Und sie dreht sich doch, die Erde
Fototipp: Sternspuren fotografieren
Tobias Heinze
Wer in den Himmel blickt, sieht aber keine Sternspuren, sondern nur unendlich viele Lichtpunkte. Da sich die Erde aber bekanntlich dreht, kann man mit einer ausreichend langen Belichtungszeit die Sterne in ihre Bewegung verfolgen. Belichtungszeiten von 15 Minuten bis zu einigen Stunden sind dazu nötig. Je länger die Belichtungszeit, desto länger sind natürlich auch die Sternspuren.
Zudem spielt die verwendete Brennweite eine entscheidende Rolle: Bei Weitwinkelaufnahmen sind selbst bei Belichtungszeiten von bis zu 40 Sekunden noch keine Sternspuren zu sehen, mit einem Teleobjektiv aber schon. Wer also ein statisches Sternbild ablichten möchte, muss unterhalb einer bestimmten Belichtungszeit bleiben und mit einer ausreichend hohen ISO-Empfindlichkeit in einer kurzen Zeit viel Licht auffangen.

![]()
![]()
Bereits 15 Minuten Belichtungszeit zeigen schon gut sichtbar den gewünschten Effekt. Ein Erhöhen der Verschlusszeit bewirkt noch längere Spuren.
(Klick vergrößert.)
Unser Vorhaben, Sternspuren abzulichten, funktioniert daher am besten mit langen Belichtungszeiten von mehreren Minuten oder gar Stunden. Die richtigen Kameraeinstellungen sind dabei stark von der Resthelligkeit am Himmel und der Umgebung abhängig. Je heller das Ganze, desto mehr sollte die Blende geschlossen werden - die ISO-Empfindlichkeit wird am besten möglichst niedrig gehalten, um Bildrauschen zu vermeiden.
Kopfrechnen für Nachtschwärmer
Für optimale Einstellungen funktioniert folgende Methode ganz gut, bei der jedoch ein wenig gerechnet werden muss. Die ISO-Empfindlichkeit wird auf den maximalen Wert eingestellt, zum Beispiel ISO 3200, und die Blende soweit geöffnet wie nur möglich. Die nun von der Kamera angezeigte Belichtungszeit ist unser Ausgangswert der Berechnung. Mal angenommen unsere Werte sind ISO 3200, Blende 4 und 20 Sekunden Belichtungszeit. Wir wollen aber mindestens mit Blende 11 fotografieren (bessere Schärfe und längere Sternspuren) und höchstens ISO 200 (weniger Bildrauschen) verwenden.
ISO 3200 + f4 = 20s
Als Erstes rechnen wir die Blende um: Eine Erhöhung um eine Blendenstufe bedeutet einen Verdopplung der Belichtungszeit. Wir wollen zu Blende 11, daher wird die Verschlusszeit dreimal verdoppelt, da drei volle Blendenstufen dazwischen liegen.
f1 – f1.4 – f2 – f2.8 – f4 – f5.6 – f8 – f11 – f16
ISO 3200 + f11 = 160s
Nun die ISO: Eine Verringerung der ISO-Empfindlichkeit um eine Belichtungsstufe bedeutet ebenfalls eine Verdopplung der Verschlusszeit. Wir wollen zu ISO 200, daher wird die Verschlusszeit weitere viermal verdoppelt.
ISO3200 – ISO1600 – ISO800 – ISO400 – ISO200 – ISO100 – ISO50
ISO 200 + f11 = 2560s
Die Rechnung ist wesentlich einfacher, als es auf den ersten Blick scheint, und mit etwas fotografischem Grundverstand auch nicht wirklich kompliziert. Manchmal reicht aber auch diese Methode nicht aus, da zu wenig Licht vorhanden ist. Dann ist Experimentieren angesagt. Mit dem Grundwissen aus diesem Artikel werden Sie aber gut in der Lage sein, die Situation zu meistern.
Professionelle Astrofotografie sieht natürlich etwas anders aus, als es hier beschrieben wird. Für höhere Ansprüche ist auch jede Menge zusätzliches Equipment nötig, für den kurzen Ausflug in diese Welt der Fotografie kommt man aber mit jeder Digitalkamera zurecht, die eine beliebig lange Belichtungszeit bietet. Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, findet entsprechende Links in der Linkbox unter diesem Artikel.
Weitere Artikel zum Thema
-
Digitalkamera-Zubehör: Graufilter
Warum weniger Licht manchmal doch mehr ist
-
Fototipp: Makrospotlight
Makromotive gekonnt in Szene setzen
-
Fototipp: Lightwriting – Malen mit Licht
Das Tutorial zum Trendthema mit Tipps von Lichtfaktor
Links zum Artikel
Mehr über: Fototipp, Digitalkamera, Foto
Diesen Artikel verlinken
Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons-Lizenz.
nach oben



