Ein Blick auf die Zahlen
Blu-ray gegen HD DVD: Hinter dem Hype
Die Massenmedien werden nicht müde, den Erfolg der Blu-ray zu verkünden. Doch wie sieht die Realität tatsächlich aus? Wie viele Filme gibt es für welches Medium, wie viele der neuartigen Silberscheiben wurden bislang verkauft? Wir schauen auf die Zahlen, um den wahren aktuellen Stand jenseits aller Hypes und Hysterie zu finden. Ein Rückblick und ein Zwischenfazit.
Inhaltsverzeichnis
- 1Hysterie am Fließband
- 2Spielkonsole als Zünglein an der Waage
- 3Die Kräfteverhältnisse
- 4Der Zwischenstand zur IFA
- 5Formatkrieg kostet Milliarden
- 6Flirten mit Hollywood
- 7Blick in die Zukunft
Hysterie am Fließband
"HD DVD triumphiert", "Der Gewinner ist: beide", "Blu-ray gewinnt Formatkrieg" - Die Schlagzeilen des letzten Jahres waren meist verfrüht, nicht selten falsch und im Nachhinein fast albern. Zu Beginn legte die HD DVD den deutlich besseren Start hin. Dank des externen Laufwerks für die XBox 360 gab es schnell eine kleine Basis an Abspielgeräten. Zudem erschien der erste Player für HD DVD etwa drei Monate vor dem ersten Blu-ray-Player. Dass die ersten BD-Player teuer und unausgereift waren, kam Toshiba, dem ersten und wichtigsten Hersteller der HD-DVD-Player, nur entgegen.
Schon gab es die ersten Triumphrufe, die ersten Grabgesänge und Jubelarien. Im Frühjahr 2007 sah alles nach einem klassischen Patt aus. Die Fachmedien prognostizierten eine friedliche Koexistenz der beiden Medien - und unterschätzten dabei das Mitbestimmungsrecht der Kunden. Diese wollten nicht zweigleisig fahren und warteten lieber ab, statt sich zwei verschiedene Player ins Wohnzimmer zu stellen.
Spielkonsole als Zünglein an der Waage
Die Stimmung kippte erst, als die Playstation 3 im November 2006 in Übersee und März 2007 in Europa veröffentlicht wurde. Der integrierte Blu-ray-Player war für manche ein Kaufgrund und für andere ein netter Bonus. So stiegen die Verkaufszahlen der Blu-ray-Filme rasant und überholten die HD DVD. 2007 wurden in den USA doppelt so viele Blu-ray-Filme wie HD DVDs verkauft. In Europa war das Verhältnis drei zu eins, in Japan gar 14 zu eins. Bis November wurden in Europa etwa eine Million Blu-ray-Filme verkauft.
Als Anfang Januar 2008 bekannt wurde, dass Warner und New Line Cinema ab Juni keine neuen Filme mehr auf HD DVD herausbringen werden, sondern exklusiv auf Blu-ray setzen, versetzte dies dem HD-DVD-Konsortium einen herben Schlag. Wieder einmal wurde das Ende der Zweigleisigkeit vorhergesagt, dieses Mal nicht ganz unbegründet.


Die größte amerikanische Videothekenkette "Blockbuster" hat entschieden, ausschließlich auf Blu-ray als Verleihmedium zu setzen. Nach einer Testphase in einigen Filialen zeigte sich, dass Blu-ray 70 Prozent der ausgeliehenen hochauflösenden Medien ausmachte. Ist die Entscheidung der Konsumenten gefallen, die HD DVD am Ende?
Laut aktuellen Zahlen wurden in Europa bislang dreimal so viele Blu-ray-Discs wie HD DVD-Filme verkauft. Zugleich kommt der Markt für hochauflösende Filme langsam in Fahrt: Über eine Million Blu-ray-Filme gingen in Europa mittlerweile über die Ladentheken. Ist der Formatkrieg der beiden Nachfolger der DVD bald entschieden?
Nach langem Hin und Her, vielen Spekulationen und noch mehr verfrühten Grabreden zeichnet sich nun tatsächlich eine mögliche Entscheidung im Formatkrieg zwischen Blu-ray und HD DVD ab. Auf der wichtigsten Messe für Unterhaltungselektronik, der CES in Las Vegas, dominiert Blu-ray, während die HD DVD an Unterstützung verliert.
Laut aktueller Ergebnisse des Marktforschungsunternehmens NPD hat sich der Marktanteil des DVD-Nachfolgers HD DVD nach der CES in Las Vegas drastisch verringert. Noch im Dezember war die Aufteilung zwischen HD DVD und Blu-ray ausbalanciert, jetzt besitzt Blu-ray über 90 Prozent Marktanteil.
Noch in diesem Jahr wird die HD DVD endgültig verloren haben. Zumindest, wenn es nach Ansicht der Marktanalysten der Gartner Group geht. Für Anhänger der HD DVD gibt es wöchentlich neue schlechte Nachrichten. Die Großen der IT-Branche kümmern sich hingegen überhaupt nicht um die beiden neuen Formate, sondern ignorieren diese. Sind am Ende beide die Verlierer?
Die Niederlage im HD-Formatkrieg gegen Sonys Blu-ray-Format kommt Toshiba teuer zu stehen. Weil sich das eigene HD-DVD-Format nicht durchsetzen konnte, rechnet Toshiba im laufenden Geschäftsjahr, das am 31. März endet, mit einem Verlust von 100 Milliarden Yen (ca. 637 Millionen Euro).





