Fototipp: Sternspuren fotografieren

Kopfrechnen für Nachtschwärmer

Wer in den Himmel blickt, sieht keine Sternspuren, sondern nur unendlich viele Lichtpunkte. Aufgrund der Erdbewegung kann man mit einer ausreichend langen Belichtungszeit die Sterne in ihre Bewegung verfolgen. Dazu sind Belichtungszeiten von mindestens 15 Minuten bis zu einigen Stunden notwendig. Je länger die Belichtungszeit, desto länger sind auch die Sternspuren.

Zudem spielt die verwendete Brennweite eine entscheidende Rolle: Bei Weitwinkelaufnahmen sind selbst bei Belichtungszeiten von bis zu 40 Sekunden noch keine Sternspuren zu sehen, mit einem Teleobjektiv aber schon. Wer also ein statisches Sternbild ablichten möchte, muss unterhalb einer bestimmten Belichtungszeit bleiben und mit einer ausreichend hohen ISO-Empfindlichkeit in einer kurzen Zeit viel Licht auffangen.

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Bild eines Nachthimmels

Bereits 15 Minuten Belichtungszeit zeigen schon gut sichtbar den gewünschten Effekt. Das Erhöhen der Verschlusszeit bewirkt noch längere Spuren.

Unser Vorhaben, Sternspuren abzulichten, funktioniert daher am besten mit langen Belichtungszeiten von mehreren Minuten oder gar Stunden. Die richtigen Kameraeinstellungen sind dabei stark von der Resthelligkeit am Himmel und der Umgebung abhängig. Je heller das Ganze, desto mehr sollte die Blende geschlossen werden - die ISO-Empfindlichkeit wird am besten möglichst niedrig gehalten, um Bildrauschen zu vermeiden.

Für optimale Einstellungen funktioniert die folgende Methode gut, bei der Sie jedoch um ein wenig Rechenarbeit nicht herumkommen. Die ISO-Empfindlichkeit wird auf den maximalen Wert eingestellt, zum Beispiel ISO 3200, und die Blende soweit geöffnet wie nur möglich. Die nun von der Kamera angezeigte Belichtungszeit ist der Ausgangswert der Berechnung. Mal angenommen unsere Werte sind ISO 3200, Blende 4 und 20 Sekunden Belichtungszeit. Wir wollen aber mindestens mit Blende 11 fotografieren (bessere Schärfe und längere Sternspuren) und höchstens ISO 200 (weniger Bildrauschen) verwenden.

ISO 3200 + f4 = 20s

Als Erstes rechnen wir die Blende um: Eine Erhöhung um eine Blendenstufe bedeutet einen Verdopplung der Belichtungszeit. Das Ziel ist Blende 11, daher wird die Verschlusszeit dreimal verdoppelt, weil drei volle Blendenstufen dazwischen liegen.

f1 – f1.4 – f2 – f2.8 – f4 – f5.6 – f8 – f11 – f16

ISO 3200 + f11 = 160s

Nun die ISO: Eine Verringerung der ISO-Empfindlichkeit um eine Belichtungsstufe bedeutet ebenfalls eine Verdopplung der Verschlusszeit.Das Ziel ist ISO 200, daher wird die Verschlusszeit weitere viermal verdoppelt.

ISO3200 – ISO1600 – ISO800 – ISO400 – ISO200 – ISO100 – ISO50

ISO 200 + f11 = 2560s

Die Rechnung ist wesentlich einfacher, als es auf den ersten Blick scheint, und mit etwas fotografischem Grundverstand auch nicht wirklich kompliziert. Manchmal reicht aber auch diese Methode nicht aus, da zu wenig Licht vorhanden ist. Dann lautet Experimentieren die Devise. Mit dem Grundwissen aus diesem Artikel sollten Sie aber in der Lage sein, die Situation zu meistern.

Professionelle Astrofotografie sieht natürlich anders aus, als es hier beschrieben wird. Für höhere Ansprüche ist allerdings jede Menge zusätzliches Equipment nötig, für den kurzen Ausflug in diese Welt der Fotografie kommt man aber mit jeder Digitalkamera zurecht, die eine beliebig lange Belichtungszeit bietet. Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, findet entsprechende Links in der Linkbox unter diesem Artikel.

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