält für mich keine einzige Nachricht bereit. Ein schwacher Trost: Abgehende Anrufe haben die ganze Zeit problemlos funktioniert, sonst wäre mir das Ungemach sicher schon viel früher aufgefallen. Inzwischen schreitet der Nachmittag voran und ich bin sauer.
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